Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni-Juli 1916)
- Article
- Gustav Schneider
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 229 - 230 (sequence 2)
- Language
- German
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229 Der Plan des Panslavismus zur Lösung der Judenfrage. 230 die vollkommene künstlerischeFrei* heit, sie löst in ihm die letzten Fesseln, gestattet ihm eine Großzü* gigkeit und ver* leiht seinen Wer* ken eine so über* zeugende Frische, daß man staunend vor diesen in jeder Beziehung durch* aus abgeschlossen nen Schöpfungen des jungen Künst* lers steht. Inden letzten beiden Lebens* jähren entstehen Blätter, die, mit Licht, Luft und Sonne durch* tränkt, in ein* facher, selbstver* ständlicher Spra* che monumental wirken. Es flim* mert und funkelt in ihnen, alles löst sich in leichter, freudiger Bewegung. Der Künstler arbeitet mit gesteigerter Intensität, als gelte es, schnell die ganze Fülle seiner Empfin* düngen und Ein* drücke zu durch* eilen, und als dränge ihn ein Memento mori, sein künstleri* sches Schwanenlied zu singen. Gar zu bald sollte ihm ja der Griffel entsinken! Als der Weltkrieg ausbrach, eilte er heim, um in dem ihm fremd gewordenen nordischen Klima schnell dahinzusiechen. Am 4. März 1915 löschte ein sanfter Tod dieses junge Leben aus. Ein Mensch, der die Natur so innig mit allen Fasern seines Herzens liebt, der sich so in sie ein* (Nach einer Radierung) Gustav Schneider, Palmen bei Nervi fühlen, so ganz in ihr leben und träumen kann, ein poetisches Empfinden für jede Aeußerung in ihr besitzt, muß auch ein feiner Künstler der Farbe sein Auch in Pas* teil* und Oel* gemälden hat Gustav Schneider sich betätigt und hier vielleicht noch unmittel* barer als in seinem graphischenWerk das Spiegelbild seines Wesens uns hinterlassen. In Farben träumen, in mil* den, sanft tönen* den Akkorden schwelgen, leise wie das Säuseln des fernenHerbst* windes; kein lau* tes Brausen, da die Kontraste hart aneinanderstoßen — so klingt es aus diesen Werken zu uns herüber. Der Frühreife,mit ver* klärten Blicken die Welt um sich betrachtende Künstler, der mit dem Todeskeim stets ringende, das Leben so heiß liebende und so hier sein Letztes innig verstehende Meister sagt und Bestes. Er, dem es nicht vergönnt gewesen, das Dasein in seinen tausendfältigen Erscheinungen zu genießen und kennen zu lernen, hat in stiller Zwiesprache mit der Natur aus ihr den Born seiner Beseligung gesogen und durch sie sich erhoben über die Leiden und Qualen, denen er gar zu früh erliegen mußte. DER PLAN DES PANSLAVISMUS ZUR LOESUNG DER JUDENFRAGE. Von Dr. S. Rohanv. Ueber Wesen und Ziele des Panslavismus herrschen in Deutschland sehr unklare Anschauungen, obgleich der gedankliche Unterbau und die geschichtsphilosophische Begründung dieses politischen Systems der klassischen und nachklassichen deutschen Philosophie entlehnt ist und obwohl seine neueste Phase sich auf die in Deutschland besonders eifrig gepflegten, freilich ebenso eifrig auch bekämpften Rassentheorien stützt. Der Panslavismus ist eine der stärksten Triebfedern der europäischen Politik geworden; er ist es gewesen, der Rußland in diesen Krieg hineingehetzt hat. Sein Prinzip geht dahin, alle Slaven unter der Führung des großrussischen Stammes zu vereinen, mit andern Worten, alle von Slaven bewohnten Länder unter Rußlands Oberhoheit oder in Abhängigkeit von Rußland zu