Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1916)
- Article
- Der jüdische Volksgesang im Lichte der orientalischen Musik
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 335 - 336 (sequence 3)
- Language
- German
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335 (Arabische Melodien im Makam Siga) m.........—...... Der jüdische Volksgesang im Lichte der orientalischen Musik. 336 (Arabische Melodien im Makam Adschan) L (Melodien im Makam Irak) W^Wjrr^=^rif 1 r( liLl^WTiI u »I Die Nummern 40—41 sind Beispiele für Sasgar und 42—43 fürAdscham. Beide haben dieselbe Skala, nämlich F-Dur-Leiter. Beide aber sind persischen Ursprungs. Adscham bedeutet im weiten Sinne das Ausland, im engeren Sinne aber wird Persien von den Arabern „Adscham" genannt, folglich ist dieser Makam eine persische Gesangsweise. In- Persien aber wird derselbe Makam New-runz, d. h. der neue Tag, genannt. Sas-gar bedeutet im Persischen auf dem Instrumente „Sas'\ dessen tiefster Ton „f" ist, basierend. Sasgar ist ein Sohn des Adscham, also Nebenmakam, wurde aber doch kraft seiner Popularität zu einem Hauptmakam erhoben. Seine Art ist leicht und schalkhaft, die ernsten und getragenen Weisen werdeu dem Vater Adscham überlassen. (Arabische Melodien im Makam Sasgar) Sind die ersten zwei Makamengattungen im jüdischen Volksgesange gut vertreten, so ist die dritte Makamengattung nur noch im traditionellen Synagogengesang vorhanden, im sog. Adonoj- Moloch-Steiger (vgl. die Beispiele XV—XVIII) und in den Sabbathliedern, S'miraus, im profanen Volksgesange findet man von dieser Weise in ihrer ursprünglichen Eigenart keine Spur. Die Ursache ist folgende: Während die beiden ersteren Weisen tonlich keine Eigenart der europäischen oder richtiger der slawischen Musik gegenüber aufweisen, ist die Tonalität, die Tonleiter der dritten Weise von der der slawischen wie der europäischen Musik grundverschieden. Dieser Umstand hatte zur Folge, daß die tonische Eigenart allmählich sich verwischte und sich der europäischen Durleiter näherte, bis sie ganz Dur geworden ist. Hierin wirkte der Einfluß der arischen Umgebung. Zwar hat das Volk diese Weise im Synagogengesang rein aufrechterhalten, aber neue Melodien in dieser Weise zu schaffen, wie in den beiden ersteren Weisen, vermochte der Volksgenius nicht mehr; der arische Einfluß schwächte das echtorientalische Empfinden dieser urorientalischen Singweise, und anstatt neue Schöpfungen aus ureigener Gefühlsskala zu schaffen, mündete der Erguß seines Empfindens in die neu angeeignete Durleiter ein. Denn die Durskala in ihrer Tonreihe von Prima zur Oktave aufsteigend1) ist arischen Ursprungs. Die semitischen Völker haben sie nicht. Weder die Araber, die diese Leiter als persischen Ursprungs bezeichnen, wie oben dargelegt wurde,, noch die orientalischen Christen besitzen die Durtonart in ihrem Volksgesange. x) Die Eigenart der Durleiter kennzeichnet nicht nur die große Terz, sondern vorzüglich die große Septime, wie überhaupt die aufschreitende Art zur Oktave. Tonzeichen us der großen Terz aufwärts und einer Quarte abwärtsbestehend, besitzten die Orientalen wie die Jemeniten. (VgL meinen Aufsatz in Ost und West 1912, Heft 6 — 12). Dadurch ist aber der Durcharakter noch nicht ausgedrückt. (Notenbeispiele zu vorstehendem Text:)