Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 16 (1916)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1916)
- Article
- Paul Ehrlich
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 17 - 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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17 Paul Ehrlich 18 Die Eltern von Paul Ehrlich Wer Ehrlich kannte, hatte ihn lieb, mußte ihn lieb haben. Das gilt nicht nur von denen, die geistige oder wissenschaftliche Beziehungen zu ihm hatten, er unterhielt sich auch gerne mit einfachen Leuten, und bei den Droschkenkutschern in Berlin und Frankfurt war er geradezu populär. Neben dem Droschkenfahren hatte er noch eine Passion: das Rauchen. So anspruchslos er sonst war, keine Zigarre war ihm zu gut, und er betrachtete sie beim Arbeiten als unentbehrlich. Im persönlichen Verkehr war Ehrlich ungewöhnlich liebenswürdig. Er war — wie Weigert — ein glänzender Erzähler, konnte in der gewinnendsten Art Erlebnisse und Anekdoten vortragen. Auch über seine wissenschaftlichenAnsichten und Absichten berich tete er gerne im vertrau ten Kreise und freute sich über — Widerspruch, den er bekämpfte. Seine Menschenkenntnis war nicht immer groß; gar 'Mancher, der ihm alles oder viel verdankte und in hohem Ansehen steht, hat es ihm schlecht gelohnt und ihm bittere Stunden bereitet. Er bezeichnete sich oftmals als „monomanisch". Nur seine Wissenschaft interessierte ihn, daneben trieb er früher etwas Mathematik zur Ab- Jugendbildnis lenkung und las mit nie versagendem Interesse — Detektivgeschichten. In manchen Bänden finden sich von seiner Hand mit Rotstift — chemische Formeln, ein Zeichen, daß er auch beim Ausruhen arbeitete; wie er auch in der Unterhaltung oft eine Arbeitsidee notierte. Ehrlich hatte einen seltenen Blick für das Wesentliche, eine Art Intuition, im eigenen und im fremden Handeln erkannte er stets sofort das, was wichtig und von Bedeutung war: Noch mancherlei ließe sich zum Lobe des Menschen Ehrlich anführen. Das Lob seiner Arbeit liegt in seinen Arbeiten selbst — doch will ich mit den Worten des Tacitus schließen: „PIac.de quiescas et nos ab infirmo desiderio et muliebribus lamentationibus ad contemplationem virtutum tuarum voces. Admiratione te potius quam temporalibus laudibus et si natura suppeditet aemulatione decoremus". (Ruhe sanft, wir aber wollen von der schwächlichen Sehnsucht und den weibischen Klagen weg uns der Betrachtung deiner Vorzüge zuwenden. Durch äußere Bewunderung werden wir Dich, und, soweit die Natur es zuläß t, durch Nacheifer, besser ehren, als durch flüchtiges Lob.) H. von Paul Ehrlich