Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Article
- Zur jüdischen Emigrationsfrage
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 517 - 518 (sequence 3)
- Language
- German
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517 Zur jüdischen Emigrationsfrage. 518 Rußland, mit größter Genugtuung begrüßt worden. — Das korrekte und loyale Verhalten der Direktoren der deutschen Schiffahrtsgesellschaften, der Herren Freiherr von Plettenberg und Storm, verdient besonders hervorgehoben zu werden; und man hat in den beteiligten jüdischen Kreisen die berechtigte Hoffnung, daß diese Konferenz den jüdischen Auswanderern zum Segen gereichen wird. * * * Leider können wir diesen an sich erfreulichen Bericht nicht schließen, ohne auf eine Tatsache hinzuweisen, die in der gesamten jüdischen Presse große Entrüstung und einmütige Verurteilung hervorgerufen hat. Das in Hamburg erscheinende „Israelitische Familienblatt" veröffentlichte auf Grund einer ihr vom Hamburger Bureau des HilfsVereins der Deutschen Juden zugegangenen Information eine Notiz, in der von den Teilnehmern an der Hamburger Emigrations-Konferenz behauptet wurde, daß sie einfache Auswanderungsagenten wären, d i e gegen Provision arbeiteten, und die mit humanitären Bestrebungen nichts zu tun hätten. Diese Notiz, die kurz vor der Konferenz erschienen war, hatte den offenkundigen Zweck, die Konferenz in der öffentlichen Meinung herabzusetzen und ihre Teilnehmer zu diskreditieren. Nachstehend veröffentlichen wir eine hierauf bezügliche Erklärung, die uns von den Delegierten der russisch-jüdischen Emigrationsgesellschaften zugegangen ist: Sehr geehrte Redaktion! Im Namen der Delegierten der Emigrations-Konferenz, welche am 5. und 6. Juni im Verwaltungsgebäude der Hamburg-Amerika-Linie zwischen der letzteren und dem Norddeutschen Lloyd einerseits und Vertretern jüdischer Emigrations-Gesellschaften aus Rußland andererseits getagt hat, erlauben wir uns um Veröffentlichung folgender Erklärung in der nächsten Ausgabe Ihrer geschätzten Zeitung zu bitten. In der letzten Nummer des „Israelitischen Familienblattes" in Hamburg erschien eine Notiz, in der mit Bezug auf die obenerwähnte Konferenz behauptet wird, daß an derselben keine humanitären Gesellschaften, sondern lediglich Agenturen, die gegen Provision arbeiten, teilnehmen würden. Demgegenüber stellen wir fest, daß an der Konferenz folgende Gesellschaften teilgenommen haben: Der Verein für die Regelung der jüdischen Emigration in St. Petersburg, der Minsker Hilfsverein für jüdische Auswanderer, das Warschauer Informationsbureau für jüdische Auswanderer, die Kiewer und Lodzer Abteilung des Vereins für die Regelung der jüdischen Emigration. Ferner hat die jüdische Emigrationsgesellschaft in Kiew (Ito) und das russische Zentralkomitee der Ito sich mit uns solidarisch erklärt. Die Konferenz erhielt ferner Begrüßungstelegramme von den drei jüdischen Duma-Abgeordneten Dr. Bomasch, Rechtsanwalt Friedmann und Gurewitsch und von einer größeren Anzahl namhafter jüdischer Persönlichkeiten in Rußland. Die gesamte jüdische öffentliche Meinung in Rußland hat unsere Konferenz zum Wohle der jüdischen Auswanderer auf das wärmste begrüßt. Im Namen unserer Gesellschaften und im Namen der Delegierten zu der Hamburger Konferenz, von deren Verlauf im Interesse unserer emigrierenden Brüder wir befriedigt sind, weisen wir die in der erwähnten Notiz des „Israelitischen Familienblattes" enthaltene Verdächtigung mit aller Entschiedenheit und mit dem Ausdruck der Entrüstung gegen die Urheber derselben zurück. Ueber die Resultate der Konferenz wird demnächst ein ausführlicher Bericht erscheinen. Mit größter Hochachtung (gez.:) Rechtsanwalt B. Mandel, Vorsitzender des Vereins für die Regelung der jüdischen Emigration in St. Petersburg. (gez.:) St. Weissblatt, Wirkl. Kaiserl. Russischer Staatsrat, Exzellenz, Vizepräsident. (gez.:) G. Gurewitsch, Königlich Dänischer Konsul u. Ehrensekretär der jüdischen Gemeinde in Kiew. AUS DEN WUN DERGAERTEN DER AGG ADA. DIE SCHÖPFUNG U (Fortsetzung aus In der Nacht, obgleich es Nacht ist, gibt es doch einiges Licht, das kommt vom Monde her und von den Sternen. Wann aber herrscht vollständige Finsternis? Eine Weile vor dem Aufgang des Morgensterns. Der Mond ist untergegangen, die Sterne sind untergegangen, die Planeten wandern ihre Bahnen — da wird es finster, wie sonst niemals. In diesem Moment gedenkt Gott der Welt und ihrer Bewohner und läßt den Morgenstern heraufziehen aus dem Dunkel und erleuchtet die Erde. Der Morgenstern, wenn er aufgehen soll, kommt anfangs leise und schüchtern hervor, Idann strömt sein Licht in Fluten über den Himmels- ND IHR SCHOPFER. Heft 6, Jg. XIV.) rand, es wächst an Stärke, nimmt zu und wird immer schöner. Wenn Sonne und Mond hineingehen, um Gott ihren Gruß zu entbieten, stehen sie da, geblendet von dem Glanz seiner Herrlichkeit, und wie sie hinausgehen wollen, um der AVeit Licht zu spenden, finden sie den Weg nicht. Was tut Gott? Er schnellt Pfeile von ihnen ab, und in diesem Lichte gehen sie hinaus. Das ist es, was das Wort des Propheten besagen will: Sonne und Mond bleiben stille im Himmel; beim Lichte deiner Pfeile wandeln sie, beim blitzenden Glanz deiner Speere." (Fortsetzung Seite 533/534.)