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Ost und West · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. Seite 375 - 376

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Zwei Freunde
Date
1908-06-01
Page
Seite 375 - 376 (sequence 2)
Language
German
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375 Dr. Bernhard Weiss: Zwei Freunde. 376verstandesscharfe Persönlichkeit des Dr. Weiss schätzen. Auch Weiss stammte aus dem Osten; im Polnischen war er geboren, im gleichen Jahre wie Münk. Als Dreizehnjähriger wollte er den darbenden Eltern nicht länger zur Last fallen. Er zog nach Deutschland, um sich mit eigenen Fäusten einen Weg durchs Leben zu bahnen. Hart war der Kampf, den der mittellose, allein auf sich angewiesene Judenknabe gegen die feindlichen Lebensmächte führte, doch sein zäher Wille, sein eiserner Fleiss hielten ihn jederzeit aufrecht. Tagsüber verrichtete er, um des Lebens Notdurft zu befriedigen, Handlangerdienste in den verschiedensten Berufen; des Nachts lag er über den Büchern, um sich deutsche Sprache, deutsche Bildung anzueigaen. Und schliesslich ging auch sein erster Wunsch in Erfüllung: als Einundz wanzigj ähriger fand er auf einem Berliner Gymnasium Aufnahme. Hier war es, wo Weiss mit Salomon Münk bekannt wurde. Gleiches Streben vereinte die Beiden, gleiche Gesinnungen wurzelten in ihren Herzen — kein Wunder, wenn sich da die Jünglinge zusammenschlössen uud Freundschaft hielten weit über <lie Tage ihres räumlichen Zusammenseins hinaus. Die Briefe, die Salomon Münk tm Weiss richtete, umfassen die Jahre 1827-1860. Nur eine Auswahl, ein Auszug aus ihnen soll im folgenden mitgeteilt werden. Aber in vollem Wortlaut natürlich. So ursprünglich, wie Münk seine Gedanken und Stimmungen zu Papier brachte, sollen sie auch hier stehenbleiben. Nur mit einer Einschränkung: Mehrere Briefe sind mit hebräischen Lettern geschrieben, andere in französischer Sprache ^^^»C abgefasst. Sie werden natürlich ins Deutsche übertragen. Der heute zum Abdruck gebrachte Brief enthält als Kernstück die oben angedeutete Liebesgeschichte. Münk schüttet dem Freunde sein Herz aus, schildert ihm sein unglückliches Liebesleiden — von jenem Tage an, da ihn die Leidenschaft packte, bis zu der Stunde, da ihm die Liebessehnsucht den Aufenthalt in Berlin unerträglich machte und er nach Frankreich zog. Eine leise Hoffnung schimmert in diesem Briefe durch: ob es nicht doch noch einmal ein Wiedersehen, ein glückliches Zusammentreffen zwischen Münk und der Geliebten geben würde. Ungeduldigen Leserinnen sei schon jetzt verraten, dass diese Hoffnung später grimmig zu Schanden ward. Münk erfuhr, dass die Geliebte im Begriff stände, zum Christentum überzutreten. Von diesem Augenblick an war es mit Münks Liebe vorbei. Jetzt kannte er nur noch das eine Begehren, die „Abtrünnige" von ihrem unseligen Schritte zurückzuhalten, sie dem Glauben ihrer Väter zu erhalten. Ergreifend sind die Briete, die MunkzujenerZeit an seinen Freund Weiss schrieb; man wird sie demnächst nachlesen können. Noch eine letzte Bemerkung. Ueber die Persöulichkeit der von Münk Geliebten habe ich leider nichts Näheres ermitteln können. Pincson hiess sie mit Geburtsnamen „(Demoiselle P.", von Münk für gewöhnlich genannt), ihre Kusine war eine Frau Salomon („Madame S.")- Trotz meiner Anfrage bei dem in alten Berliner Familien wohlbekannten Sanitätsrat Neumann, trotz der liebenswürdigen Bemühungen des verdienstvollen Munk- Kenners Prof. Brann (Breslau) habe ich nichts in &<<\Äyg^V '^Jj^

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