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Ost und West · 1908-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1908) · p. Seite 539 - 540

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1908)
Article
Moses
Date
1908-08-01
Page
Seite 539 - 540 (sequence 2)
Language
German
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539 Dr. D. Leimdörfer: Moses. 540 Mirjam: Komm Fest des Lichtes im Frühlingsmond, O, singet dem Herrn, der die Liebe belohnt. Fremder Chor: Frohlockt nicht zu früh, der Feind hat bereut, Schon folgt er Euch nach. Es flattern die Fahnen, Es klirren die Waffen, es schnauben die Rosse. Volk: Entsetzen ergreift uns, o Gott unserer Ahnen! Wir hoffen auf Licht, wird's wieder denn Nacht? Fremder Chor: Ruft Euren Führer. Beweis er die Macht! Volk: Uns schaudert's, o Grauen! Vor uns das Meer, Zur Rechten, zur Linken nur Felsengestein Und hinter uns Wüste, der Feind hinter her. O Moses, o rette, vernichte die Pein! Mirjam: Vertrauet dem Herrn, der „Alliebe" sich nennt! Seht Ihr nicht, was vom Feinde uns trennt? Die Feuersäule — wie sie glüht, wie sie brennt? Fremder Chor: Was kann sie Euch helfen? Wer Pharao kennt, Der fürchtet die Feinde. Was habt Ihr getan? Moses und Ahron, wir klagen Euch an. Volk: Verzagt und verzweifelt klagt Israel Euch an. Ihr wollt uns verderben, Ihr wollt unser Sterben. Hat Egypten nicht Gräber? Was zogen wir her, Zu sterben in Wüsten, zu sterben im Meer! Moses (erscheint): Kleinmütiges Volk, wo ist nun Dein Glaube An Gott den Erlöser? Seid stark und vertraut. Der Herr ist mit Euch, er wird es vollbringen, Dass Ihr der Feinde Untergang schaut. Mirjam: Hört Ihr den Sturm? Was ist Dir, o Meer, Dass Du fliehest vor seinem Toben? Was zitterst Du Volk vor Geschöpfen aus Staub, Die Gott erst zum Dasein erhoben! Ahron: Höret auf Moses, sein Stab vollbringt Wunder, Schon hebt er die Hand, es teilt sich das Meer. Mirj am: Der Seeweg ist trocken, o Wunder, o Wunder! Moses: Was zögert Ihr? Vorwärts! So will es der Herr. Mirjam: Diese durch Wagen, jene durch Rosse, wir nur mit Gott. Der Engel des Herrn, er glättet die Wogen. Vorwärts mein Israel, vorwärts zum Licht. (Man hört Kriegsfanfaren, AVagengerassel. Lärmen und Flüstern durcheinander, und ein dumpfer Chor singt im Hintergrund: „Ich muss fliehen vor Israel, der Herr kämpfet für sie. Einige Male wiederholt. Es legt sich der Wind, das Trockene wird nass. Es schlagen die Wellen zusammen ums Haupt. O wehe uns, wehe, wehe!") Volk: Wir fürchten Dich, Herr, wir sehn Deine Hand, Wir glauben an Dich, an Mose, Deinen Knecht. Moses: Lasst mich singen dem Herrn, denn hocherhaben ist er, Der Feinde Ross und Wagen, er stürzt sie ins Meer, Mein Sieg und mein Sang ist Jah, Er ist meine Hülfe. Hallelujah. Chor: Der Herr ist ein Kriegsheld, er stürzet die Feinde, Es türmte die Flut sich, die Tiefe erstarrt. Ein Hauch Deines Mundes, sie sinken vernichtet, Dein Volk aus den Fluten gerettet nun ward. Moses: Wer ist Dir gleich, o Herr unter Mächten? Wer Dir nur ähnlich, heilig wie Du? Furchtbar im Lobe, Wundervollbringer! Volk: Du führst die Erlösten zum Berge des Heiles, Dahin zieht Dein Volk, geheiligt durch Dich. Moses: Der Herr wird regieren in Ewigkeit! Volk (wiederholt): Mirjam (mit der Pauke den Frauen voran): Stimmt an Ihr Frauen mit Pauken und Reigen, Das Lied, das ich künde: Singet dem Herrn, erhaben ist er, Ross und Reiter stürzt er ins Meer! Frauen wiederholen es, dann Alle: Nicht die Toten loben Gott, doch uns lasst ihn preisen, Von nun an bis in Ewigkeit! Hallelujah! 3. Am Sinai. Volk, Engelchöre, Moses, Himmels stimme. Volk: Erlöst aus Egypten, am heiligen Berge, Vor Sinais Höhen, aus der Wüste befreit. Auf unsern Knieen wolln Gott wir Dir danken, Dich preisen von nun bis in Ewigkeit! Engelschor: Wer darf hinauf zu der heiligsten Stätte, Wer darf zum heiligen Berge hinauf? Der Mann reiner Hände und lauteren Gemütes, Der Sterblichen einer, Moses, steig' auf! Moses: Euch Reinsten der Reinen Dürft' ich mich vereinen? Geboren vom Weibe Mit sterblichem Leibe, Ein Sohn dieser Erde — Der himmlischen Herde? Engel: Du Erdengeborener, Du Gott-Auserkorener, Tu Israel kund den heiligen Bund. Moses: Was ist der Mensch, dass sein Du gedenkest, Des Adams Sohn, dessen Schicksal Du lenkest! So klein und gering vor des Ewigen Glanz. Doch krönt ihn des Urbildes göttlicher Kranz. Engel: Schaust Du den Himmel? Er hat sich geöffnet, Umgeben von tausend der himmlischen Heere Im Schleier der Wolke — der König der Ehre! (Donner, Blitz, Posaunenschall, Säuseln, sanfte Posaunenstösse, übergehend zu brüchigen, stürmischen Tönen, Donnerschlägen.) Moses: Höre, Israel, der Ewige unser Gott, ist einig und einzig!

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