Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1916)
- Article
- Am Tage des Gerichtes
- Date
- 1916-12-01
- Page
- Seite 491 - 492 (sequence 6)
- Language
- German
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491 Kriegsliteratur. 492 für Jahre hinaus der Schuldner seines Chefs. Aber jetzt sollte das anders werden. Neuntausend Gulden lagen dort in der Schublade in der ledernen Brieftasche . . . Sofort wird er ans Werk gehen. Er wird ein reicher Mann werden, ein Millionär . . . Mit siebenunddreißig Jahren ist es nicht zu spät, ein Vermögen zu erwerben. Er wird seiner Schwester eine reiche Mitgift geben, um ihr wenigstens teilweise zu lohnen für all die Güte und Barmherzigkeit, die sie ihm und seinen Kindern erweist . . . Einen Palast wird er sich bauen, keinen so protzigen wie der des Stefan Gemba, aber schön 'und lieblich mit einem großen Garten ... die Kinder sollen im Ueberfluß heranwachsen, deutsche und französische Gouvernanten wird er ihnen halten . . . Reitpferde, Automobile ... Er will seinen Anteil an dieser Welt haben . . . Millionär will er werden. Den Schlüssel dazu hat er in die Hand bekommen . . . Jetzt fühlte er die Hand des Mendel Färber auf seinem Arm. Der Gottesdienst war längst zu Ende. Das Bethammidrasch hatte sich geleert, nur einige Minjanim waren zurückgeblieben, die die Nacht hier beim Singen der Psalmen und des Schir Hajichud durchwachen wollten. „Du. scheinst sehr übermüdet zu sein", sagte Mendel Färber. Er ahnte nicht, welche trotzig^ und hochfahrende Pläne der Freund in der Seele wälzte. „Ich habe nicht geschlafen", versetzte Simon 'Berg tonlos. Er legte den Tallith mit heftiger Bewegung ab-, zog den Kittel aus und ging hinaus in die laue, schöne Herbstnacht, um frische Luft zu atmen. (Schluß folgt.) KRIEGSLITERATUR. ,,D i e Vernunft in der Geschichte" betitelt sich eine neue Schrift von Karl Joel1), in welcher dieser scharfsinnige Denker, glänzende Darsteller und vornehme Mensch es unternimmt, den Sinn dieses Krieges vom Standpunkte der höchsten menschlichen Interessen zu deuten. Vernunft und Geschichte, die Forderungen der denkenden und ethisch wertenden menschlichen Persönlichkeit, und das Weltgeschehen in seiner rauhen Wirklichkeit scheinen sich zu widersprechen. Diese Anschauung drängt sich uns angesichts des jetzigen Krieges mit verstärkter Gewalt auf. Gleichwohl ,,ist der einzige Gedanke, den die Philosophie mitbringt, der einfache Gedanke, daß die Vernunft die Welt beherrsche, daß es also auch in der Weltgeschichte vernünftig zugegangen sein müßte". In einer feinen Analyse der hauptsächlichen historischen Begebenheiten wird nun dargetan, daß die Vernunft als latente Kraft in der Geschichte immer ) Verlag von R. Bruckmann, München. mehr zum Durchbruch gelange. Die Kriege erscheinen als Stufen, die zum Tempel des Friedens hinanführen. „Der Weg der Geschichte vom Faustrecht des Raubritters bis zum Weltkrieg erscheint zugleich als der Triumph einer ungeheuren Friedensarbeit." Immer mehr kleinere Völkergruppen einen sich zu großen Gemeinschaften, innerhalb deren der Krieg unmöglich wird. Auch aus diesem Kriege, hofft der Verfasser, wird, wenn auch nicht allsogleich, so doch nach einer nicht allzu fernen Zeit, ein großes, gegenseitiges Verstehen unter den Völkern hervorgehen; die Feinde erproben sich in diesem Kriege gegenseitig in ihren. Kräften und Mängeln, lernen ihre Lage, Bedürfnisse, Nöte besser verstehen, fühlen ähnliche Gluten und Schmerzen, kurz, sie kommen einander auch seelisch immer näher. So wird endlich der Mensch, der mit seiner Vernunft die Erde bezwungen hat, von der Wüste bis zu den Polen, endlich sich selber bezwingen lernen kraft derselben Vernunft. Denk! anunslsendet ©ofemÄfeifum v-p'- ^-&^\^^m-- (Hohlmurxjstüch) Oettern <$ofö (QolcimundsrücK) ^igaretfeit Willkommenste Liebesgabe! Preis:N r 3)s 4 5 6 a 10 4 5 6 ö 10 12 Pf.dSfück cinschtießh'ch Krieqsaufschlag Trusifr« ei 20Stück.feldpostmäßi$ veppacktporttrfrei! 50 Stück.feldposiiraßi6 verpackt. 10PC Porto S Orieni TcröaK-uCigai^ento Jnh.Hugo/ielz.Iioflieferai:tSJ1dJtonig3vSQchsea