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Ost und West · 1908-06-01 · Heft 6 (Juni 1908) · p. Seite 351 - 352

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 6 (Juni 1908)
Article
Der Kampf ums Blut
Date
1908-06-01
Page
Seite 351 - 352 (sequence 3)
Language
German
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£51 A. Benesra: Der Kampf ums Blut. 352 wonach ber Rabbiner Pfalmen fingenb bas Blut in einem Gefäß auffing. Das alles tyatte ein elfjähriger Knabe burd) bas Sd)lüffellod) beutlich gefeiten. Unb ber Knabe war ber eigene Sof)n bes Sd)od)et. Aud) in Xanten richtete fid) bie Anklage nod) gegen ben von ber jübifd)en Gemeinbe befolbeten, ba3u in ber gan3en Dad)bar* fcfyaft geachteten unb wohigelittenen Sd)ächter. Unb biefer — würbe er fo etwas ohne Vorwiffen unb Einwilligung feiner Vorgefe^ten unternehmen? Ünb biefe Vorgefe^ten, würben fie fo etwas 3U* laffen, wenn es ber jübifd)e Ritus nicht vorfchriebe, ja, nid)t bringenb t)eifd)te? Abermals faß alfo nicht biefer ober jener Jube, fonbern faßen bie offi3iellen ßäupter bes Jubentums, ja, bas Juben* tum felber auf ber Anklagebank, bes graufamen, tüchifd)en (Dorbes 3U rituellen 3wechen be3ichtigt. Aber fd)on in Konit3 hQtte fich Bilb geänbert. Dort wollte man bekanntlich 3wei verbäd)tige jübifche Inbivibuen gefehen hQben, Baufirer, Schnorrer, Vagabunben ober bergleichen, bie man bes Ritualmorbes verbächtigte. (Dan hQtte alfo nidjt mehr bie Stirn, bie Vorfteher, ben Rabbiner ober ben Schächter als Ritualmörber h^n3uftellen. Unb in Polna gar wählte man 3um Sünbenbock einen armen Teufel, einen etwas fd)wachfinnigen, halb verkommenen (Denfchen, ben man beim fd)limmften Willen unb mit ber fchamlofeften fälfd)erkunft nicht 3um offi3iellen Vertreter, 3um Vertrauensmann ber Juben ftempeln konnte. Dementfpred)enb \ja\ pd) aucb b\e „gelehrte Theorie", bie ber Anklage von altersher untergelegt 3U werben pflegte, gewanbelt. Je^t untere liefen es bie f orfd)er von ber Sorte ber Rohling, aus bem Talmub unb ben rabbinifd)en Schriften ben Dachweis 3U führen, baß bie Juben kein Pefad)feft ohne Chriftenblut feiern können. Da* gegen brachte man bie geiftreid)e ßypothefe axx^ baß es möglicherweife unter ben Juben eine geheime Sekte geben könne, bie nach Blut led)3e, unb unter bem „gemeinen Volke" verbreitet fei, berart, baß bie offi3iellen Vertreter ber Juben, bie Rabbiner, Gelehrten, forfd)er, Gemeinbe* vorfteher von beren 6xiften3 garnid)ts wüßten. €s ift nun einerfeits fehr tröftlid) 3U fehen, baß bie große wiffenfchaftliche unb aufklärenbe Ab* wehrarbeit, bie feit 3wan3ig Jahren von jübifchen unb namentlich von chriftlichen Gelehrten geleistet worben, nicht wirkungslos geblieben ift. Befonbers bankbar müffen hier öie Schriften proteftantifcher unb katholifd)er Theologen erwähnt werben, nämlid} bie von Delit3fch, Wünfd)e, Strack unb friebrid) f ranck. Anbererfeits muß man fid) klar vor Augen ha^en> öafc gegen bie neue Theorie von ber „geheimen Sekte", welche unter bem „gemeinen Volke" ejciftieren „könnte", un* möglid) an3ukämpfen ift. Wie foll man bie nid)t* exiften3 einer Sache bokumentarifd) nad)weifen? €s war verhältnismäßig