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Ost und West · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. Seite 355 - 356

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Der Kampf ums Blut
Date
1908-06-01
Page
Seite 355 - 356 (sequence 5)
Language
German
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355 A. Benesra: Der Kampf ums Blut. 356 Blutbefd)ulbigung tritt immer bann unb bort auf, wann unb wo ber flntifemitismus graffiert. flud) ber F5err Dr. Cueger Y)at bas Blutmärchen verlacht, bevor er fiel) 311m flntifemiten gehäutet. Dun be= Rauptet er, er glaube baran. Was ift bas aber aud) für eine prächtige, nieverfagenbe Waffe! Vergiftet freilich, verlogen, eine von jenen, beren fid) anftänbige Kämpfer nie bebienen. Dod) gibt es etwas, bas man im Kampfe gegen bie Juben verfchmähen müfete? F5ier ift alles erlaubt Unb wie wirkfam ift biefe Waffe! 6in wahrhaft l}armlofes Rinberfpiel finb bagegen all bie 5d)lagworte von ber flusbeutungsfud)t, von ber profeffionellen Unreblichkeit ober von ber angeborenen (Dinber= Wertigkeit ber Juben. 5obalb bie ausgebeuteten Rlaffen einige politifd)e Reife unb £infid)t in ben fo3ialen Pro3efc gewinnen, wirb es il)nen klar, bafe bas flusgebeutetwerben im Syftem ftecht unb bafc Juben wie Hicfytjuben in gleicher Weife bem Walten ber ökonomifchen 6efet3e unterliegen, aber, weil weniger gefdjüfct, } häufiger von ihnen 3er* malmt wer* ben. Jeber nid)tjube kann im täg= Hd)en Ceben bie€rfah)rung machen, bafc er ebenfo vielen unreb* lid)en C\)v\= [ ften, wie un= : reblid)en Juben unb J! ebenfo vielen i reblid)en unb uneigennüt5ii genJuben als | folchen CtyrU f ften begeg= | net. Diefe | Schlagwörter I ftumpfen fid) I nad) länge= I remGebraud) I ab unb verf fagen ben * Dienft. Vollenbs bie Theorie von ber angeborenen (Dinberwertigkeit ber jübifd)en Raffe, bie bie „arifcfye" Rultur unb Religion verberbe, bas ift gut für anämifcfye Gelehrte, bie am Sctyreibtifd) jDl^antasmagorien fpinnen. Der breiten (Daffe mufe man viel kompaktere, greifbarere ftoft bieten. Wenn man ihr bie Juben als eine insgeheim organifierte Banbe von (Dörbem l^inftellt, bie auf bie kleinen Rinber lauert, auf junge unfd)ulbige (Däbc^en unb Knaben, um ihnen bie Gurgel ab3ufd)neiben unb bas Blut ab= 3U3apfen unb es in ben Ofterbroben ober bei fonftigen fd)auerlid}en Riten unter büftern Gefangen 3U verehren — wie ftel)en ba bem (Dann unb bem Weib aus bem Volke bie ßaare 3U Berge! Welch ein Grufeln überläuft fie, wie wirb ba bie Phantafie angeregt! flngft unb (Ditleib, Gefpenfterfurd)t, bie fie für bas eigene Ceben unb bas ber föinber er3ittern läfot, Erbitterung unb jenes Gefühl ber Ohnmacht unb ßilflofigkeit gegen einen unheimlichen Seinb, ber im Dunkeln fd)leid)t, — alles bas wirb in Bewegung * gefegt, eine CDajfenfuggeftion ohnegleichen entfteht, bie tief* ften unb bie blutigften Inftinkte werben aufgewühlt, bieBefonnenheit unb nüchtern* heit bes 6in* 3elnen kommt 3um Schweigen, unb ber ßafe unb bie Verfolgungs= ' Jucht lobern auf einmal lichterloh auf. €ine geniale i Technik; unb man kann über3eugt fein, bafc bie Flntifemiten niemals auf fie ver3*id)ten werben. REGINA MUNDLAK. Beim Talmud. ORIGINALZEICHNUXG.

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