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Ost und West · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. Seite 39 - 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Jüdische Bücher-Sammlungen in alter und neuer Zeit
Date
1908-01-01
Page
Seite 39 - 40 (sequence 6)
Language
German
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A. Henesra: Jüdische Büchersamiulungeii in alter und neuer Zeit. 40 richtete. Doch an der jüdischen Literatur bewährte sich auch diesmal das Wort des Propheten: „burch das Feuer wirst du gehen und unversehrt bleiben". Kaum brach eine bessere Zeit für unsere Vorfahren an und schon bören wir vom Entstehen verschiedener Büchersammlungen, grossem und geringeren Umfanges. Eine ganze Reihe bedeutender Autoren aus jener Zeit führen an der Spitze ihrer Werke Verzeichnisse oft sehr zahlreicher Bücher an, aus denen sie geschöpft und die sich in ihrem Besitz befunden haben dürften Die grösste jüdische Privatbibliottiek jener Zeit aber war wohl die des Josef Salomon del Medigo (geb. auf Kandia 1591, gest. nach vielen Wanderungen, die ihn fast durch ganz Europa führten, zu Prag 1655) Er war ein Schüler von Galilei, genoss einen bedeutenden Ruf als Arzt, Mathematiker und Astronom, und verfasste eine Anzahl bedeutender, noch heute lesenswerter hebräischer Bücher. Seine Bibliothek soll 70Ü0 Bände Druck- und Handschriften umfasst haben. Er war imstande, eine weite Eeise zu machen, um ein ihm unbekanntes Buch in Augenschein zu nehmen. Eine grosse Bibliothek besass auch Jakob Romano in Konstantinopel (gest. 1650 in Jerusalem). Mit seinem Beistand verfasste Johann Buxhof in Basel sein bekanntes Werk Bibliotheca Rabbinica. Die Universitätsbibliothek zu Basel verwahrt die Korrespondenz der beiden Gelehrten. Am zahlreichsten entstanden jüdische Büchersammlungen in Amsterdam unter den dort angesiedelten spanischen und portugiesischen Juden. Manasse ben Israel, ein Freund Rembrandts, weitberühmt als Kanzelredner, hochverdient als Verteidiger und Sachwalter seines Volkes, ein sehr fruchtbarer Schriftsteller, führte ein armseliges Leben und verwandte alle seine Einkünfte auf die Anschaffung von Büchern. Er besass schliesslich eine Sammlung, deren Wert von Kennern auf 10 000 holl Gulden geschätzt wurde. Er wurde von der Königin Christiue von Schweden damit betraut, ihre bedeutende Sammlung hebräischer Handschriften zu ordnen. Amsterdam darf, sich, wenn ich mich nicht irre, rühmen, die erste Gemeinde zu sein, die eine öffentliche jüdische Bibliothek einrichtete (1650), welcher der im Jahre 1718 verstorbene Sabbathaj Bassista das Material zu seiner Bibliographie „Sifthej Jescheuim" entnommen hat. Von den vielen, mehr oder weniger reich ausgestatteten Amsterdamer jüdischen Privatbibliotheken, die sich längere Zeit im Besitz derselben Familie erhalten, mögen wenigstens zwei erwähnt werden: die des Arztes Dr. Salomon Mesa (gest. 1743). welche 1652 Werke enthielt, und die des Salomon Rubens, deren 3229 Druckwerke und 47 Handschriften im Jahre 1857 öffentlich versteigert wurden. In Holland war beinahe jeder Besitzer einer grösseren Bibliothek bemüht, einen wohlgeordneten Katalog seiner Sammlung anzulegen und zu veröffentlichen, der als Grundlage für wissenschaftliche Forschungen dienen konnte. Im Jahre 1780 hat der rühmlich bekannte Amsterdamer Buchdrucker Salomon Proops ein umfangreiches Verzeichnis der in seiner Olfizin hergestellten jüdischen Werke herausgegeben. (Schluss folgt.) AUS DER JUEDISCHEN SAGEN- UND MAERCHENWELT. Als der BaaNSchem zur Welt kommen sollte. Mitgeteilt von Bar-Ami. Als die »Seele des Baal-Schern auf diese Welt herabgesandt werden sollte, um die Augen der Menschen zu erleuchten, herrschte unter den Scharen des Himmels eine grosse Erregung. Wer war der Würdigste, dass ein solcher Solin ihm geboren werde? Man beriet hin und her, endlich wurde man einig, dass der Würdigste ein gewisser Elieser wäre, ein armer Landmann, der in einem entlegenen Dorfe eine Schenke hatte, dabei einen kleinen Acker bestellte und einige Stück Vieh züchtete, wie das in damaligen Zeiten üblich war. Im Himmel lobte man Elieser, der freilich uicht gelehrt war, sich aber in strenger Redlichkeit von seiner Hände Arbeit ernährte, nicht habgierig war und ein sehr gutes Herz hatte. Jeden Freitag sandte er nach allen Strassenwendungen in der Nachbarschaft Boten aus, die alle vorbeikommenden Wanderer, arm oder reich, einluden, bei ihm den Sabbat zu feiern, auch sonst ging kein Mensch, ob Jude oder Goj, ungesättigt und unbeschenkt von seiner Tür. Satan aber, als er das alles vernahm, sprang auf und schrie: „Ich werde euch be- Nachdruck verboten. weisen, dass dieser euer Gerechte bereit ist, für Geld, wenn es nur ein recht grosser Haufen ist, die ganze Frömmigkeit zu verkaufen. Lasst mich nur hingehen und ihn in Versuchung bringen.'1 Man liess ihn hingehen. An einem Freitag Vorabends, während ein starker Frost herrschte und ringsum die Welt mit dickem Schnee bedeckt war, fuhr vor Eliesers Dorfschenke ein prächtiger Schlitten mit reichgeschirrten Pferden vor, und darinnen sass ein grosser Herr in kostbarem Pelz, und einige Diener. Sie traten in die Schenke und Elieser bot ihnen Branntwein und warme Speisen, damit sie sich erwärmten. Aber der Herr sagte zu Elieser: „Weisst du was, das ist alles sehr schön, aber ich habe gar keine Lust bei dieser Kälte weiter zu fahren. Ich will hier übernachten." „Das ist mir recht", sagte Elieser, „lasst nur eure Pferde in den Stall bringen und macht es euch bequem. Ich habe für den Sabbat reichlich zu essen und zu trinken vorbereitet, es soll euch und euren Leuten an nichts „glaubst du, fehlen." „Dummer Jud", sagte der Herr,

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