Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1908)
- Article
- Ein Moses Mendelssohn-Denkmal
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 81 - 82 (sequence 4)
- Language
- German
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81 Dr. Simon Bernfeld: Ein Moses Mendelssohn-Denkmal. 82 nicht, indem er etwa die Verwischung aller geschichtlieh gewordenen Unterschiede lehrte; im Gegenteil, das Judentum verteidigte er mit aller Wärme und Entschiedenheit. Der kulturelle Fortschritt kann ja gar nicht dadurch gtfördert werden, wie er sich ausdrückt, dass alle Menschen wie die Schafe in einer Hürde weilten. Aher jeder sittliche Mensch soll den Dünkel fahren lassen, dass er nur allein die Wahrheit gefanden hätte. Man soll sich gegenseitig anhören, und auch in anders gesinnten Menschen die ehrliche Ueberzeugung achten und verstehen suchen. Zweifellos wäre das beste Denkmal, das man Mendelssohn errichten könnte, seine menschenfreundlichen Ideen und seine apolegetischen Schriften unter Juden und Christen zu verbreiten. Aber auch dies lässt sich nicht künstlich erreichen. Ihm ein sichtbares Denkmal in Berlin zu errichten, hätte aber sicherlich die Bedeutung, einer wohltuenden und erhebenden Demonstration zugunsten der menschenfreundlichen Bestrebungen, der sittlichen Ideale, von denen die zweite Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts erfüllt war, und zu deren edelsten Trägern Moses Mendelssohn gehörte. Ein solches an sich rein äusserliches Ereignis kann mitunter, wenn es am richtigen Zeitpunkt eintritt, den Anstoss zu einer geistigen Bewegung von der grössten Heilsamkeit werden. Die Würdigung Moses Mendelssohns nach dieser Richtung und die Auffrischung seines Andenkens wäre eine Tat, die unserem Zeitalter zum Segen und zur Ehre gereichen würden. JUEDISCHE BUECHER-SAMMLUNGEN IN ALTER UND NEUER ZEIT Eine kulturgeschichtliche Skizze von A. Benesra. Nachdruck verboten. IL Neue Zeit und Gegenwart. Bevor wir zu der Schilderung der vier allergrössten jüdischen Büchersammlungen der Welt übergehen, mögen hier noch einige kleinere und mittlere Erwähnung finden, die aber an sich bedeutend genug sind. In Italien besitzen die Marciana in Venedig, die Ambrosiana in Mailand, die Naniana in Padua, die Mediceo-Laurentiana in Florenz sehr schätzbare alte hebräische Handschriften und Drucke. Rom, welches einst hebräische Bücher auf dem Scheiterhaufen verbrannte, fing schliesslich an sie zu sammeln, daher besass die Vatikanische Bibliothek schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts eine bedeutende Sammmlung, die auf Befehl des Papstes Benedikt XIV. durch den getauften Juden Assemani katalogisiert wurde. Sehr bedeutend sind die Sammlungen von hebräischen und jüdischarabischen Handschriften und Druckwerken, die sich im Besitze der Pariser Nationalbibliothek und der Wiener Hofbibliothek befinden. In Deutschland und der Schweiz besitzt beinahe jede Universitäts- Stadt- oder Staatsbibliothek mehr oder minder umfangreiche Sammlungen von hebräischen Büchern und Handschriften. In erster Keine steht hier die Berliner königliche Bibliothek, die Münchener Hof- und Staatsbibliothek, welche das einzige komplette Exemplar einer Handschrift des Talmud besitzt, ferner die Leipziger, Hamburger und die Frankfurter Stadtbibliothek, von der noch weiter unten die Eede sein wird. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts fing der katholische Geistliche und Professor der orientalischen Sprachen an der Universität zu Parma, Pater J. C. deRossi, an, Handschriften der Bibel und ihrer Kommentare zu sammeln, die ihm zu seinen Studien über das alte Testament dienen sollten. Allmählich entwickelte sich bei ihm eine Vorliebe für seltene hebräische Druckwerke und Handschriften, die er von allen Seiten zusammenkaufte, ohne Geld und Mühe zu sparen. Aber Eossi war nicht nur ein Sammler, sondern auch ein Kenner. Im Jahre 1813 gab er den dreibändigen Katalog seiner Bibliothek heraus, in dem er 1377 Bände, 5400 Werke enthaltend, beschreibt, die, mit Ausnahme von 70 Ribelhandschriften, sämtlich der nachbiblischen Literatur angehören. Pater de Eossi war in der christlichen Welt einer der grössten Kenner und Wohltäter der jüdischen Wissenschaft. Die jüdischen Forscher gedenken seiner stets mit Verehrung und Dankbarkeit. Die Grossheizogin Maria Ludovica von Parma (frühere Kaiserin von Frankreich) erwarb die Eossische Sammlung für die Parmenser Bibliothek und kurz vor ihrem Tode, 1846, bereicherte sie sie noch durch die Schenkung von 112 kostbaren Handschriften, die sie aus dem Nachlass von S. G. Stern in Wien angekauft. Die hebräische Bibliothek von Parma ist einzig in ihrer Art und dürfte in mancher Beziehung sogar die Oxforder übertreffen. Die Universitätsbibliothek zu Oxford, genannt Bodleyana (nach ihrem 1612 verstorbenen Stifter Thomas Bodley) besass schon im Jahre 1787 fünfhundert Bände von Handschriften, die zirka 3000 hebräische, aramäische und jüdisch-arabische Werke umfassten (die samaritanischen nicht eingerechnet). Darunter befanden sich die hervorragendsten Werke der jüdisch-arabischen Denker und Forscher. Im Jahre 1829 verschlang die Bodleyana die Oppenheims che Bibliothek, deren merkwürdige Schicksale eine nähere Erwähnung verdienen. Angelegt wurde diese Sammlung von David Oppenheim, dem Sprössling einer alten, berühmten jüdischen Familie, der im Jahre 1664 zu Worms geboren wurde, in Brzesc Litewski kurze Zeit Eabbiner war und im Jahre 1736 zu Prag als Oberrabiner von Böhmen und Eosch-Jeschiva gestorben ist. Seine