Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1908)
- Article
- Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder der A. I. U.
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 477 - 478 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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477 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die General-Versammlung der Berliner Mitglieder etc. 478 zeugter junger Gelehrter hat, nachdem er einige Falaschas in Abessinien gesehen und gesprochen, auch zwei Falaschaknaben nach Europa gebracht hat, wo die Alliance sich ihrer so lange annahm, bis sie gewaltsam fortgeführt wurden, sich der Alliance als den einzig möglichen Leiter einer Falascha- Expedition anbieten wollen und ein italienisches Pro-Falascha-Comite veranlasst, die Hilfe oder die Gunst des Königs von Italien anzurufen für das Projekt, in der italienischen Erythrea-Kolonie eine Falascha - Schule zu schaffen. Zweckwidrigeres konnte nicht geschehen. Die Alliance hat das einzig Richtige getan, indem sie die Expedition zunächst an den Wegus von Abessinien schickte und dessen Gunst durch die französische Gesandtschaft in Addis Abeba gewann. Herr Nahoum, der Leiter der Expedition, ein gereifter Mann, hat durch seine Klugheit in Haltung und Rede das Wohlwollen des Negus gewonnen. Zur Zeit ist die Expedition wahrscheinlich ihrem Ziele nahe, und in wenigen Monaten wird der Bericht vorliegen und in diesem Bericht die Basis für eine fernere gedeihliche Tätigkeit gegeben sein. — Das sind die einfachen, sicheren Tatsachen, die nicht gehindert haben, dass unsere Unsachverständigen, die kaum wissen, wo Abessinien liegt, sich gegen die Alliance und für den Retter aus eigenem Mandat „grenzenlos ereifert" haben. Es ist schon gesagt worden, dass wir der Fehlsamkeit alles menschlichen Schaffens uns bewusst sind, dass wir also auch weit davon entfernt sind, denen zu zürnen, die uns auf Unterlassungen aufmerksam machen. Wir betrachten diese Mahner vielmehr als unsere Freunde, denen wir Dank schulden, weil sie uns helfen wollen, unser Werk immer reiuer und besser zu gestalten und zu erhalten. Wir werden an unserem Gotteswerk mit allem herzlichen Eifer und mit aller Liebe weiterarbeiten, zum Preise Gottes und Israel zum Heil und zur Ehre." Der Vorsitzende stellt den Bericht zur Erörterung und konstatiert, da das Wort nicht verlangt wird, dass die Anwesenden den Bericht gutgeheissen haben. Zu Punkt 2 der Tagesordnung — Wahlen zum Vorstand — führt der Vorsitzende aus: In der Generalversammlung der Berliner Mitglieder vom 2. Juni 1907 ist das damalige Comite in seinem vollen Bestand jbestäti^t worden. Inzwischen hat die Kooptation von zwei weiteren Mitgliedern, der Herren Rabbiner Dr. Eschelbacher und Justizrat Max Fuchs stattgefunden. Danach besteht das Lokal-Comite Berlin ausser dem Vorsitzenden aus den Herren Rabbiner Dr. Weisse, Benno Braun, Alfred Cohn, Rechtsanwalt Dr. A. Hantke, dipl. log. Ludwig Adler, Rabbiner Dr. Eschelbacher, Max Beer, Ilia Ber, Siegfried Brünn, Direktor Moritz Dorn, Heinrich Fraenkel, Dr. med. Sam. Fraenkel, Geheimrat Prof. Dr. L. Landau, Dr. med. Lehfeldt, Direktor Oskar Oliven, Louis Rosenbaum und Justizrat Max Fuchs. Nach den Satzungen des Lokal-Comites Berlin § 2 werden die Mitglieder des Lokal-Comites auf drei Jahre gewählt mit der Massgabe, dass alljährlich der dritte Teil der Mitglieder ausscheidet. Die Reihenfolge des Ausscheidens wird für die erste Wahlperiode durch das Los bestimmt, die ausscheidenden Mitglieder sind wieder wählbar. Die Wahlen finden in der Generalversammlung statt. In der Sitzung des Lokal-Comites Berlin vom 10. Mai 1908 ist die Auslosung vorgenommen worden, die folgende Namen traf: Dr. Lehfeldt, Ilia Ber, Dr. med. S. Fraenkel, R. A. Dr. Hantke, Rabbiner Dr. Weisse, dipl. Ing. Ludwig Adler. — Aus der Mitte der Versammlung wird die akklamative Wiederwahl der ausscheidenden Lokal- Comite-Mitglieder vorgeschlagen. Widerspruch erfolgt nicht. Der Vorsitzende erklärt demgemäss die seitherigen Mitglieder des Lokal Comites für wiedergewählt. Um 12 Uhr schliesst der Vorsitzende die Generalversammlung. Ortsgruppe Eisenach. Aus Eisenach erhalten wir über die Bildung eines Lokal-Comites der Alliance Israelite Universelle nachstehenden Bericht: „Unter den günstigsten Voraussetzungen hat sich hier ein Comite, bestehend aus 14 Herren, gebildet, das sich zur Aufgabe gemacht hat, auch am hiesigen Platze eine Ortsgruppe der „Alliance Israelite'4 ins Leben zu rufen. Den Anstoss gab Herr Dr. Frankel - Berlin, der sich gegenwärtig zur Kur hier aufhält. In Verbindung mit dem Unterzeichneten und dem bisherigen einzigen Mitgliede der Alliance am hiesigen Platze, Herrn Ferdinand Stiebel, hatte Herr Dr. Frankel die massgebendsten Personen der hiesigen Gemeinde zu einer Besprechnng eingeladen mit nachstehender Tagesordnung: 1. Soll in Eisenach eine Ortsgruppe der Alliance Israelite gegründet werden? 2. Wahl eines provisorischen Comites für die in nächster Zeit hier stattfindende Versammlung, in welcher der Geschäftsführer der Alliance, Herr M. A. Klausner-Berlin, über die Tätigkeit der Alliance berichten wird. Fast alle Geladenen waren pünktlich erschienen und bekundeten reges Interesse für die gute Sache. Mit der Leitung der Versammlung wurde Herr Ferd. Stiebel betraut und der Unterzeichnete zur Protokollführung berufen. — Nach einigen herzlichen Begrüssungsworten, die Herr Ferd. Stiebel an die Erschienenen und besonders auch an den als Gast anwesenden Herrn Bankier Ganz-Barmen richtet, erteilte er dem Herrn Dr. Frankel dis Wort zu seinem Vortrage: „Was leistet die Alliance und welches sind ihre Ziele?" Mit klaren und überzeugenden Worten schilderte der Redner die Tätigkeit der Alliance, die jetzt bald auf eine 50jährige Arbeit zurückblicken kann. Gross war die Arbeit, aber auch gross der Segen! Nachdem der Redner noch die Ziele der