Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1916-06-01 · Heft 6-7 (Juni-Juli 1916) · p. Seite 255 - 256

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 6-7 (Juni-Juli 1916)
Article
Der jüdische Volksgesang im Lichte der orientalischen Musik
Date
1916-06-01
Page
Seite 255 - 256 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2583875-2584060-2584065-2597334--16232-2597382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

255 Der jüdische Volksgesang im Lichte der orieutalischen Musik. 256 keineswegs mit Tonart identifizieren. Denn während die letztere lediglich die Tonleiter bezeichnet, in welcher nach Belieben verschiedene Weisen gesungen werden können, ist im Makam beides, Tonleiter und Tonweise, und vorzüglich letztere einbegriffen. Denn bei den Makamen wird auf die Tonweise, d. h. Tongruppierung und Tongefüge, Hauptgewicht gelegt. Der orientalische Musiker legt auf die Reinheit der Musikweise großen Wert. Jeder Makam hat seine ihm eigentümlichen Tonreihen und Motive, die stets variiert auftretjen. In demselben Sinne finden wir im traditionellen Gesänge der europäischen Juden den Terminus „Steiger", welcher wörtlich entweder mit ,.Leiter" oder ,,Stand" zu übersetzen ist. Man versteht darunter eine Singweise, welche nicht nur eine eigene Tonleiter, sondern hauptsächlich ein eigenes Tongefüge, originelle Motive und Wendungen aufweist. Demnach enthält der Terminus Steiger genau denselben Begriff wie Makam3). Die Entstehung der Makamen ist ganz begreiflich. Die orientalische Musik wird nach dem Gehör ausgeübt, folglich ist der Musiker gezwungen, sich Zeichen und Merkmale nach dem Gehör zu schaffen, um die Musikstücke im Gedächtnisse zu behalten und sie zu erkennen. Demnach ist Makam eine Gruppe von bestimmten Merkmalen, welche dem Naturmusiker hauptsächlich durch die Melodiegestaltung beim Hören auffällt. Solche Merkmale, die dem gebildeten, sozusagen Notenmusiker ganz gleichgültig scheinen, sind dem Gehörmusiker sehr wichtig; ja, der Naturmusiker hört ganz anders als der Kunstmusiker. Den Werdegang der Makamen kann man sich etwa folgendermaßen denken: In alten, . vorislamitischen Zeiten bestanden in den verschiedenen Gegenden und bei den verschiedenen Stämmen eigene Volksmoden. Der Islam zentralisierte die arabische Intellektualität aus allen Teilen Arabiens und Syriens in Bagdad und Basra. Hier stieß sie mit der persischen Kultur zusammen. Von ihr nahmen die Araber vieles auf. Mehrere Musikweisen, wie Makam Adscham — die persische Singweise —, Makam Ispahan — die aus der Metropole Persiens, aus Ispahan, stammende Weise—, ebenso Makam Nahawand, nach der gleichnamigen nordpersischen Stadt benannte Weise, u. n. a. m., wurden von den Arabern aufgenommen. Diese fremden Musikweisen fanden indessen beim arabischen Volke keinen Anklang-. Das Diese Makamen sind allgemein bekannt; es existiert aber eine große Anzahl von Makamen, die nur von lokaler Bedeutung sind oder Kunstprodukte, welche das Volk gar nicht kennt. Fast jeder der aufgeführten Miakamen findet seinen Analagon im jüdischen Volksgesang, hauptsächlich aber die echtarabischen. Diese sind: Bajat, Saba, Hidschas, Uschak, Irak, Huseni, Nawa, Aschiran. Aber auch die Makamen persischen Ursprungs wie Rast, Siga, Nahawand, Mlahur, Ispahan, Adscham, und die türkischen wie Hidschas-Kar, Rehaw u. a. sind im jüdischen Gesänge vertreten. Bekanntlich besteht der jüdische Volksgesang hinsichtlich seiner tonalen Elemente aus drei Tonleitern, welche die Tonleiter je eines der drei Steiger ausimachen. Auf denselben drei Tonleitern basieren/ fast alle aufgezählten Makamen. So bewegt sich Bajat, Uschak, Nawa, Nahawand, Huseni und Aschiran auf einer Moll-Tonleiter, gleich der Leiter des Miogen-Owaus-Steiger; Hidschas, Ispahan, Saba und Hidschas-Kar auf einer phrygischen mit übermäßiger zweiter Stufe, gleich der Leiter des Ahawo-rabbo- Steiger; Rast, Miahur, Sasgar und Adscham haben eine reine Durleiter; Irak, Siga und Aug bewegen sich auf einer phrygischen Leiter, welche im wesentlichen auch die Leiter des Adonoj-Mbloch-Steigers ausmacht. Betrachten wir zunächst 1. Die Mioll-Makamen und ihre Beziehungen zum jüdischen Volksgesang. Als ersten führen wir den volkstümlichsten, verbreitesten und echtarabischen Makam Bajat an. Seine Tonleiter ist d-e-f-g-a-b-c-d, also eine aeolische Mollleiter. Bajat bedeutet „der Häusliche", die heimische Gesangsweise. (Arabische Volkslieder im Makam Bajat) Volk singt eben seine eigenen Weisen, und es läßt sich leicht erkennen, welche Makamen echtarabisch sind. Popularität, Ton-, Motivgefüge und Charakter der Weisen bezeugen ihren nationalen, semitischen Charakter wie nicht minder ihre Aehnlichkeit mit den jüdischen Volks- und traditionellen Weisen. Man unterscheidet Hauptmakamen oder ..Väter" und Nebenmakamen oder ,,Söhne". Die Väter sind: Rast, Bajat, Saba, Hidschas, Uschak, Siga, Irak, Aug, Huseni, Nawa, Adscham, Nahawand. Die Söhne: Mahur, Rehaw, Ispahan, Buselfk, Aschiran, Sasgar, Hidschas-kar. 3) Es scheint mir, daß die 14 mit „Schir Hamaalaus" bezeichneten Psalmen „Gesänge der Stiege** 120—34 mit den Orient. Makamen im Zusammenhang stehen, indem „Hamaalaus" ein musikalischer Terminus ist. Nr. 5 Nr. 6 Nr. 7

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.