Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · p. Seite 505 - 506

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Article
David Frischmann
Date
1914-07-01
Page
Seite 505 - 506 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2583875-2584047-2584054-2596886--15708-2596933
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

505 David Frisch mann. 506 DAVID FRISCHMANN. Sein Jubiläum haben sie vor kurzem aus irgendinem Anlaß gefeiert. Ich weiß nicht, was das für An Anlaß gewesen ist, und unter dem ganzen lebräischen Lesepublikum, welches dieses Jubiläum nit aufrichtiger Dankbarkeit, fast mit Enthusiasnus beging, dürften wohl nur sehr wenige nach lern Anlaß gefragt haben. Aber die meisten werden ehr erstaunt gewesen sein, David Frischmann auf inmal unter die Jubilare versetzt zu sehen. Einen lubilar kann man sich nicht anders denken, als im geistigen Sinne) mit einer silberschimmernden \ureole um die Stirn, mit Sorgenfältchen im Antitz und einem müden resignierten Lächeln um die Lippen. \ber Frischmann? Er ist der wig Junge und ewig Frische in!er neuzeitlichen hebräischen Literatur und Publizistik. Jenes < jemisch von melancholischer Verträumtheit lund übermütiger : röhlichkeit, von naiv-hinge-;ebener Fabuliersucht und keptisch-räsonnierendern Kritiismus, der den hochbegabten iüngling kennzeichnete, ist ihm loch heute ganz unvermindert u eigen. Nur ist er geistig gereift, durch Lebenserfahrung md intensives Denken seeisch bereichert und vertieft, u schöner männlicher Kraft ■mporgesteigert. Indessen erreift ein dankbarer Leser gern ie Gelegenheit, um öffentch und zusammenfassend das on David Frischmann zu :igen, was er sich im stillen o oft von ihm gesagt hat. Sehr früh, halb noch ein nabe, betrat Frischmann die terarische Arena. Eine gelegene Erziehung, wie sie in afgeklärten und gebildeten idischen Häusern Polens daials (und zum Teil noch eute) üblich war, hatte ihn iit gründlichen Kenntnissen er hebräischen Literatur und es ganzen Komplexes philo- >phischer, historischer und leologischer Wissenselemente ersehen, die ein tieferes Bereifen des Judentums ermögchen. Parallel damit ging eine oenso gediegene „europä- -che" Ausbildung, und das >ewirkte, daß der Knabe on allen jenen Konflikten wischen „Religion und Wissenschaft" verschont blieb, die genossen früh schon das Leben schwer machten und eine gewisse Bitterkeit in die Seele träufelten,;die sie all ihre Tage nicht überwanden. Die Atmosphäre, in der er heranwuchs, war durchtränkt von einer althergebrachten Religiosität ohne Engherzigkeit und Fanatismus. Er hat es nicht nötig gehabt, seine jungen Kräfte in vergeblichen Kämpfen aufzureiben, es wurde ihm erspart, Metamorphosen durchzumachen, die so viel von dem Besten an so manchem von den Besten unter uns verschlungen haben, und in schwächeren Seelen eine erst spät verklingende Dissonanz zurückließen. Daher das Selbstverständliche, Ungezwungene in Frischmanns literarischem Auftreten, das am Anfange so sehr verblüffte. Eine große und reiche natürliche Begabung, gepaart mit einer ungewöhnlichen Empfänglichkeit, ließen ihn von all den dargebotenen und ihm so leicht und kampflos erreichbaren Kulturschätzen sehr viel aufnehmen und kräftiglich verarbeiten. Ein starker Betätigungs- und Mitteilungsdrang, sowie ein kämpf frohes Temperament ließen ihn schon sehr früh zum Schriftsteller reifen. Als er auftrat, gab es in der hebräischen Literatur vieles, was seinen guten Geschmack aufreizen mußte. Den Schöpfungen auch sehr bedeutender und einflußreicher Männer haftete etwas Linkisches, Unausgeglichenes, Provinziales und Kleinstädtisches an. Hohe und reiche Begabungen litten an einer gewissen Enge des Horizontes, einer Einseitigkeit der Weltanschauung, Mangel an geläutertem Geschmack, der die von ihnen selber erzogene und auf neue Bahnen gedrängte Generation verletzen mußte. Frischmann machte sich zum Sprachrohr dieser Forderungen und Bestrebungen der neuen Zeit, gab ihnen aber sein eigenes, individuelles Gepräge. Seine Tätigkeit war also zunächst eine kritische. Seine Waffe war eine blitzblanke, feingeschliffene Sprache, ein guter Geschmack und ein scharfer, bis zum Sarkasmus sich steigernder Witz. Aller Verschrobenheit, jeglichem Schlendrian, jeglicher Abgeschmacktheit so vielen seiner Zeit- David Frischmann und Verstiegenheit sralt sein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.