Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1908)
- Article
- Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst
- Date
- 1908-08-01
- Page
- Seite 509 - 510 (sequence 6)
- Language
- German
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G. Kutna: Der Patriarch Jakob in der bildenden Kunst. 510 Engländer Fr. K. Pickersgill hat seine Quelle in einem Heldengesang anderer Zonen. Bei dem Segnen der Söhne und dem Begräbnis Jakobs steht Josef im Mittelpunkte der Darstellung, ausser bei den typologischen Werken, wo in christologischem Hinweis (manifestissime in passione Christus reeubuit. . .: Angelomus) die Worte des Judasegens: „Er lagert wie ein Leu, wer mag ihn erwecken", als Hauptmoment illustriert werden. Es wird daher Jakob als s3rmbolische Gestalt hingesetzt, die ein Spruchband (Quis suscitabit eum) in der Hand hält und mit einem Stabe zwei zu seinen Füssen lagernde Löwen berührt (Altaraufsatz von Klosterneuburg u. a.) Der Ashburnham Pentateuch, der noch nicht im Dienste der Typologie steht und realer fühlt, gibt mit seinen primitiven Mitteln eine recht lebendige Schilderung der Vorgänge. Die Leiche, die mit grossem Wagengefolge zur Gruft gebracht worden ist, wird von trauernden Männern ins Innere getragen. Dann knieen die Brüder in einer dramatisch bewegten Szene vor Josef nieder und bitten um seine Verzeihung und Gnade. In dem französischen Manuskript der Josephsgeschichte des Brit. Mus. (19992) sitzt Jakob nackt auf dem Bette, die Söhne falten die Hände, und Joseph wirft sich auf den sterbenden Vater und küsst ihn. Weiter geleiten sie den schwarz bedeckten Wagen und legen den Vater in einen Sarkophag. In der Hagadah (Add. 27210) des Brit. Mus. steht ein König unter den Trauernden um den Sarg Jakobs, den die Söhne in dunkler Kleidung mit Kapuze wie Gugelmänner zur Erbgruft hingeleiten. Die zwölf Söhne Jakobs mit den Spruchsymbolen aus dem Segen des Vaters kommen als Ornament in Bibelwerken, lithurgischen Schriften und religiösen Dokumenten (Traubrief aus Mantna in der Samml. D. Kaufmann) vor, doch sind sie in den meisten Fällen mehr kalligraphische Verzierung als Erzeugnisse der bildenden Kunst. ZUR GESCHICHTE DES JUEDISCHEN THEATERS. Von Samuel Meiseis. Nachdruckverboten. Nicht der Zionshügel war der Lieblingssitz Thailens, sondern der Gipfel des Helikon. Nicht aus den rauschenden Wassern des Jordan trank sich Thalia Begeisterung und Schöpferkraft, sondern aus den sprudelnden Quellen der Hippokrene. Das Theater — im weitesten Sinne — ist ein stämmiger Baum, der unter dem südlichen Himmel Griechenlands emporwuchs und die herrlichsten Früchte trug. Auf dem Boden Palästinas konnte er sich nie recht akklimatisieren. In Alt-Judäa gab es viele Kultstätten, heilige Gräber, Versammlungsorte, Vergnügungslokale, Tanzgärten, aber keine Theater, keine , ^'M^jf*-' - ■ <ky~ - *-T^!*i" -'••^C^'^^idtefc' ^"^^^^pfc ■■:y^~f^J:- tr- .. s . - 4* " %U AA I5^| ' «fc.--^ *rfP * 1; : ' ' V ' > - »V ' ••■•> V .-/y > * ' '^ö %y . , ' -k >. " ' ..^> -"4 . . - %. **i^V^ .' w*- v . r ■ \ * ft ' 3- >.-\ * " , > , ' v ^ti^a, ±£h3S^. ä. 1 ~ ~ \ y' $ V. \ J. BASSAXO. Jakobs Heimkehr. Volksbelustigungen und Schaustellungen. Die festen Religionsformen, die gleich eisernen Eeifen das ganze Leben umzirkelten, Hessen ein Bedürfnis zu ähnlichen Dingen gar nicht aufkommen. Und doch war Jerusalem nichts weniger als eine Art Totenstadt, in der alles pulsierende Leben erstickt, jede Freude verbannt und jede Lust ausgemerzt ist. Wir wissen vielmehr, dass man auch in Jerusalem die Schönheit des Weibes zu schätzen verstand, dem Gesang in ausgiebigster Weise huldigte und vom Wein die richtige Erkenntnis hatte, dass er des Menschen Gemüt erheitere. Es gab dort Volksfeste, auf denen es sehr lustig zuging. Die Gärtentänzc am fünfzehnten Ab, die zum Zwecke der „Brautschau" veranstaltet wurden, waren von einer echten, reinen Heiter* keit, die den Bacchanalien fehlte. Selbst das Weinlaub im Haar gehörte dort nicht zu den Seltenheiten. Aber die Beligion setzte jeder Belustigung einen Dämpfer auf. Fast möchte ich sagen, die Juden in Judäa freuten sich mit Ueberlegung; sie kannten genau die Grenzen, wo die Begeisterung aufhört und der Rausch beginnt, wo die Freude von der Ausgelassenheit abgelöst wird. Und sie hüteten sich, die Grenzlinie zu überschrei- VENEDIG. ten. Zudem waren sie die