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Ost und West · 1908-07-01 · Heft 7 (Juli 1908) · p. Seite 451 - 452

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 7 (Juli 1908)
Article
Alenu Leschabeach
Date
1908-07-01
Page
Seite 451 - 452 (sequence 1)
Language
German
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451 452 „ALENU LESCHABEACH." Von Leon Scheinhaus, Mcmel. Nachdruck verboten. Dieser Abhandlung liegen folgende Studien zu Gr im de: 1. Mendelssohns gesamm. Schriften Bd. III (1843) f. 239 - 242 2. „ „ „ „ IV (1845) „419-422 3. S. Deutsch, das Gebet Alenu, Literaturbl. des Orients 1846 Nr. 4 und 5. 4. Ludwig Geiger, Geschichte der Juden in Berlin (1870) I 17 und 52, II 27. 5. Jolowicz, Geschichte der Juden in Königsberg (1867) 33, 100 und 198 201. L O.Jost, Geschichte der Israeliten, Bd. 8 (1828) f. 297. 7. Gräte, Geschichte der Juden (2. Aufl.) Bd. 10 f. 303 ff. S. Kohut, Geschichte der deutschen Juden (1898) f. 647 ff. 9. Ed. Birnbaum, Der erste preussiehe König und die Juden Königsberg, Vortrag (1901) p. 11. 10. Ludwig Philippson, Rückblick auf das Jahr 1843 p. 9. Busch-Kalender. 11. Scheinhaus, mt?S mby in der hebr. Wochenschrift Hamagid (Lyck) 1889, Nr. 2. Die Renaissance erzeugte eine Morgendämmerung der Toleranz, Reuchlins Geist des Humanismus blickte aus den Wolken, und das mittelalterliche Rüstzeug begann zu rosten. Die verfolgten Jaden aber blieben auch fortab die Zielscheibe der mannigfaltigsten Giftpfeile, die Völker wurden des ewigen Haders nicht müde. Die Ausführung blos war nicht mehr brutal, nicht mehr Feuer und Blut, Schwert, Spiess und Dolch, sondern man benutzte Feder, Papier und Tinte, Verläumdungen und Schmähschriften schlimmster Art zu verbreiten, um die Gemüter gegen das Judentum aufgeregt zu erhalten, damit die neue Zeit mit der Entrechtung der Juden erblich belastet bleibe. Der Buchdruck, der lichtvollen Fortschritt bedeuten soll, wurde durch Dunkelmänner verwandt, Anschwärzungen in Druckerschwärze umzusetzen, Zwietracht zu säen und den Siegeszug der Abwehr aufzuhalten. Doch schliesslich siegte die klare Erkenntnis und das Recht triumphierte. Im 16. und 17- Jahrhundert hatte sich ein christlicher Gelelirtenkreis dem Studium der jüdischen Literatur eifrig zugewandt, um sie nach und nach der allgemeinen Kultur zu erschliessen. Es konnte nicht fehlen, dass in den Chor jener Objektivität, Gewissensfreiheit und kritischen Gewissenhaftigkeit, welche die meisten deutschen Forscher kennzeichneten, sich ein schriller Misston der Einseitigkeit und Bekehrungssucht mischte, hervorgerufen durch Täuflinge, die aus selmöder Gewinnsucht ihr frühere Glaubensgemeinschaft vprläumdeten. Selbst vor den herzinnigen Gebeten in der Synagoge machten die Verläumder nicht Halt. Insbesonders wurdedas erhabene, herrliche Gebetstück Alenu 13^5? böser Verdächtigung ausgesetzt. Dieses Gebet ist eines der ältesten, ursprünglich nur für den Xeujahrstag, als eine feierliche Einleitung zur Huldigung für den Gesetzgeber und Richter der Welt bestimmt, dann aber wegen seines tiefen Inhalts zum täglichen Schlussgebet angenommen. Es enthält ein Bekenntnis zu dem einzig-einen Schöpfer des Weltenalls. Aus dem in englischer Sprache abgefassten Buche „Rettung