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Ost und West · 1916-04-01 · Heft 4-5 (April-Mai 1916) · p. Seite 173 - 174

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Journal
Ost und West
Volume
16 (1916)
Issue
Heft 4-5 (April-Mai 1916)
Article
Die Ostjudenfrage II. Teil
Date
1916-04-01
Page
Seite 173 - 174 (sequence 15)
Language
German
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173 Landscbäftsbilder aus dem Osten. 174 als geheimer Vorposten derjenigen auswärtigen Macht, die auf deren Untergang hinarbeitet. Sie bürden sich hüten, Deutsch zu sprechen, deutsche .Bücher zu lesen, deutsche Wissenschaft zu pflegen, deutsche Waren zu beziehen, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen mit Deutschland zu unterhalten, um nicht von ihren Mitbürgern als jenes Element angesehen zu werden, dessen sich •der Erbfeind zu jeder Stunde bedienen kann, um <las Polentum auszurotten. Auch dem Jargon, als -der „mächtigsten Waffe des Deutschtums im Auslande" hätte das letzte Stündlein geschlagen. Die Juden würden gründlich darauf verzichten, sich dieser mächtigen Waffe zur Vernichtung ihrer andersgläubigen Landsleute zu bedienen. Gerade «das Gegenteil von dem wäre also erreicht, was beabsichtigt ist. Daneben würden aber die Polen alle ihre Kräfte -organisieren, um den ihnen im Fleische sitzenden Pfahl hinauszudrängen. Der Boykott, der etwa I1/2 Jahre lang in Warschau und Lodz den jüdischen Händlern das Leben sauer gemacht, würde sich über alle von Polen bewohnten Lande ausbreiten und .gegen alle Klas'sen der Juden richten, er würde zur wichtigsten nationalen Angelegenheit aller Schichten des polnischen Volkes werden, würde nimmer aufhören, und zu einem erbarmungslosen, Tegelrechten; dauernidenAusrottungskrieg anwachsen. Daß die Juden vor diesem Kriege weichen müßten, unterliegt keinem Zweifel. Der Drang nach Westen -würde sich bei ihnen enorm steigern. Während nun das Deutsche Reich gezwungen wäre, in Polen .zum Schutze der Beschützer seiner Interessen eine Armee zu unterhalten, wäre es gleichzeitig genötigt, vor ihnen seine Grenze durch feindselige Gesetze [und harte Verordnungen zu sperren. Kurz zusammenfassend muß man also sagen, daß, insofern ein deutsches Interesse an dem Schicksal der Ostjuden überhaupt vorhanden ist, dies nur darin bestehen kann, daß sie in ihrem Heimatland im tiefsten Frieden und im besten Einverständnis mit ihren christlichen Mitbürgern an der Entwicklung zur Freiheit, Kuhur und Wohlstand arbeiten. Zur Erreichung dieses Zieles könnte man in Deutschland viel beitragen, indem 1. die Erzeugung des Exportartikels Antisemitismus, der im Inland nur einem (durchaus überflüssigen, ganz entbehrlichen) Luxus dient, im Osten aber Massenabsatz findet, ganz eingestellt, oder wengistens auf das mögliche (Mindestmaß eingeschränkt wird; ferner ist dazu dringend nötig, 2. daß die systematische Anschwärzung und Verunglimpfung der Ostjuden durch jüdische Publizisten und Gelehrte in Deutschland endlich aufhöre, da durch beides die Lage der Ostjuden nur verschlimmert wird; 3. daß man endlich unterlasse, die Ostjuden so zu behandeln, als 'besäße man ein verbrieftes Verfügungsrecht über sie, und als hätten sie ihrem Lande und ihren Mitbürgern gegenüber gar keine Verpflichtungen, und ständen unter ihnen da als beschworene Agenten des Auslandes, die fremde Interessen vertreten. Das wäre das Ganze. Alles andere werden die Ostjuden besorgen. LANDSCHAFTSBILDER AUS DEM OSTEN. (EINE KRIEGSMAPPE VON FRITZ LEDERER) Von Dr. K a r 1 Schwarz. Unmenschliches haben sie geleistet, da es galt, <len weit vorgedrungenen Feind über die Gebirgs* kämme der Karpathen zu jagen. Ein Ringen war es mit einem zwiefachen Gegner : denn mehr noch als die Menschenmauem, die von Ost gen West ge* richtet waren, sperrte ein natürlicher Wall von Ber* gen und Schluchten, Felsenriffen, undurchdringlichen Wäldern und Flüssen jedes Vordringen. Gar mancher erlag, ohne von der Kugel des Feindes getroffen zu sein, viele brachen zusammen, da ihre Kraft nicht standhielt. Auch Fritz Lederer, der in den ersten Tagen <ler Mobilmachung bereits zu seinem Egerländer Regiment geeilt war und in den vordersten Reihen fast ein Jahr lang tapfer gekämpft hatte, mußte sich diesem unsichtbaren Gegner beugen und wurde, bis zum äußersten erschöpft, in das Krakauer Festungsspital eingeliefert. Die wechselvollen Bilder des Feldzuges ver* dichteten sich in der Seele des Künstlers, da er untätig dalag, und die Erinnerungen an das Erlebte kehrten in ihm wieder. So entstanden im Lazarett die zehn Radierung gen, die, zu einer Mappe vereint*), das Kriegstage* *) Mit den Egerländern in Russisch?Polen. Verlag Graphisches Kabinett, Berlin. buch Fritz Lederers darstellen. Ein Kriegstagebuch ganz eigener Art ist es, das der Künstler geschaffen. Nichts von Kampf oder Zerstörung, keine Kanonen oder Flinten, keine Truppen — nicht ein einziges Lebewesen begegnet uns in diesen feinen Blättern. Nur der Landschafter spricht; und stände nicht der Titel auf der Mappe, so hätte dieses Kunst* werk ebenso gut als das Ergebnis eines still wan* dernden und einsame Fluren aufsuchenden Künstlers gelten können. Objektiver als hier kann der Krieg nicht dargestellt werden, und doch, eindringlicher hätte der Meister wohl kaum zu uns sprechen können. Und da diese Werke als der seelische Niederschlag eines gereiften Künstlers zu gelten haben, die nicht den momentanen Eindruck eines Augenblickes mit flüchtigen Strichen wiedergeben, sondern als das Produkt künstlerischer Nachempfin* dung entstanden sind, werden sie auch über das Tagesinteresse hinaus ihre Geltung behalten und auch zu Zeiten friedlicher Einkehr als das genossen werden können, was sie in erster Linie sein wollen: Kunstdokumente aus dem großen Völkerringen, Beweise geistiger Kraft trotz aller physischen Inanspruchnahme. Erstaunlich ist es, wie deutlich sich der Künstler die Gegenden eingeprägt hat. Ohne alle Skizzen und Vorstudien sind diese Blätter in dem Kranken*

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