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Ost und West · 1908-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1908) · p. Seite 511 - 512

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1908)
Article
Zur Geschichte des jüdischen Theaters
Date
1908-08-01
Page
Seite 511 - 512 (sequence 2)
Language
German
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511 Samuel Meiseis: Zur Geschichte des jüdischen Theaters. 512 Verstandesmenschen, die geborenen Zwecksucher, die Inhaltspedanten: dem* gemäss war ihnen jede äussere Form belanglos, sobald sie nicht einen wertvollen Inhalt enthielt oder einem höheren Zweck diente. Der Schönheit der Schönheit wegen oder der Freude der Freude wegen irgend welchen Wert beizumessen, wäre ihnen nie in den Sinn gekommen. Gerade eine entgegengesetzte Wesensart besassen die Griechen. Die Juden hatten Propheten, die Griechen Poeten; die Juden hatten Prediger, die Griechen Redner; die Juden hatten heilige Festtage, die Griechen dionysische Festspiele. G. B. CASTIGLIONE. Aus den Dionysien ist die griechische Schauspielkunst hervorgegangen; aus dem Dithyrambos hat sich das Drama entwickelt. Also das Theater, das Drama, die schönste alier griechischen Künste, ist aus dem Schosse des orgiastischen altgriechischen Götzendienstes geboren — dieser Umstand genügte für die Juden in Palästina vollständig, die Wirkung mit der Ursache zu verwechseln und das Theater an sich als etwas Heidnisches, Unerlaubtes, mit der Ethik des Judentums Unvereinbares zu betrachten. Mit dem Siegeszug Alexanders des Grossen durch Asien begann sich das Griechenwesen auch in Palästina einzubürgern. Eine masslose Schwärmerei für alles Griechische bemächtigte sich der jüngeren Elemente, und der Hellenismus nahm im Laufe der Zeit geradezu bedenkliche . Äef'' . :|8ef ^tp,:>' Jakobs Heimkehr. VATIKAN. RAFAELSCHULE. VATIKAN. Jakobs Heimzug. Dimensionen an. Unter der syrischen Herrschaft des Antiochus Epiphanes, der eine Bildsäule Jupiters im Tempel zu Jerusalem aufstellen liess, errichtete der Hellenist und Hohepriester Jason in Jerusalem Turnschulen nach griechischem Mustor und führte die Kampfspiele ein. Das erste Theater in Jerusalem wurde durch den baulustigen Herodes den Grossen errichtet; er liess auch in der Nähe Jerusalems ein Amphitheater erbauen, ebenso Schaubühnen in Cäsarea, Tiberias und in anderen Grossstädten seines Königreichs. Die Herodiier scheinen eifrige Theaterbesucher gewesen zu sein: gegen Herodes I. planten Verschwörer einen Ueberfall im Theater: Herodes Agrippa starb eines plötzlichen Todes im Theater zu Cäsarea. In Alexandrien, wo sich die Verschmelzung des jüdischen Geistes mit dem griechischen Kulturelement unter weit normaleren Verhältnissen vollzog, trat zum erstenmal ein jüdischer Dramatiker namens Ezekielos auf, der ein den Auszug aus Aegypten behandelndes Drama schrieb. Hüben und drüben widmeten sich jüdische Jünglinge der Schauspielkunst. Kein Buch meldet von ihren Leistungen, kein Blatt verzeichnet ihre Namen. Bekannt ist nur, dass der jüdische Schauspieler Alityros der Lieblins: des Kaisers Nero und s:incr Gemahlin Poppäa wrar. Die Gesetzesichrer in Judäa führten einen erbitterten Kampf gegen den Hellenismus. Es war keine Antikulturströmung: vielmehr ein Knmpf zweier Kulturen: der Kampf der einheimisch jüdischen geiren die fremde griechische, in der die Gcsctzeslehrer eine Gefahr für das Judentum erblickten. Sie Hessen sich k'utie

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