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Ost und West · 1908-04-01 · Heft 4 (April 1908) · p. Seite 269 - 270

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 4 (April 1908)
Article
Die fünfte Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
Date
1908-04-01
Page
Seite 269 - 270 (sequence 6)
Language
German
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269 Mitteilungen der AUiance Israelite Universelle: Die fünfte Tagung der Deutschen Conferenz-Geiiieinscliaft etc. 270 an, die die fünfte Jahrestagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft ihrem Präsidium nach Anhörung des so bemerkenswerten Präsidialberichts zum Ausdruck gebracht hat." Das Central-Comite kommt sodann mit uns überein in dem Urteil, dass es wünschenswert ist, eine Anzahl Zöglinge der Ecole Normale Israelite Orientale nach Deutschland zu schicken, um dort ihre Kenntnis der deutschen Sprache zu vervollkommnen. Das Central-Comite beabsichtigt die Ausführung dieses Vorhabens bereits für die nächsten Ferien, sobald die Möglichkeit dafür vorhanden sein wird. Die seitherige Verzögerung ist einzig dem Umstand zuzuschreiben, dass seit zwei Jahren staiker Lehrermangel zu beklagen ist und demzufolge die jungen Lehrer unmittelbar nach Beendigung ihrer Studien in Stellen einrücken müssen. Selbst dadurch werden die vorhandenen Lücken und die neugeschaffenen Stellen nicht alle besetzt. Was den deutschsprachigen Unterricht in Marokko anlangt, so erkennt das Central-Comite die Berechtigung der von der Deutschen Conlerenz- Gemeinschaft ausgesprochenen Wünsche unbedingt an, und nimmt die Erlüllnng in Aussicht, sobald die politischen und wirtschaftspolitischen Verhältnisse die erwünschte Klärung gefunden haben werden. Aireh alle übrigen Anregungen, die die D. C. G. gegeben hat, haben in der Sitzung des Central- Comites vom 4. März in weitem Ausmass Berücksichtigung gefunden. DIE ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE UND DIE ECHT RUSSISCHEN LEUTE. In der Dumasitzung' vom 8./21. Februar erklärte der Sekretär der Duma Sasanowitsch, die ganze revolutionäre Bewegung in Russland werde von ausländischen grossen Organisationen geschürt. Dabei nannte er ausdrücklich die Alliance Israelite Universelle, und behauptete, dass sie ihre grossen Mittel dazu verwende, die Revolution zu leiten, und dass ihre Agenten in ganz Russland zu finden wären. „Der Fraind", eine täglich erscheinende jüdischeZeitiing,machtuichtmitUnrechtdenjüdischen Deputierten Vorwürfe, dass sie zu dieser Verläumdung der AUiance das Wort nicht ergriffen haben. Wir erwarten, schreibt „Der Fraind", von dieser Duma keine Hilfe für die Juden. Auch von den jüdischen Abgeordneten erwarten wir nicht, dass sie unsere Gleichberechtigung durchsetzen. Wohl aber erwarten wir von ihnen, dass sie auf Verleumdungen und Lügen antworten. Der jüdische Deputierte Nisalowitsch schreibt als Entschuldigung an die Redaktion, dass sein Kollege Friedmann in der Sitzung vom 8. Februar, in der jene Aeusserung über die Alliance gefallen ist, nicht anwesend war. Er selbst hätte sich zum Wort gemeldet, doch habe er es durch einen Zufall, an dem er keine Schuld trage, nicht erhalten. Um aber die böswillige Verleumdung Sasanowitschs nicht unwiderlegt zu lassen, bat er die Antwort, die er in der Duma geben wollte, in der Nummer vom 12. Februar des „Rjetsch" veröffentlicht. Auch „Der Fraind" hat diese Antwort abgedruckt, die ungefähr folgenden Inhalt hat: „WasS.gesagthat, ist zwar nicht neu, denn das sagen alle Antisemiten, die natürlich die grosse Wohlfahrtsinstitution, die in der ganzen Welt unter dem Namen Alliance Israelite bekannt und verbreitet ist, hassen. Ich habe es nicht nötig, als Verteidiger dieses berühmten Vereins aufzutreten, der seit vielen Jahren segensi eich wirkt und seine Berichte für jedermann zugänglich hält." Wir bedauern den Zufall, der Herrn Nisalowitsch gehindert hat, seiu beredtes Plaidoyer für die Alliance Israelite Universelle in der Duma vorzutragen. Doch hat der Angriff des Herrn Sasanowitsch uns nicht sehr erschüttert. Die Alliance Israelite Universelle ist gewohnt, von den Antisemiten aller Länder, nicht zuletzt von den jüdischen, angegriffen zu werden; und sie ist stolz darauf. DAS HILFSWERK IN MAROKKO. Aus Casablanca, 13. Februar 1908, sind von dem Alliance-Schuldirektor Is. Pisa folgende weitere Schreiben an das Central-Comite der Alliance Israelit Universelle gelangt: In Ergänzung meines Schreibens vom 9. Februar reile ich Ihnen mit, dass 30 neue Fi fichtlingsfamitien aus Settat gestern hier eingetroffen sind. Ihr Zustand war ebenso kläglich, wie der des Zuges vom 9. Februar. Die Zahl der Flüchtlinge ist nun auf 255 gestiegen, Männer, Flauen, Kinder. Die neu angekommenen 30 Familien hatten während des Bombardements der Kasbah Settat nicht verlassen wollen. Aber aus Furcht vor einem erneuten Angriff der Araber entschlossen sie sich, den französischen Truppen bis Casablanca zu folgen. Alle sind einstimmig in dankbarer Anerkennung für die hochherzige Gastfreundschaft der Offiziere und Soldaten. Der Artilleriemajor Massenet liess Frauen und Kinder auf die Muuitions- und Proviantwagen setzen, obwohl die Tiere recht ermüdet waren. Kapitän Vernier überliess sein Pferd einer armen, blinden Frau und marschierte 5 Stunden lang neben ihr zu Fuss. Noch andere ähnliche Handlungen der Nächstenliebe werden berichtet. Heut besuchte mich Scheik Ben-Omar, der auf meine Empfehlung die Israeliten so wirksam geschützt hat. Mit ihm kam Herr Carl Ficke, der I >oyen der deutschen Kolonie. Sie bestätigten mir Punkt für Punkt

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