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Ost und West · 1914-07-01 · Heft 7 (Juli 1914) · p. Seite 501 - 502

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 7 (Juli 1914)
Article
Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien
Date
1914-07-01
Page
Seite 501 - 502 (sequence 7)
Language
German
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Ol Rahel Edelstein-Friedmann: Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien. 502 iienden Lucerner zu nennen. Dieser starb zu Wien :n Jahre 1605. Seine Nachkommen sind ebenfalls verzte, so Jehuda Lob Maor-Katan, der nach Wolf .Hofarzt" gewesen wäre, gest. 1635, und Ahron b. loses Maor-Katan, gest. 1643, der im Jahre 1619 iemeindearzt in Prag gewesen, von dort aber nach Vien zurückgekehrt war und als Hausbesitzer im ntern Wörth ,,Aron Lucerna, Judendoctor" genannt drd. Dessen Frau, Resl, entstammte der weitverweigten Familie des Samuel Phöbus b. Moses Ahron ,emml (Theomim), gest. 161.6, bürgerlich Münk geannt, welche hinwieder mit dem angesehenen Rabinatsverweser R. Abraham Flesch in Wien, mit dem iisgezeichneten berühmten R. Lipmann Jom-tow (eller in Prag, mit der vornehmen Familie Rüss- )ettingen und den von Frau Mirl Koppel abstammenen Familien Heller und Wallerstein, Neumark und Yänkl verwandt und verschwägert waren. Aus Frankreich eingewandert war die Familie i ihalfan, deren Ahnen schon im 15. und 16. Jahrhunderte als berühmte Autoren bekannt sind. Die i'i WTien im 17. Jahrhundert lebenden Glieder dieser Familie waren ebenso wie der in Prag lebende Abbamari < half an angesehene Aerzte, und werden auch noch > oren spätere Nachkommen Jesaja und Heschel J udendoctoren" genannt. Noch wären an bedeutenden Persönlichkeiten dieses Friedhofes der Kabbaiist '!. Jakob, gest. 1617, zu nennen. Ebenso der berühmte Kubbaiist R. Jakob b. Elieser Aschkenasi Temerls ns Worms, gest. 1666, der seine letzten Lebensjahre! i Wien verbrachte und dessen Grabstein sich durch nscheinbarkeit — wohl von ihm selbst so angeordnet - auszeichnet. Aehnlich schlicht ist auch das Grabi uil des gelehrten R. Chajim Raspitz (gest. 1638), 'Omeindesekretär, und Verfasser einer Gebetordnung ir einen infolge der Drangsale des 30jährigen Krieges »n Krakau aus angeordneten Gebet- und Busstag. ' orner ein bedeutender Talmudist und Kabbaiist! . Elieser, gest. 1645, der aus Mähren nach Wien i richtete. Und endlich die ein wenig mystische Per- »nlichkeit des Kabbalisten R. Elchanan b. Zebi, 'st. 1651, der die Anordnung traf, man möge ihm ine Schriften mit in sein Grab legen, damit dieselben seht Missdeutungen ausgesetzt seien. Zufällig ereilte n der Tod in Wien, als er mit Frau und 5 Kindern if dem Wege nach Jerusalem sich hier einige Zeit ifhielt. Noch wären an bedeutenden Familien die Nam Goldschmidt, Plan, Horowitz, Auerbach, Schick, Grabstein des Jakob Koppel Fränkl, dessen Söhne den Friedhof um 4000.— Gulden angekauft haben, 1670 Pisk und andere zu erwähnen, ferner des Salomo Salkind Zigeiner, des Gründers der Prager Grossenhof- und Neusynagoge, „Zigeunerschul". Zum Schlüsse sei noch des Grabmals zweier junger Mädchen gedacht, Schwestern, welche im Jahre 1620 wahrscheinlich der Pest zum Opfer gefallen sind. Es sind dies Jentl und Gela, die Töchter Simeon Auerbachs. Den Stein schmücken zwei schwesterlich aneinandergereihte Jungfernkränzlein und eine Tierfigur, ein Wolf, den Namen des Vaters versinnbildlichend. WTie überhaupt durch einen Raben die Steine der Cohen-Rapa, durch einen Hirsch die der Namensträger Zebi, durch ein Lamm die der Lämel, durch einen Löwen die der Aerzte, durch Oelkrüglein oder Priesterhände die Gräber der Kohanim kenntlich gemacht sind. Aber auch sonst weisen die meisten Steine reichen Schmuck von Barock-Ornamenten, Rosetten, Blättern, Bändern, Säulen, Kränzen und manch phantastischen Zierat auf. DAS JUDENTUM IN DER CÖLNER WERKBUNDAUSSTELLUNG. Von Dr. Kroner, Oberdorf-Bopfingen. Es ist erfreulich, daß in den Ausstellungen der i tzten Zeit auch das Judentum gebührende Berückchtigung findet. Seitdem die Dresdener Hygiene-Ausellung dem Judentume eine so ehrenvolle Stellung ^gewiesen hat, haben die Ausstellungen dieses Jahres, > die Stuttgarter Ausstellung für Gesundheitspflege,*) '•nd ganz besonders die Werkbundausstellung in Cöln r^ als ein officium nobile betrachtete, der jüdischen Kultur ' hie Ausdrucksmöglichkeit zu geben, die die ethische Höhe und Lebenskraft desselben vor aller Augen kundtut. *) Ueber die jüdische Abteilung in dieser Ausstellung werden u'iiim nächsten Heft berichten. (Anm. d. Red.) Der Grundgedanke des Werkbundes ist die Zusammenfassung aller Kunstgewerbler, Industriellen und Kaufleute zur Schaffung einer Stilrichtung, die frei von allen Fesseln der altklassischen und neueren Stile eine eigene selbständige Kraft entwickelt, die, aus dem Wesen der Sache selbst herausgewonnen, Zweckmäßigkeit und Formenschönheit aufs beste zu vereinigen sucht. Dabei klärt sich der neue Zug der Stilrichtung immer mehr als ein Ausdruck des Purismus auf, der nach den vielen grotesken Ausgeburten der älteren und jüngeren Kunst Vereinfachung, Klarheit und ruhige, wohltuende Schönheit, die zum innersten Wesen des Kunstobjektes paßt.

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