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Ost und West · 1908-03-01 · Heft 3 (März 1908) · p. Seite 153 - 154

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 3 (März 1908)
Article
Die Konsistorial-Verfassung in Frankreich vom 17. März 1808
Date
1908-03-01
Page
Seite 153 - 154 (sequence 5)
Language
German
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153 Dr. Simon Bernfeld: Die Konsistorial-Verfassung in Frankreich vom 17. März 1808. 154 Geschichtlich betrachtet, kann man nicht behaupten, dass diese Organisation dem Judentum grossen Nutzen gebracht hätte. Seit achtzehn Jahrhunderten behauptet sich das Judentum lebensfähig auch ohne staatliche Hilfe, und dort wo es nicht mehr lebensfähig wäre, würde ihm diese Krücke sehr wenig nützen. Wir sehen auch jetzt, dass das Judentum in Frankreich die Auflösung dieser Organisation leicht überwunden hat. Es ist sogar anzunehmen, dass es nunmehr eigene Initiative erhalten und mehr leisten wird als in der Zeit, wo es vom Staat unterstützt wurde. Eine hierarchische Verfassung mit Konsistorien uud Oberkonsistorien entspricht überhaupt nicht dem Charakter des Judentums, bei dem nicht die behördliche Autorität, sondern Wissen und Ueberzeugung die Entscheidung zu treffen haben. JAMES ISRAEL Nachdruck verboten. Am 2. Februar vollendete Professor Dr. James Israel, der berühmte Chirurg, Direktor des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde in Berlin, sein 60. Lebensjahr. Als Sohn des Grosskaufmanns Jacob Israel in Berlin geboren, genoss er seine Schulbildung auf dem Friedrich Wilhelms- Gymnasium und widmete sich dann dem Studium der Medizin. In Berlin waren es damals die hervorragendsten Lehrer der Medizin, die dem jungen Studenten den Weg erleuchten konnten in ein Wissensgebiet, auf dem die grössten Umwälzungen sich vorzubereiten anfingen. Man braucht nur an Virchow, Traube, von Langenbeck zu erinnern, Namen, die mit den Grosstaten ihrer Träger jedem Gebildeten geläufig sind. Der Krieg von 1870/71 liess den jungen Mediziner seine Studien rasch zu einem vorläufigen Abschluss bringen und veranlasste seine tatendurstige und hilfsbereite Seele, sich freiwillig dem Sanitätsdienst zur Verfügung zu stellen. Mit dem eisernen Kreuz geschmückt kehrte er heim, vollendete seine Studien und gab Gesichtskreis, indem er Professor Dr. James Israel. ihnen einen weiteren 3, ajjl^iu ci nach dem Staatsexamen die berühmten Lehrer und Kliniker in Wien und London hörte und studierte. Wieder zurückgekehrt schloss sich Israel enger an seinen Lehrer von Langenbeck an, indem er sich vollkommen für die Chirurgie entschied und Assistent dieses genialen Chirurgen wurde, der damals im Nebenamt ausser seiner ordentlichen Professur in Berlin die oberste Leitung des Krankenhauses der Jüdischen Gemeinde hatte. Hier zeigte sich bald Israels enorme Tüchtigkeit in hervorragender Weise, sodass nach dem Weggange von Langenbeck ihm, dem noch sehr jungen Doktor, dieselbe Stellung überantwortet wurde, die der damals berühmteste Chirurg innehatte, und in der James Israel heute noch sein grosses Können und Wissen zum Segen so vieler, vieler Leidenden ausübt. Das ist sein Werdegang, Aeusseres, Geschichtliches. Er selbst aber, Israel als Arzt, das ist ein Blatt in der Geschichte der leidenden Menschheit, das man wohl mit einem Hymnus beginnen sollte. Es gibt im Unglück ein Glück. Und wer das Glück gehabt hat, in seinem Leiden von James Israel beraten und versorgt zu werden, der weiss wohl von dem unwiderstehlichen Einfluss und Zauber seiner Person ein Wort zu sagen. Wer seine untersuchende Hand gefühlt, seine wohldurchdachten, klaren, ruhigen Worte gehört, wer wie seine Kranken, die aus aller Welt zu ihm kamen, das so unwiderstehlich sichere und dabei sanft beruhigende Wesen, zuerst angstvoll, bald mit Hoffnung, dann mit weiter Seele auf sich hat wirken lassen, der war felsensicher überzeugt, dass dieser und nur dieser ihm helfen wird. So ist James Israel das leuchtende Vorbild eines Arztes, äusserlich und innerlich ein „medecin gentilhomme". Und mehr als das. James Israel ist nicht nur einer der besten Aerzte, er ist ein Forscher und Gelehrter, von dem die Geschichte der Medizin neben ihren Allerersten reden wird. Er ist nicht nur ein hervorragender Chirurg, sein weitumfassendes Wissen auf allen Gebieten der Medizin hat ihm

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