der Juden" des R. Manasse heu Israe 1 656 zur Widerlegung von Beschuldigungen, das auf Anregung Mendelssohns von Markus Herz (1782) deutsch übersetzt wurde, geben wir hier die erste Uebertragung des Gebetes: „"Wir sind verbunden, den Herrn aller Dinge zu loben, den zu erheben, der die Welt geschaffen hat, dass der uns nicht wie die Völker der Erde gemacht, uns nicht wie Hie Geschlechter der Erde gestellt, unsern Anteil nicht gleich den ihrigen, noch unser Loos mit ihren Haufen übereinstimmend gemacht hat. Denn sie erniedrigen sieh gegen unwürdige und eitle Dinge, richten ihre Gebete an Götter, die nicht helfen können; aber wir verehren den König aller Könige, der heilig und gesegnet ist, der die Himmel ausstreckte und die Erde bildete; der Sitz seiner Glorie ist oben im Himmel und seine göttliche Macht in dem höchsten der Himmel. Er ist unser Gott, es gibt keinen anderen; er ist wahrlich unser König und ausser ihm gibt es keinen, wie in dem Gesetz geschrieben ist: und wisse heute, und kehre zurück in dein Herz, denn der Herr ist Gott im Himmel oben und auf der Erde unten; es ist kein Anderer." „Darum hoffen wir, bald die Herrlichkeit deiner Allmacht zu schauen, dass die Gräuel von der Erde verbannt und die Götzen ausgerottet werden: dass die AVeit durch dass Reich des Allmächtigen vervollkommnet werde, alle Kinder des Fleisches deinen Xamen anrufen, und die Frevler der Erde sich selbst zu dir wenden mögen. Lass alle Bewohner des Erdbodens erkennen und begreifen, dass zu dir allein sich alle Kniee beugen, alle Zungen schwören müssen, und daher vor dir, Ewiger, unser Gott, hinknieen, niederfallen, und die Ehre deines Namens verherrlichen. Lass sie sich alle in das Joch deines Reichs schmiegen, und dich allein, bald und auf ewige Zeiten, für ihren Beherrscher erkennen. Denn dein ist das Reich und du wirst auf ewige Zeiten rühmlich Kimig sein: sowie in deiner Lehre angeschrieben steht: Der Ewige wird Köm ig sein auf ewige Zeiten, und lerner: Der Ewige wird König sein über die ganz«1 Erde. Damals wird der Ewige einig und sein Nanu1 einig sein." Diese erste ist die einzige vollkommene Uebersetzung des Textes ohne Fortlassung. Die spätere treffliche Uebersetzung von Michael Sachs, ..Uns liegt, es ob" beginnend, die in dem Gebetbuch und Machsor neben dem hebräischen Urtext steht, ist einem jeden bekannt. Eine poetische Uebertragung, die von M. A. Klausner herrührt, lautet: Wer ist, wie wir, in deiner Schuld! AVer hat so viel dir zu danken! Für uns zuerst hat deine Huld Durchbrochen der Finsternis Schranken. Es ist in altersgrauer Zeit In unsres Volkes Zungen, Olm unser Verdienst und Würdigkeit, Zuerst dein Name erklungen. Du hast dich unsern Vätern gezeigt Im Donner der Offenbarung, Du hast dich in Liebe uns geneigt, Du gabst uns himmlische Nahrung. Wir durften deine Kinder sein, Blutzeugen deiner Einheit, Du führtest in deine Lehre uns ein Voll Heiligkeit und Reinheit. Drum beugt sieh der Nacken, das Antlitz neigt Vor dir sich zur Erde nieder, Zu deiner Allmacht Sitze steigt Der Hall der Jubellieder. Indem wir danken, erbitten wir Von dir noch neue Gnade: Die ganze Menschheit führe zu dir, Zu deinem Himmelspfade.

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