Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1916)
- Article
- Der jüdische Volksgesang im Lichte der orientalischen Musik
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 331 - 332 (sequence 1)
- Language
- German
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331 Der jüdische Volksgesang im Lichte der orientalischen Musik. 332 DER JUEDISCHE VOLKSGESANG IM LICHTE DER ORIENTALISCHEN MUSIK. Von A. Z. Idelsohn-Jerusalem. IL Der Melodienschatz des jüdischen Volksgesanges ist überaus reich an Mollmelodien. Von den Prophetenweisen und Klageliedern bis zu den chassidischen und hauptsächlich den Jargon- Liedern, in all diesen Gattungen spielt die Moll- Skala die dominierende Rolle. Die Mollmelodie ist das Echo der jüdischen Volksseele, sie ist der Ausdruck ihres Schmerzes, ihrer Hoffnung und zugleich ihres Trostes. Das ist aber nicht die Folge der Unterdrückungen, des Golus und ebenso auch nicht der Einfluß des slawischen Gesanges, sondern die Folge der semitischen Abstammung des jüdischen Volkes. Alle semitischen Stämme im Orient singen mit Vorliebe Moll. Der überwiegendste Teil der arabischen Volksweisen hat, wie oben erörtert, die Mollskala. Und in der Tat sind die arabischen Mollweisen denen des jüdischen Gesanges sehr ähnlich, sowohl im Tongefüge und in den Tonwendungen, als auch im ganzen Ausdruck und Charakter. Man vergleiche die nachstehenden Beispiele der „Wajechulu"-Weise (Beisp. I), einiger Jargon- Lieder (II u. III), darunter vom Volkssänger Zunser; IV u. V), mit den Bajat-Melodien (1—7 * und den Uschak-Melodien (8—9). Hauptsächlich sind Zunsers Melodien den Uschak-Melodien sehr verwandt, oder den Nahawand-Melodien (17—21), welche den bekannten Charakter des Jargonliedes tragen. Um ein Beispiel herauszugreifen, führen wir die bekannte Komposition vom alten Weintraub für ,,Atto zocher" (im Rosch-Haschono- Musaf) an und eine ihr ähnliche chassidische Weise der ,,Chabadik. Man lasse den Klang dieser Melodien zusammen mit den angeführten arabischen Melodien durch die Seele ziehen, und alsbald wird jedem die innere Verwandtschaft dieser Weisen klar werden. Die zweite oben angegebene Makamen- G-attung ist die mit der phrygischähnlichen Skala, in welcher die zweite Stufe übermäßig ist. Die Hauptrolle in dieser Gattung spielt der Makam Hidschas. Seine Leiter ist: d-es-fis-g-a-b-e-d, unterhalb der Tonika wird b zu h erhöht. Hidschas ist bekanntlich die Gegend Arabiens, in welcher die heiligen Städte Mekka und Medina sich befinden; demnach ist der Name echt arabisch. Auch dieser Makam ist ein Volksmodus der Araber, der Ruf des Muezzin zum Gebete erfolgt ebenfalls in diesem Makam, wie Beispiel 27 beweist. Befremdend ist es aber, daß sowohl die jemenitischen Juden als auch die jemenitischen Araber diesen Makam gar nicht kennen. Vgl. Noten-Beispiele 22—27). (Arabische Melodien im Makam Hidschas) *j S. Ost und West, Jahrg. VI, Heft 6 7. ■h 1'in.jtijiw^ Die Beispiele 28—29 geben den Makam Saba wieder. Saba — Rehenliebe, d. h. keusche Liebe, ist ebenfalls ein echtarabischer Makam. Er hat dieselbe Leiter wie Hidschas, zu welcher noch zwei Stufen hinzugefügt sind, demnach hat Saba eine Skala von einer Dezime und zwar id-e{- f-ges-a-b-c-des-es-f. Die Leiter ist als eine Oktave f-f mit der Hinzufügung zweier Stufen d-e zu erklären1;. (Arabische Melodien im Makam Saba) Jtr II x) Saba gilt als die edelste urid gefühlvollste Gesangsweise.