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Ost und West · 1908-01-01 · Heft 1 (Januar 1908) · p. Seite 25 - 26

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 1 (Januar 1908)
Article
Zur Ausstellung jüdischer Künstler
Date
1908-01-01
Page
Seite 25 - 26 (sequence 5)
Language
German
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25 (j. Kutna: Zur Au.sstollung jüdischer Künstler. tragen die Atmosphäre der Andacht, in Entlegenheit geeint, leis vom Ta^e berührt. In des jungen Londoners Louis Conrad Bild ..Höre Israel" (Abb. in der vorigen Nummer von , Ost und Webt'1) ist diese Einheit durch die Vereinfachung der Linien und Massen gleichfalls zu guter Wirkung gebracht. Bei den Bildern, die russische Maler von den Posromgreueln und der Heimatlosigkeit ihrer Brüder malen, li^gt die Wirkung ganz in dem Erlebnis des Herzens und nicht in den kün.stlerischrn Mitteln. Diese sind aufs einfachste reduziert, und gerade durch den stammelnden, srossweisen Vortrag, durch die Härte der Bildform entsteht unabhängig von der künstlerischen Potenz der ergreifende Eindruck, In der einfachen Wiederholung des Leidensbildes liegt seine Steigerung. Da ist ein Bild von M. Minkowski, ,.Heimatlos" heisst es (Abb. in der vorigen Nummer von ,,Ost und West"). Man fragt nicht danach, ob es gut gemalt ist, und wenn man Schwächen bemerkt, scheinen sie bei diesem Gegenstand notwendig und in gewissem Sinne Vorzüge. Es ist keine Bildeinheit darin, nun es ist ja auch nur Zufall in ihrem Beisammensein wie in ihrem ganzen Dasein; nur eines hat jeder für sich und haben alle neben einander: Elend und Starre. Die Silhouetten sind isoliert und stossen einander in zeichnerischer Interruption — eben wie ihr Weh, das sich staut. Den Gestalten fehlt die Peripherie, nichts kann ausklingen — wie es zuviel des Elends ist; auch der stumme Weheschrei ist unterdrückt. Niemand hat Raum, weil immer noch ein anderer da ist. Auch das Ganze ist unräumlich — sie sind ja ausgestossen, sind raumlos selbst. Eine furchtbare Wahrheit steckt in dieser primitiven Raumgestaltung; die Gegenwart ist abgeschnitten, ihre Sphäre ist die Entrissenheit. Sie sitzen auf biüchiger Planke, alles ist zerschellt, und ihr Gesichtskreis ist das Leere. Für alle Lebensalter dasselbe Geschick: die Kinder schlummern und hungern, die Erwachsenen sinnen und starren, und die Alten siechen. Kein Lufthauch im Umkreis. Nicht resren sie sich, das Schicksal schleicht sich stumm von ihnen, und immer starren sie ins Leere. Ein Bild von L. Pilichowski, das mit viel künstlerischer Intelligenz denselben Gegenstand behandelt, übt mit Absicht solche Zurückhaltung in der Malerei, um nur die Dumpfheit des Anblicks sprechen zu lassen. „Unterwesrs" (Abb. in der vorigen Nummer von „Ost und West") sind sie nun, auf der Flucht vor ihrem Elend unterwegs. Und das Elend und die Schwere lagert auf ihnen; wie Ballen von Lumpen, die man beiseite geschoben, wie ein gefülltes Fischnetz, das man in die Ecke geworfen, so liegen sie da. Ein Minimum von Raum ist ihnen gegönnt, karg bemessen Licht und Luft; und niemals werden JOSEPH DPI'EN REIMER. OELGEMAE LUE. Mädchenporträt. sie aufrecht gehen. Das ist der ganze Bildreiz. — Es ist ein euren Ding um diese Malerei. Nicht nur in Russland daheim malen sie so, auch in London und in Paris ist nur grau auf ihrer Palette, wenn es solche Dinge zu malen gilt. Das Golus schleicht ihnen nach und erinnert sie, dass es da ist. Es ist seltsam: wenn man von der Kunst dieser Leute spricht, spricht man von ihrem Leide. URTEILE DER PRESSE UEBER DIE AUSSTELLUNG JUEDISCHER KUENSTLER. Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung wurde von Justizrat Horwitz das Bedauern ausgesprochen, dass von gewissen Künstlern versucht wurde, die Ausstellung zu diskreditieren. Zwar handelt es sich nur um Wühlereien der kleinen Berühmtheiten und der Lieblinge der Gevatterschaft, die abseits stehen mussten. Yon diesen Leuten, die bisher das Monopol zu haben glaubten, die jüdische Kunst geschäftig zu vertreten, wurde ausgestreut und angesichts der Werke von Meistern des Weltruhms weiter behauptet, die Ausstellung sei minderwertig. An sich sind Aeusserungen irgend eines Zirkularschreibers bei dein Erfolg der Ausstellung völlig belanglos. Wenn an dieser Stelle davon Notiz genommen wird, so geschieht es nur, um dem Kreise, aus dem der „Verein zur Förderung jüdischer Kunst" entstanden ist, ein warnendes Beispiel entgegenzuhalten, sich von Gesinnungskoketterie nicht fangen zu lassen. Man kann diesem Kreise den Vorwurf nicht ersparen, dass er sich bei der Unterstützung von Talenten mehr durchSentimentalität als durch Kritik leiten liess. Dadurch kommt es, dass Leute, die ohne seine Förderung überhaupt kaum Beachtung ge-

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