Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1916)
- Article
- Wilhelm Wachtel
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 301 - 302 (sequence 2)
- Language
- German
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301 Religion und Kunst. 302 «N i'^A* -i( Wilhelm Wachtel Vertriebene Wien Leidenszeit während der russischen Invasion in GalU zien. Im freien Spiel der Phantasie hat seine Kunst eine Reihe von Illustrationen zu einem jüdischen Märchen* und Sagenbuch (in polnischer Sprache) geschaffen, von üppigem Reichtum an dekorativen Formen, in denen sie orientalische und antike Motive, ohne diese ihrer Originalität und Eigenart zu entkleiden, dem modernen Empfinden geschmackvoll zu vermählen weiß. In einer Anzahl von Entwürfen zur Ausschmückung des Innern von Synagogen erscheint diese dekorative Kunst in monumentalen Linien den architektonischen Formen zu großartiger Wirkung angepaßt. Wilhelm Wachtel, der jetzt an der Schwelle der Vierziger steht, kann bereits auf einen reichen Ertrag seiner Arbeit zurückblicken* Man darf von ihm noch Bedeutendes erwarten. RELIGION UND KUNST. Von Rabbiner Dr. Lewkowitz, Berlin. Die Frage nach dem Verhältnis der Religion zur Kunst soll hier nicht in geschichtlichem Sinne gestellt werden. So wichtig es für die Beurteilung der kulturgeschichtlichen Bedeutung der Religion ist, ihren Anteil an der Entstehung und Entwickelung der Kunst festzustellen, so wertvoll für die Gestaltung des religiösen Lebens die mannigfachen Leistungen der .Kunst sind, der geschichtliche Zusammenhang dieser beiden Kulturformen bleibt so lange zufällig, in seiner inneren Notwendigkeit unerkannt, als nicht erwiesen ist, daß die Religion ihrem Wesen nach nach künstlerischer Formung ihrer Inhalte verlangt. Unsere Frage lautet demnach: Haben Religion und Kunst sich zufällig gefunden, so wie zwei Menschen sich begegnen und eine Strecke Wegs zusammengehen, oder ist ihre Verbindung innerlich begründet und unvermeidlich? Ist es eine glückliche, aber unbegreifliche Fügung der Geschichte, daß die Kunst dem Glauben seine Götterbilder formte, seine Tempel und Altäre schuf, seine Hymnen dichtete und seine Melodieen sang, oder drängt das Leben der Religion mit unaufhaltsamer Kraft zur künstlerischen Form? Diese Frage nach dem grundsätz-