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Ost und West · 1914-09-01 · Heft 9-12 (September-Dezember 1914) · p. Seite 653 - 654

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 9-12 (September-Dezember 1914)
Article
Von Babel bis Petrograd
Date
1914-09-01
Page
Seite 653 - 654 (sequence 2)
Language
German
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653 A. Benesra: Von Babel bis Petrograd. 654 E. Bendemann Jeremia beim Fall Jerusalems (Aufnahme der Photographischen Gesellschaft, BerlinsCharlottenburg) NationakGalerie, Berlin Salomonischen Tempels durch den Babylonierkönig Nabu-Kudur-Ussur, den unsere Vorfahren Nebukadnezar nannten. Und nicht matt und verblaßt sind diese Erinnerungen, sondern frisch und lebendig, als gälten sie einem Ereignis -von gestern, die handelnden und leidenden Personen sprechen zu uns, als wären sie Menschen unserer Zeit. Die unsagbar rührenden Gestalten der letzten Könige und Prinzen von Judäa wirken auf uns, als wandelten sie in unserer Mitte. Die überragende Persönlichkeit des Propheten Jeremias und sein Schicksal voll tiefster Tragik, wie nah sind sie unserem Herzen und unserem Sinn! Noch erschallen unter uns die Klagelieder dieses Propheten um das verlorene Vaterland und den zerstörten Tempel in derselben Sprache und in denselben Worten, in denen sie seiner großen und starken Seele entströmten. Und die Trostworte, die er den Verbannten in die Fremde nachsandte, sie laben und erheben uns heute noch. Wir sehen ihn Lebendig vor uns, wie er, ein f urchtlgser Mahner und Warner, durch die wimmelnden Straßen Jerusalems schreitet, vor dem Portal des Tempels, mitten im Gewühl der betörten Volksmassen auftritt, vor Schmähungen, Verfolgungen und Qualen nicht zurückschreckend. Sein scharfes Auge sieht das Verhängnis herannahen, aber seine kraftvollen Worte vermögen nicht, es abzuwenden, denn Volk und König sind mit Blindheit geschlagen, sie hören lieber auf die falschen Propheten, die sie in Sicherheit lullen und ihr Gewissen einschläfern. Sündigt nur fröhlich darauf los, es wird euch nichts geschehen!... Aber endlich ist das Unheil hereingebrochen, Jeremias erlebt die schmerzliche Genugtuung, daß alle seine Voraussagungen in Erfüllung gegangen sind. Das Volk geht in die Verbannung. Doch den Propheten will der Sieger verschonen. Jeremias aber legt freiwillig die schweren Ketten um seinen

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