leid)t, ben Beweis 3U erbringen, baß im jübifd)en Schrifttum fid) keine Vorfchrift ober Empfehlung finbet, bie fich auch nur im entfernteren als ein Gebot, (Denfd)enbiut 3U gebrauchen, beuten ließe, baß im Gegenteil 3at)lreiche Verbote fid) fogar gegen ben Genuß von Tierblut richten, baß ein Teilchen bes menfd)lid)en Rabavers nad) jübifchen Ritualvorfchriften verun* reinigt, baß ein Biffen Brot, ber mit Blut vom 3ahnfleifd} befleckt ift, nid)t genoffen werben barf. £s war fpielenb leidet, bie von gelehrten Rohs lingen 3ur Bekräftigung ihrer Verleumbung an* geführten Stellen aus bem talmubifchen unb rabbinif d)en Schrifttum als breifte unb verlogene fälfd)ungen 3U entlarven. Unb bod), welch un* geheure (Dühe koftete es, biefen Glauben einiger* maßen ins Wanken 3U bringen - benn ausgerottet ift er nod} lange nicht. Wie foll man aber bie Welt über* 3eugen, baß es unter ben Juben eine geheime Sekte, bie 3U verborgenen Riten Chriftenblut braucht, nid)t gibt, nie gegeben hat unb nie geben konnte? Wenn ba einer kommt unb mir fagt: Dein Urgroßvater Y)a\ eine Kanonenkugel ver* fd)lungen, fo kann id) \\jm ins Gefid)t lachen, aber bas Gegenteil auf birektem Wege beweifen kann id) ihm nicht. Jd) kann Vernunftgrünbe ins Selb führen, kann mid) auf h>iflorifd>e 3eugniffe be* rufen, aus benen hervorgeht, baß mein Urgroß* vater mit Kanonenkugeln nichts 3U fd)affen \jaiiey baß er fid) mit anberen Dingen nährte, als Kanonenkugeln, baß feine Kehle 3U eng war für eine Kanonenkugel, unb bergleichen mehr. Wenn jebod) mein Gegner trotjbem babei beharrt: Dein Urgroß* vater Yjat Kanonenkugeln verfd)luckt unb bu mußt es büßen, folang bu nicht für bas Gegenteil ben bokumentarifchen Beweis erbringft, fo bin ich voll* kommen machtlos. Jn berfelben Pofition befinben wir uns gegen* über ber Verbäd)tigung, baß unter uns eine geheime Sekte ejciftiere, unter bem „gemeinen Volke" verbreitet, bie nad} Chriftenblut für ihre ver* borgenen Riten ted)3e. einige aud) nur ober* fläd)lid)e Kenntnis ber fo3ialen Verhältniffe ber Juben müßte jeben nid)t völlig verblendeten lehren, baß unter ben Juben bas „gemeine Volk" von ben befferfituierten unb intelligenteren Schichten niemals burd) eine fo tiefe Kluft getrennt war, baß fid) unter ihnen eine geheime Sekte h>ätte bilben können, bie fid) bem Cid)te ber Öffent* lid)keit ent3Öge. Die nächften Vorfahren berer, bie heute 3um „nieberen Volk" gehören, waren häufig angefehene Bürger, manchmal Ceud)ten ber Gemeinbe. ABge|ehen von ber burd) ben Befi^ bebingten äußerlichen Situation gibt es bei uns Juben nur inbivibuelle Unterfd)iebe in be3ug auf bas religiöfe Denken unb fühlen, aber keine biametralen Gegenfä^e ber Klaffen ober Stänbe. Jeber weiß aud), baß es, abgefehen von ben Karaim, im Jubentum keine Sekten gegeben hQt> baß es innerhalb ber Bekennerfd)aft unferer Re* ligion in be3ug auf eine fo wichtige frage wie (Denfd)enmorb nie 3weierlei (Deinung gegeben hat Jeber weiß, baß es im gan3en Bereid) bes Jubentums niemals ein (Dvfterium, niemals einen Ritus gegeben hat, ber im Verborgenen aus* geführt werben konnte ober burfte, baß alles, was

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