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Ost und West · 1908-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1908) · p. Seite 565 - 565

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1908)
Article
Die Kinderlose
Date
1908-08-01
Page
Seite 565 - 565 (sequence 5)
Language
German
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5G5 Sache anregte, — diese Frau, mit der er sich so schön vertragen konnte, — wo ist sie denn? . . . Tatsächlich, er hat es schon fertig gebracht, die treue Flor beinahe zu vergessen, als ob sie, Gott behüte, nicht am Leben wäre ... er hat ja mit ihr die ganze Nacht nicht gesprochen - als wenn sie ihm fremd wäre . . . Auf diese Weise wird er doch ihren Neid nur verzehnfachen . . . Er seufzte auf, verliess den Saal und begab sich auf Flors Zimmer. Flor erriet seine Schritte, und als er hereintrat, waren ihre Augen geschlossen, als wenn sie schliefe. — Sie sagte zu ihrem Herzen: wenn er sich über sie neigt und ihr einen Kuss gibt, wie er es zu tun pflegte — dann ist es ein Beweis dafür, dass er sie nicht vollständig vergessen wird . . . Er blieb einen Augenblick bei ihr, betrachtete mitleidsvoll diesen Leib, der sich mitten im Bette so zusammengefaltet hat — sodann machte er kehrt und ging weg . . . 566 Sie ist also ein überflüssiges Geschöpf und ist im Hause vergessen . . . Ihr Leben ist verfehlt. Das junge Weib wird ihm Kinder schenken — und nur sie mit ihren Kindern werden sein ganzes Herz in Anspruch nehmen, werden das Haus und seine Habe erben . . . Und sie . . . eine starke Sehnsucht nach ihrer Mutter über-mannte sie. Nach dem einzigen Geschöpf, dessen Leben voll treuer Liebe war für sie bis an das Grab. — Mutter, Mutter, Mutter! — lispeln ihre zitternden Lippen — wo ist Mama? — sie will deren Knie umarmen, sie will ihren glühenden Kopf in deren Busen legen, sie will dort ihr Herz ausschütten. Wo ist Mama, um ihr ein Wiegenliedchen zu singen, voll Trauer, voll Weinen und Mitleid, ein Wiegenliedchen für eine verlorene, hoffnungslos aus dem Leben verstossene Seele, ohne Nachkommenschaft, ohne Söhne? , . . Itzchak Sehami: Die Kinderlose. bieder des Gebefes. Von Theodor Zlocisti. Nachdruck verboten. I. Nachtgebet. Der Tag verblüht. Ergeben taumeln schon Blatt und Knospe ihrem Schicksal zu. Ein Blick des Abendsterns, verwehter Glockenton Von fern geleiten sie zur Ruh. Die Waidenhalme rascheln weich im Wind, Beugen sich wie Kinder im Gebet; Und ist, ob Gott — die müd und einsam sind Nun segnend — über die Wiesen geht. Geh nicht vorbei an mir aNein. Und gieb Deinen Segen mir auch ins Gemüt. Was mir von aller hohen Sehnsucht blieb, Will auch zur Ruh . . . Der Tag verblüht.-- II. Die letzte Stunde. Weiss nicht, ob kurz der Weg, ob weit, Den mir ein dunkler Plan bestimmte. Giebt mir dereinst die Sonne das Geleit, Führt mich der stille Stern, der gestern glimmte? Weiss nicht, ob fern mein Ziel, ob nah . . Die Sträucher flüstern an den Rainen. Oft klingt ihr Raunen wie ersehntes Ja; Und wenn ichs suche, klingt es wie Verneinen. Die Wolke blickt vergrämt herab. Weiss nicht: was bergen ihre Schleier? Trägt sie die Tränen für ein junges Grab? Birgt sie den Segen für die Abendfeier? Weiss nur: die letzte Stunde wird Zerspelln das starre Joch der Frage! . . . Der hohe Meister lächelt und entwirrt Den Rätselsinn der blinden Wandertage.

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