Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 3 (März 1908)
- Article
- Vortrags-Zyklus
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 205 - 206 (sequence 2)
- Language
- German
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205 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Vortags-Zyklus. 20G haltungsschulen für Mädchen, Handfertigkeitsschulen usw. usw. usw. schaffen hier ein geistig für den Existenzunddensozialen Kampf gerüstetes Geschlecht, das festhängt am Glauben der Väter, So hat die Alliance nicht im Orient ein Fenster für europäisches Kulturleben aufgeschlossen, nein, sie hat europäische Kultur in diese geistige Dürre und Öde des Orients verpflanzt. Aber noch etwas Großes hat in ihrer humanitären Tätigkeit die Alliance vollbracht: sie hat das gleich erratischen Blöcken in der Welt versprengte Judentum in Bruderliebe wieder geeinigt. An den mit Beifall aufgenommenen Bericht knüpfte sich noch eine lebhafte Diskussion, in der die Herren Rabbiner Dr .Cohn, Dr. med. Glogauer und Arnold Wiener sprachen. Der Abend gewann der Alliance zahlreiche neue Mitglieder aus der hiesigen jüdischen Gemeinde." Der Bericht der „Breslauer Zeitung*' lautet: „In der Generalversammlung der hiesigen Mitglieder der Alliance Israelite Universelle, die am Sonntag Abend in der Lessingloge stattfand, wurde zunächst nach längerer Debatte zur Beratung der Satzungen eine siebengliederige Statuten - kommission eingesetzt mit dem Auftrage, binnen drei Monaten Bericht zu erstatten. Für die gleiche Zeit wurde das bisherige Lokal-Comite in seinem Amte bestätigt und mit der ferneren Leitung der Geschäfte betraut. Alsdann ergriff der Geschäftsführer der Deutschen Conferenz- Gemeinschaft, Herr M. A. Klausner aus Berlin, das Wort zu einem Vortrage über die Zwecke und Ziele der Alliance und schilderte nach einem kurzen gcschicli tliehen Rückblick auf deren Entstehung ihr segensreiches Wirken, namentlich in den von ihr gegründeten Schulen des Orients, für die sie erst die Lehrer erziehen und bilden mußte, die aber nunmehr Bildung, Wohlstand und gesittetes Leben in allen Gemeinden verbreiten, in denen sie bestehen. Die Aufklärungsarbeit, die unter der mißtrauischen Bevölkerung zu verrichten war, hat gute Früchte gezeitigt. Mehr als 45 000 Schüler werden nunmehr mit einem Kostenaufwandes von Vf2 Millionen Mark jährlich unterrichtet. Der Vorwurf, daß in diesen Schulen französische Propaganda getrieben wird, wurde vom Redner energisch zurückgewiesen. Die Alliance hält sich von Politik gänzlich fern: sie will nur, getreu ihrem Wahlspruch: „ganz Israel bürgt für einander!" den Unterdrückten und Bedrängten Hilfe bringen, will als eine (Jurch freiwilligen Zusammenschluß gebildete Gesamtvertretung aller Juden die Rechte der Glaubensgenossen Avahren und verteidigen. Deshalb tritt sie auch für die verfolgten Juden Rumäniens und Rußlands ein, deren Auswanderung sie mit allen Kräften fördert. In Deutschland besteht seit 1906 die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft, die im Anschluß an das Central-Comite in Paris arbeitet und in ihrer Monatsschrit „Ost und West" ein echtes Schul werk für Erwachsene im Sinne der Alliance geschaffen hat. So steht die Alliance Israelite'Universelle unentwegt für ihre Das Lehrerseminar der Alliance Israelite Universelle in Auteuil bei Paris. (Dritter Jahrgang der Zöglinge). doppelte Aufgabe ein: europäische Kultur dorthin zurückzutragen, woher sie stammt, nach dem Orient, und unter dem Banner der Bruderliebe ein einigendes Band um alle Juden zu schlingen. — An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag knüpfte sich eine lebhafte Debatte, die sich hauptsächlich um die Pflege des religiösen Geistes und um die Unterrichtssprache in den Schulen der Alliance drehte." Im Anschluß hieran sei erwähnt, daß das Breslauer Lokal-Comite der Alliance gegenwärtig besteht aus den Herren: Rabb. Dr. Rosenthal und Dr. Brann Vorsitzende; Heinrich Oschinsky, Schriftführer und Schatzmeister, Rabbiner Dr. Guttmann, Professor Badt, Max Fuchs, Justizrat Joel, Dr. med. Löwisohn, S. Scheye, Eugen Schiff, Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schottländer, Dr. med. Staub, Adolf Sternberg und Mor. Warschauer. In Oppeln fanden nach einem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag des Sekretärs Herrn Dr. Markus zahlreiche Eintragungen in die Mitgliederliste statt. Als Vertrauensmann der Alliance wirkt in Oppeln Herr Rabbiner Dr. Felix Goldmann. In Leipzig und in Gleiwitz sprach am 10. bezw. am 11. Februar der Geschäftsführer Herr M. A. Klausner. Seine Ausführungen gewannen die überzeugte Zustimmung der Hörer.