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Ost und West · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · p. Seite 521 - 522

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Article
Bericht aus der Türkei
Date
1914-07-01
Page
Seite 521 - 522 (sequence 1)
Language
German
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521 522 ^^TEILUNGEN^ des Central-Comilesder ffi AllianceMteüniverselle ma rn cny L!^,reau des Central Comites: ParisA5,Rue laBruyere btt-ity Deutsches Bureau. Charlottenburg, Grolman -SirM- BERICHT AUS DER TÜRKEI. Es war vorauszusehen, daß die Lage der Provinz Thrazien nach Beendigung des grausamen, verwüstenden Balkankrieges, dessen blutigste Schlachten sich aut ihrem Gebiet abgespielt hatten, eine überaus traurige sein würde. Längs des ganzen Schienenwegs von Konstantinopel nach Adrianopel bemerkt der Reisende nichts als versengte, verwüstete und zerstampfte Felder. Adrianopel selbst, die Hauptstadt des Gebiets, ist gewissermaßen isoliert als eine Oase inmitten der von Menschen und von der Zivilisation des zwanzigsten Jahrhunderts geschaffenen Wüste stehengeblieben. Auf merirere Kilometer im Umkreis findet man kein Dorf und keinen Bauern mehr, und bald werden die Regen- und Schneefälle des Winters die letzten Spuren dieser reichen, schönen Ebene verwischt haben, die ehemals von volkreichen, blühenden Dörfern besät war, aus deren landwirtschaftlichen Erträgen nicht nur Adrianopel, sondern noch andere bedeutende Städte, wie Kirklisse, Mustapha-Pascha, Demotica und Tschorlu, verproviantiert wurden. Ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung hat sich vor Beginn oder während des Krieges nach Konstantinopel oder nach Anatolien geflüchtet; der andere dezimierte und wirtschaftlich zugrunde gerichtete Teil hat nach dem Kriege Unterkommen und Brot in den größeren Städten gesucht, die von der Kriegsnot und von Epidemien verhältnismäßig verschont geblieben waren und hat hier das Elend und die Leiden der ansässigen Bevölkerung noch vergrößert. Augenblicklich sind die Gemüter von einem beängstigenden Pessimismus bedrückt; man hat die Hoffnung aufgegeben, daß die wenigen Städte der europäischen Türkei, die dem ottomanischen Reiche verblieben sind, sich jemals aus dem Abgrund erheben, in den die jüngsten Ereignisse sie gestürzt haben. Getreide und Tabak, die die Hauptstützen des Handels in diesem Bezirk gewesen waren, werden jetzt hauptsächlich im den Gebieten angebaut, die den Siegern überlassen worden sind, so daß mit der Industrie, die hier nietmals existiert hat, auch Ackerbau und Handel zu quantites negligeables geworden sind. Das östliche Thrazien ist und bleibt vielleicht für immer eine Import-Provinz, wo alle Produkte an Lebensmitteln, Kleidung und Möbeln, die auf dem Schienenwege von Europa oder Konstantinopel hereinkommen, notgedrungen zu sehr hohen Preisen verkauft werden müssen, so daß das Leben in diesem verarmten und mittellosen Lande außerordentlich teuer werden muß. Deshalb sind die Banken, die wenigen großen Handelshäuser und selbst kleinere Kaufleute gezwungen, ihre Geschäfte einzuschränken, ja, einzelne liquidieren schon vollständig und suchen anderwärts ein geeigneteres Feld für ihre geschäftliche Betätigung. Zahlreiche Handwerker, die seit fünfzehn Monaten gefeiert und in diesem Zeitraum vielleicht von einigen Ersparnissen, in der Hauptsache aber von der öffentlichen Wohltätigkeit gelebt haben, sind jetzt des Wartens müde und verlassen Frau und Kinder, um anderwärts das Stückchen Brot zu erwerben, das sie ihnen hier nicht mehr verschaffen können. Diese Zustände erklären zum Teil die große Beweglichkeit in der Schülerzahl der Allianceschule, die im Jahre 1913 zu konstatieren war: beim Schulbeginn hatten wir 177 abgehende und 223 neuangemeldete Schüler. Der größte Teil unseres Lehrpersonals an der Allianceschule besteht aus Anfängern. Aber alle Lehrer und Lehrerinnen sind von so großem jugendlichen Feuereifer erfüllt, daß ihre Unerfahrenheit dadurch zum Teil ausgeglichen wird. Außerdem benutze ich einen großen Teil der Schulstunden dazu, sie zu beraten und anzuleiten und abwechselnd mit einem von ihnen den Kursus durchzunehmen. Da sie im allgemeinen schmiegsamer Natur sind, zeigen sie sich bemüht, die Bemerkungen zu nützen, die ihnen in ihrem eigenen und im Interesse der Schule gemacht werden. Alle vierzehn Tage kommen wir Lehrer nach beendetem Schulunterricht zusammen und besprechen gemeinsam die praktischsten Wege, um für unsere Schuljugend die möglichst besten Resultate aus Unterricht und Erziehung zu gewinnen. In der ersten Sitzung haben wir über die Reinlichkeit der Schüler und über Schulhygiene verhandelt, in einer zweiten über Ordnung und Disziplin; ein anderes Mal besprachen wir den Lesestoff und den Unterricht im Vortrag, wieder ein anderes Mal die Schönschrift und die" Haltung der Schulhefte; vor drei Wochen haben wir uns mit dem Anschauungsunterricht und mit Sprechübungen beschäftigt, und in der vorigen Woche unterhielten wir uns über die schriftlichen häuslichen Aufgaben und über die zu Hause auswendig zu lernenden Lektionen. Auf diese Weise sollen alle Gegenstände des Programms an die Reihe kommen und sollen gleichmäßig in allen Klassen nach der Methode gelehrt werden, die uns nach gewissenhafter Prüfung als die rationellste und für die Schüler nutzbringendste erscheinen wird. Es kommt vor, daß der Direktor vor Beginn der Tagesordnung die Aufmerksamkeit der Lehrer auf gewisse Vorkommnisse lenkt, die sich während

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