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Ost und West · 1908-05-01 · Heft 5 (Mai 1908) · p. Seite 331 - 332

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 5 (Mai 1908)
Article
Literarische Rundschau
Date
1908-05-01
Page
Seite 331 - 332 (sequence 3)
Language
German
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331 Literarische Rundschau. 332 Tendenz mit hineinschlüpfcn. Zangwill verdient die Anerkennung-, dass sein poetischer Instinkt ihn an den Klippen der Tendenz vorbei den rechten Wog geführt hat. Die Übersetzung von Hanns Heinz Ewers ist im ganzen Messend und gut. Mitunter aber staunt man über die Gewalttätigkeiten, die dieser bekannte Literat an der Grammatik seiner Muttersprache verübt. — Dass er nebenbei ein jüdisch-deutsches Schlafliedehen als „Mausehelsrhlaflied" bezeichnet, entspricht wohl weder dem Geiste Zangwills noch der Würde eines deutschen Schriftstellers. — Schliesslich setzt Herr Ewers unter die Erzählung „Tagebuch eines Mesrhunied" folgende erläuternde Anmerkung: ..Um die Lokalfarbe zu bewahren, hat Zangwill gelegentlich ein Wort oder einen Satz in der russischen Sprache gegeben '. Der Uebersetzer hätte sich nur in seinem Bekanntenkreise zu erkundigen brauchen, und er hätte aus sachverständigem Munde gehört, dass Meschumed kein russsirhos Wort ist. Heinrich Heines „Rabbi von Bacharach". Eine kritische Studie von Lion Feucht wanger. München 1907, J. Lindauersche Buchhandlung. Bilder aus dem (Jhetto von Schalom Asch. Uebertragung von Stefania Goldenring. 2. Aufl. S. Fischer, Verlag, Berlin 1907. Hine Sammlung von Erzählungen aus dem Leben der polnischen .luden. Das Buch enthält prächtige Schilderungen v«>n hohem poetischen Gehalt. Eine ungekannte Welt. Erzählungen aus dem jüdischen Familienleben. Von Judäus. Frankfurt a. M. Verlag von Sänger und Friedberg, 1907. Der Baalschem von Michelstadt. Von Judäus. Frankfurt a. M., Verlag des „Israelit" GL m. b. H., 1907. Der Verfasse]- glaubt an Wundertaten von Renschen, an die Wirkung des Cresundbetens, an Träume und ähnliche moderne Dinge. Dagegen steht er mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuss. Religionshygiene. Von Oberarzt Dr. med. Joh. Bre s ler. Verlag von Carl Marhold in Halle a.S., 1 - M. Besprechung vorbehalten. Ernst HäckeL Von Wilhelm Bölsche. Volksausgabe (1 —10 Tausend). Berlin und Leipzig, Verlag von Hermann Seemann Nachfolger. Stirnerbrevier. Die Stärke des Einsamen. Max Stirners Individualismus und Egoismus. Von Dr. Anselm Ruest. Berlin, Verlag von Hermann Seemann Nachfolger. 1,— M. Der Durst nach Schönheit. Von Krede ben Heik. Autorisierte Uebertragung aus dem Holländischen von Else Otten. Verlag Schulze & Co., Leipzig 1908. Dr. Max Jungmann. HARTWIG DERENBOURG. Die gesamte Judenheit und insbesondere die Alliance Israelite hat einen schweren Verlust erlitten. Mit dem am Sabbat, den 11. April dieses Jahres zu Paris verstorbenen Professor Hartwig Derenbourg ist einer der glänzendsten Vertreter der Wissenschaft und ein warmherziger, tatenreicher, treuer Sohn des Judentums aus dem Leben geschieden. Am 17. Juni laufenden »Jahres wäre er erst 64 Jahre alt geworden, und der Verlust dieses Mannes betrübt umso schmerzlicher, als sein illustrer Vater, der grosse Orientalist Josef Derenbourg, gestorben im Bad Ems 29. Juli 1895, das hohe Alter von 84 Jahren erreicht hatte. Derenbourg entstammte einer elsässischen Familie, die in dem Städtchen Dernburg ihren Sitz hatte. Die Familie spaltete sich in zwei Stämme, von denen der eine nach mannigfachen Umhertasten schliesslich den leichteren und bequemeren Weg wählte, der zum Taufbecken, zur Karriere und zu irdischen Gütern führt. Der Vater des Verstorbenen, ireboren im Jahre 1811 in dem damals französischen Mainz, ging nach Beendigung seiner Studien nach Paris, wo er unter grosser Entbehrung sich schliesslich eine hochgeachtete Stellung in der wissenschaftlichen Welt errang. Er wurde Nachfolger Percevals und Salomon Münks in der Professur der orientatalischen Sprache am College de France und Mitglied des Instituts. Als Mitglied des Konsistoriums und des Central - Comitees der Alliance entfaltete er rege Tätigkeit im Interesse des Judentums. Seine Bedeutung für die Wissenschaft des Judentums ist hinlänglich bekannt. In seinem Sohne Hartwig fand er einen rüstigen Mitarbeiter und Nachfolger. Dieser genoss einen grossen Teil seiner Ausbildung als Orientalist in Deutschland unter Ewald, Wüstenfeld, Fleischer und Krehl. Eine Zeit lang half er sich in seiner Geburtsstadt Paris als Buchhändlergehilfe durch. Endlich wurde er 1875 zum Dozenten der semitischen Sprachen am Pariser jüdisch-theologischen Seminar und zum Lehrer des Arabischen an der Ecole Speciale des langues orientales Vivantes ernannt. Im Jahre 1880 wurde er vom Unterrichtsminister beauftragt, die arabischen Handschriften des Escurial und der anderen spanischen Bibliotheken zu erforschen. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn Ernst Renan zu seinem Assistenten bei der Kommission zur Herausgabe des Corpus Inscriptionum Semiticarum, die von der Academie des Inscriptions et des Belles-Lettres geleitet wurde, avo Hartwig Derenbourg an der Seite seines Vaters Joseph die himjaritisehe und sabäische Sektion bearbeite. Seit 1885 war er als Professor des Arabischen und der Kunde des Islam an der Ecole des hautes Etudes tätig. Im Jahre 1900 wurde er zum Mitgliede des Institut de France ernannt. Er war seit Jahren Mitglied des Central-Comites des Alliance Israelite Universelle und des Administrationsrates der Ecole de travail Israelite, wo sein mit reichem theoretischem Wissen gepaarter eminent praktischer Sinn ein ausgedehntes Feld segensvoller Tätigkeit fand. Er gehörte auch dem Vorstand der Societe des Etudes Jnives an, deren Arizepräsident er im Jahre 1900 war. Von seinen zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen sich mit spezifisch jüdischen Themen (abgesehen von mehreren Aufsätzen in der Revue des Etudes juives) derCatalogue desManuscripts ludai'ques entres an British Museum de 1869 al900 undlbn Khalawalhi. Ausserdem war er ein eifriger Mitarbeiter an der von seinem Vater unternommenen Gesamtausgabe der arabischen Werke des Rabbi Saadja Gaon.

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