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Ost und West · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. Seite 395 - 396

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Die Alliance-Expedition zur Erforschung des Falascha-Stammes
Date
1908-06-01
Page
Seite 395 - 396 (sequence 1)
Language
German
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395 396 NNW*"""'W/W Vv MITTEILUNGEN 3U5 dem Deutschen Bureau der no nr dtip, BERLIN.N 2^. ■B Alüance Jsraelite Univeiselle J ^k-ibt Oranien6urgersrr4?43___ DIE ALLIANCE - EXPEDITION ZUR ERFORSCHUNG DES FALASCHA-STAMMES. Im Aprilheft von „Ost und West" haben wir unseren Lesern von der Adresse Kenntnis gegeben, die namens der Alliance Israelite Universelle von der zur Erforschung des Falascha-Stammes ausgesandten Expedition dem Kaiser Menelik von Äthiopien überreicht wurde. Wir lassen hier die Berichte folgen, die seither von dem Leiter der Expedition, Herrn Nahum, bei dem Central-Comite der Alliance eingegangen sind: Addis-Abeba, 12. März 1908. Ich bestätige ergebenst meinen Brief vom 6. d. M., in dem ich Ihnen in der Eile den wohlwollenden Empfang gemeldet habe, den S. M. Menelik der Mission der Alliance an diesem Tage gewährt hat. (Dieser Bericht ist nicht an seine Adresse gelangt, somit wahrscheinlich verloren gegangen.) Anderen Tags, am Sonnabend, kam der Zeremonienmeister und erste Hofdolmetsch Ato Haile Mariam zu uns ins Hotel. „Ich komme", sagte er, „im Auftrage Ihrer Majestät der Kaiserin, deren kaiserliche Grüsse zu überbringen, Ihnen für das schöne Geschenk zu danken, dass Sie Ihrer Majestät gebracht haben, und Sie herzlich zu Ihrer gestrigen Rede vor dem Kaiser zu beglückwünschen. Ihre Majestät die Kaiserin würde sich freuen, wollten Sie ihr eine genaue Niederschrift schicken. Zugleich überbringe ich Ihnen die Einladung zur Teilnahme an dem kaiserlichen Frühstück am Sonntag." Das sind wörtlich die Aeusserungen des Zeremonienmeisters. Am Montag, 9. März, erkundigte sich der nämliche Würdenträger im Auftrage des Kaiserpaars nach unserem Befinden. Ich behielt ihn zu Tisch. Er wiederholte, dass Se. Majestät viel von meiner Rede spricht, von der ich hier einen kurzen Auszug gebe: Vor einem orthodoxen Kaiser sprechend, der ein glühender Verehrer der Bibel und namentlich der Psalmen ist, ginsr ich von dem Bibelspruch (1. Mos. 12, 3) aus! „Durch dich werden alle Völker der Erde gesegnet werden." Ich zeigte einerseits die moralische Grösse der Mission Israels, andererseits die hohe Macht des alten Aethiopien; wie jenes durch Jahrhunderte der Unwissenheit und durch die Verfolgungen des Mittelalters hindurch seine Glaubenseinheit bewahren, wie dieses trotz zahlreicher Ueberfälle seine Unabhängigkeit ungeteilt erhalten konnte; kam dann auf die Renaissance Israels und auf die neue Blüte Aethiopiens. Die Israeliten und die jüdische Wissenschaft schreiten immer weiter voran, dank ihrer lebendigen Organisation in Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. der Alliance Israelite Universelle, die für die ganze Menschheit arbeitet, indem sie für die Israeliten sich einsetzt. Aethiopien wiederum hat den Weg zur Zivilisation beschritten, dank der hohen Einsicht, der Duldsamkeit, der Güte Ihrer Majestäten, die Gerechtigkeit, Eintracht, Frieden zur Herrschaft bringen wollen, nach dem Wort des Psalmisten: „Güte und Wahrheit begegnen sich, Gerechtigkeit und Friede umarmen sich" (Ps. 85, 11). Dieses Zitat gefiel dem Kaiser so sehr, dass er es sofort nachschlagen liess. Der ausgezeichnete französische Bevollmächtigte Brice, von dem uns bereiteten Empfang durch unseren Begleiter, den französischen Konsul Herrn Roux, und vom Palais aus benachrichtigt, beglückwünschte uns zu den Sympathiekundgebungen, mit denen die Kaiserin uns beehrt hatte. Die Kaiserin verlässt nur sehr selten und immer nur verschleiert den Harem. Fast nie sieht sie Fremde. Die zu unseren Gunsten gemachte Ausnahme war für uns von hoher Bedeutung, weil die Provinzen, die wir besuchen wollen, in „ihrem Lande" liegen (Schoa und Amhara sind hier, was Aragonien und Castilien für die katholischen Könige sind) und von ihrem Bruder und ihrem Neffen verwaltet werden. Gestern verlangte die Französische Gesandtschaft vom Palastsekretariat den Schutzbrief für unsere weitere Reise. Es wurde geantwortet, Se. Majestät wünsche zunächst, dass ich die Ruinen und Inschriften besichtige, die sich drei Tagereisen weit von der Hauptstadt befinden, auch die mit Inschriften versehenen antiken Gegenstände, die in dem Schatz von Gebbi verwahrt sind. Ich werde mich morgen in das Palais begeben, um die eben erwähnten Antiquitäten zu besichtigen und um den genauen Platz der Ruinen zu erfragen. Bevor ich Ihnen den Weg angebe, den ich mir vorgezeichnet habe, gestatte ich mir, Ihnen die Plätze zu nennen, die nach Abbadie und J. Halevy vermutlich von Falaschas bewohnt sind: Abbadie nennt Damot im Westen von Godscham, Kuara, Adschafar, Tagessa, westlich vom Tanasee, Ermatschoko, Simen und Ualka'it, Dembya im Norden vom Tana (Revue de TOrient, 1845, p. 223). Halevy fügt noch hinzu: Schira (im Norden), Tamban, Endarta, Lasta und Begemender (siehe den Bericht Halevys in der Sitzung vom 30. Juli 1868, veröffentlicht im zweiten Halbjahrsbericht 1868.) Es ist sehr bedauerlich, dass Abbadie nicht aus eigener Anschauung die Anwesenheit von Falaschas in den von ihm genannten, aber nicht von ihm besuchten

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