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Ost und West · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. Seite 367 - 368

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Notwendigkeit und Berechtigung einer innern Mission unter den Juden
Date
1908-06-01
Page
Seite 367 - 368 (sequence 5)
Language
German
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367 Julius Bäsch: Notwendigkeit und Berechtigung einer inneren Mission unter den Juden. 368 genossen. Innere Mission ist gleichzeitig: die einzige sittlich einwandfreie und wirksamste Hilfe auf dem Gebiet der äusseren Mission. Diese Gedanken sind bereits bei einem der gewaltigsten unter den Propheten, bei Jeremia, ausgesprochen und von Carl H. Cornill in „Der israelitische Prophetismus4* in so eindrucksvoller Weise zum Ausdruck gebracht, dass mit ihnen diese Ausführungen geschlossen seien. Jeremia hat die Religion mit völliger Klarheit von allem Aeusserlichen und Materiellen losgelöst und sie auf ein rein geistiges Fundament gestellt. Seinen Tempel in Jerusalem wird Gott selbst zerstören und in der schliesslichen Endzeit des Heils soll er nicht wieder aufgebaut werden, auch das Allerheiligste, die Bundeslade, wird man dann nicht vermissen und keine neue machen. Was Gott von dem Menschen verlangt, ist etwas anderes: er soll sein Herz beschneiden. Gott sieht nur auf die Reinheit des Herzens, überhaupt auf die Herzensstellung des Menschen, er ist es, der Herz und Nieren prüft — ein Ausdruck, der von Jeremia gebildet ist und uns bei ihm zuerst begegnet. Die Gotteserkenntnis aber ist dem Menschen angeboren, und es gibt somit keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden. Diesen gewaltigen Gedanken hat Jeremia zuerst klar erkannt: Zu Dir, Gott, werden Völker kommen von den Enden der Erde und werden sprechen: Nur Lug haben unsere Väter uns vererbt, Dunst, der zu nichts nütze ist. Kann denn der Mensch sich selbst Götter machen, die doch Götter nicht sind? Der Idealismus und der Universalismus der Religion — das sind die beiden grossen neuen Erkenntnisse, die Jeremia der Welt gegeben hat. Jeder Mensch ist als solcher dazu geboren, ein Kind Gottes zu sein. Er wird dies nicht in den Formen einer bestimmten Religion oder einer äusseren Gemeinschaft, sondern er wird es in seinem Herzen. Ein frommes Herz und ein frommer Sinn, das ist alles, was Gott von dem Menschen verlangt, mag sich diese Frömmigkeit äussern, wie sie will, wenn sie nur echt ist. Jacobs Traum- Von Josefa (Derj. Hadjörucfc verboten. Die Dunkelheit wud;s um ben legten Schein Der Sonne, unö bes Tages geller Uon Schlief in ber Sülle Slüsterlauten ein. Den schwülen Rtem ljaud;te vvilöer (Dobn CDU rotem CDunb auf sd)weigenbes Gefilb, Unb alles Ceben fügte sid; 3um Bilö.--- . . . Unb Jacob lag, vom Tagesweg ermattet — Ruf kühlem 5tein bas golben*braune ßaupt — Rm Baume, bessen Rrone, bid)tbelaubt, Die Tlad;t mit ityrem liefen 5ammt burd;s chattet. Balb schenkten erste Sterne blasses Cid)t Unb einten sief;, mit matten Silberkrän3en Das stumpfe Blau bes ßimmels 3U burd)glän3en. Unb Jacob tyatte schlafenb ein Gesicht: €s 30g sid; eine golbene Ceiter nieber Rus Sternent)ör)e bis 3um €rbenrunb; Unb sold) ein Ceud)ten ging von il?ren Sprossen, Dass ber in Finsternis erloscr;ne Grunb Wie von ber Sonne (Dittagsglut umflossen, Unb jebes Ding gab bieses Ceucr;ten wieber. Unb €ngel stiegen über jene Brüche, Die nun bie Welt bem Gottesreid; verbanb, Sie gaben leise singenb sich; bie ßanb, Unb Seligheit war jeber ityrer Bliche, Gott aber stanb in wunbersamer Pracht Rm Cor ber Welt unb sprad; .... — Die Stimme glich; Der ßarfe klängen unb ber Ströme Rauschen, Unb alles warb 3um OI;re, itjr 3U lauschen: Der Panther, ber bie Palmen sd;eu umschlich;, Die bunten Hauben, bie ins Caub sid; schmiegten, Die sanften Winbe, bie bie Wipfel wiegten .... So aber harn es burd; bie stumme Hacr;t: „Siel;, bieses Cariöt bas breite flüsse tränhen, Das festlid; rul;t mit lid;tburd;wirkten Weiten, ODit silberblassen, grün=umgren3ten Seen (Dit föainen, bie wie bunkle Träume stehen, Sietje, ben reichen Sdjoss voll köstlichkeiten Id; will il;n bir unb beinen Söhnen schenken. Gen (Dörgen, (Dittag, Rbenb unb gen flacht Sollst bu biet) breiten in ber €nhel 3elten, Id; fül;re bid; hinauf 3U Glan3 unb (Dad;t.a-- Unb als bie Canbe sid; im frü(;lid;t gellten, €rvvad;te Jacob, unb er saf; ben Zau Des neuen Tags, ber auf ben Dingen war, So seltsam leuchten, seine Rügen blickten ODit gleichem Ceud;ten um sid; in ben Glan3« €y griff ans ßaupt, ir)tn schien, als sei ein ftranj, Gin ftronreif eingeflochten seinem föaar; Dorf) über irjm war nur bes ßimmels Blau Unb nur bie Blüten, bie vom Baume nichten. Da warb er seines Traumes sid; bewusst Unb spürte tief, was Gott ityn offenbart. ßeiss pod;te \\)m ber 5er3sd;lag in ber Brust, €s bechten seine Wangen sief; mit Glut, Rus Sd;am unb Sreube sonberlid; gepart; In seinen Rbem aber sang bas Blut, €rlesen, wie ber schweren Trauben Saft Unb sprengte fast ben köstlichen Pokal, Unb in ben Rrmen sehnte sid; bie kraft. — €r richtete ben Selbstein auf als (Dal Dem €wigen, bann eilte er bem Canb Des (Dörgens 3U, bas hell in Rosen stanb.

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