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Ost und West · 1908-02-01 · Heft 2 (Februar 1908) · p. Seite 131 - 132

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 2 (Februar 1908)
Article
Die Juden in Tunis
Date
1908-02-01
Page
Seite 131 - 132 (sequence 3)
Language
German
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131 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Juden in Tunis. 132 „zur Zeit herrschenden Gesetze in diesem Sinne „abgeändert werden.tt Ich wäre der erste, der die Anwendung von allgemeinen Massregeln bedauern würde, da wie sie, in gleicher Weise angewendet, in Algerien zu den unangenehmen Vorkommnissen geführt haben, an die zu erinnern wohl überflüssig ist. Ich verlange also, dass die französische Naturalisation eine Gunst bleibt, die sie nur den Würdigsten gewähren werden; aber ich kann nicht zugeben, dass die Tunesen, die nach jedem Betracht zu der grossen französischen Familie zu gehören würdig sind, von dem Vorzug der französischen Naturalisation ausgeschlossen bleiben sollen, wenn sie sie nachzusuchen willens sind. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten: „Ich bin bereit, diese Frage in dem Sinne zu prüfen, den mir der Kolonialkongress von Marseille dargelegt hat, und der auch der einmütige Wunsch aller unserer Landsleute in Tunis ist. Diese Frage ist tatsächlich schon wiederholt von der Konsular-Konferenz beraten worden, und zuletzt hat der von dem verehrten Herrn Colin hier unterstützte Antrag die einstimmige BilligUDg der bei dieser Konferenz anwesenden Delegierten Frankreichs gefunden. Ich bin deshalb durchaus bereit, diese Frage zu studieren und die Bedingungen zu prüfen, unter denen ein neues Naturalisationsgesetz eingeführt werden könnte, und ich werde, was wohl notwendig sein dürfte, eine Spezial-Kommission erneonen, die den Auftrag erhalten soll, die Frage in dem von Ihnen gewünschten Sinne zu studieren." LEROY- BEAULIEU UEBER DIE EUROPAEISCHE EINWANDERUNG NACH AMERIKA. Nachdruckverboten. Die in Paris erscheinende „Revue Hebdomadaire" veröffentlicht in ihrer ersten Januarnummer einen sehr interessanten Artikel des Akademiemitgliedes Anatole Leroy-Beaulieu, der von den Völkerschaften der Vereinigten Staaten und von der europäischen Einwanderung nach Nordamerika handelt. Der Verfasser vertritt die Auffassung, dass die verhältnismässig schnelle Entwicklung und der grosse wirtschaftliche Aufschwung der Vereinigten Staaten der starken Einwanderung der verschiedenen europäischen Elemente zu verdanken ist. Im Durchschnitt repräsentieren die Auswanderer den energischeren und arbeitstüchtigen Teil eines Volkes; denn schon der blosse Entschluss zur Auswanderung, zum Verlassen des heimischen Bodens und zur weiten Fahrt nach fernen unbekannten Ländern beweist einen hohen Grad von Initiative und Arbeitslust. Die ersten Einwanderer in Nordamerika waren zum weit überwiegenden Teil Engländer und Holländer; erst gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts schickten die übrigen europäischen Länder ihre Bürger, zunächst die Schotten und Irländer. Danach kamen die Deutschen, aber diese gleich in so grosser Anzahl, dass sie der Herrschaft der englischen Sprache an vielen Plätzen Nordamerikas ein Ende gemacht haben. In St. Louis, in Chicago und anderen grossen Städten hört man in gewissen Stadtteilen nur deutsch sprechen. Nach den Deutschen waren die Skandinavier in grösserer Zahl eingewandert; in den letzten 25 Jahren bestand die Mehrheit der aus Europa kommenden Einwanderer aus Italienern, Slaven und osteuropäischen Juden. Die Italiener sind das auswanderungslustigste Volk der Welt, Man hat berechnet, dass in manchen Jahren über eine Million Menschen aus Italien ausgewandert sind, freilich nicht auch aus Europa; aber in den letzten Jahren betrug die Zahl der allein nach den Vereinigten Staaten eingewanderten Italiener 200000 bis 300000. Die Amerikaner halten die italienischen, slavischen und die aus Russland und Rumänien kommenden jüdischen Einwanderer für minderwertige Völker und deshalb für wenig erwünschte Elemente. Das trifft aber nicht zu. Diese Einwanderer gehören freilich zum teil rückständigen und wenig kultivierten Völkern an; daraus folgt aber nicht, dass sie geringere Geistesgaben, oder mindere Arbeitskraft haben als andere Europäer. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall, und die Zukunft wird es den Amerikanern beweisen. Den Italienern wird zum Vorwurf gemacht, dass sie zu sparsam, zu bedürfnislos sind, dass sie zu wenig Geld ausgeben und zuviel thesaurieren, und dass sie jährlich Millionen von Dollars nach Europa schicken. Viele Italiener kehren auch mit den erarbeiteten und ersparten Summen in ihr Heimatland zurück und kaufen dort ein bescheidenes Stückchen Erde. Aehnlich machen es die Slaven und Ungarn. Die hohen Arbeitslöhne locken sie nach den Vereinigten Staaten; nach mehreren Jahren fleissiger Arbeit und bescheidener Lebensführung suchen diese tüchtigen Handwerker wieder ihr Vaterland auf und leben dort von den amerikanischen Ersparnissen. Die Juden sind als Einwanderer eigentlich keine Neulinge in Amerika. Sehr wahrscheinlich haben sich schon unter den Genossen des Christoph Columbus Juden befunden, jedenfalls haben spanische Marannen — unter der Inquisition zum Schein getaufte Juden — einen Teil der Kosten für die Entdeckungsfahrten von Christoph Columbus beigetragen. Später haben jüdische oder marannische Kaufleute in manchen Gegenden Amerikas, besonders in Brasilien und Guyana, eine bedeutende Stellung eingenommen. Auch vor dem Unabhängigkeitskriege hat es in den späteren Vereinigten Staaten einflussreiche Juden gegeben, aber immer nur in geringer Zahl. Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann eine grössere Einwanderung von deutschen Juden, die in Nordamerika recht gut vorwärts

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