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Ost und West · 1916-12-01 · Heft 12 (Dezember 1916) · p. Seite 433 - 434

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 12 (Dezember 1916)
Article
Skizzen aus Litauen, Weißrussland und Kurland
Date
1916-12-01
Page
Seite 433 - 434 (sequence 3)
Language
German
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433 Von der Wohltätigkeit und den Wohltätern, von der Förderung und den Mäzenen. 434 4fe&« v W H'i^ t-W% A *M WK/r. i I ■■'iL'-: y. ••■ •: " isä^f^^^ Hermann Struck, Das Grab, des Gaon Elia in Wilna „Warum malt ihr so gern alte Juden, Meister?" fragte man einstmals Rembrandt. „Weil sich das Leid des Lebens doppelt stark in ihren Zügen ausspricht. Weil sie das, was wir alle, die wir atmen, durchmachen und durchdenken müssen, noch bitt'rer schmecken mußten als die andern Menschen, dadurch, daß ihnen durch ihre' Geburt das Dasein von vornherein versalzen war. Weil sich in ihren vergrämten Gesichtern das Ge* fühl, ein Fremdling auf der Erde zu sein, das sich auf dem Antlitz der Besten ausprägt, wunderbar und erschreckend deutlich wiederspiegelt. Weil sich bei ihnen von der kleinen Fläche des menschlichen Angesichts, die man mit zwei Händen zudecken kann, die Tragödie unsrcs ganzen Geschlechtes ablesen läßt. Weil in den Runzeln ihrer Stirn, in dem Blick ihrer Augen, in den Falten um ihren Mund die schmerzlichste der Enttäuschungen, die wir im Altern von dem Stoppelfeld unserer Träume sammeln müssen, die Enttäuschung über die Mensch* heit, erhaben ausgedrückt ist, wie in einem Monu* ment, das man der Erbärmlichlichkeit der Welt ge* setzt hat. Und weil sich endlich trotz alle diesem die Hoffnungsseligkeit der Menschen und die Zuversicht auf ein besseres Jenseits selten ergreif fender abmalen läßt als von diesen vergrämten Lippen, die den Tag mit heiligen Psalmen beginnen und ihn beschließen, indem sie ein paar dunkle SprLU che aus dem Talmud vor sich hinflüstern, als wären damit die Schlüssel zum Paradiese wiedergefunden." VON DER WOHLTAETIOKEIT UND DEN WOHLTAETERN, VON DER FOERDERUNG UND DEN MAEZENEN. Von Dr. A. Kali n. II. Es wäre indessen ein großer Irrtum, zu meinen, daß die Juden keinen Sinn für allgemeine; überpersönliche Zwecke haben. Schon der Talmud sagt: die Juden sind ein heilig Volk, verlangt man von ihnen eine Spende für die Stiftshütte, sie -geben; verlangt man von ihnen eine Spende für den Götzen , sie geben. Nur geben sie in neuerer Zeit viel eher Spenden für den Götzen, als für die Stiftshütte. Namentlich für den Götzen der Partei, die momentan gerade im Schwange ist. Ferner opfern sie gern dem Götzen der Eitelkeit, und diese kann ihre stärkste Befriedigung nicht innerhalb der jüdischen Gemeinschaft finden, die keine äußeren Ehren und Auszeichnungen zu vergeben hat. Fast jeder reiche Jude vermacht letztwillig einen Teil seines Vermögens für öffentliche Zwecke. Das ist eine alte jüdische Sitte, der sich nur sehr wenige entziehen. Meist wird eine Summe für rein jüdische, eine andere für allgemeine Zwecke bestimmt, „ohne Unterschied der Konfession". Die

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