Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Article
- Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 491 - 492 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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491 Rahel Edelstein-Friedmann: Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien. 491 Grabstein des Salomo?ben*Simeon Falk, Ahnherr der späteren Hoffaktoren Falk, (gest. 1601) als auch in dem Sittenschwanke ,.Meyers'' und anderen gut beobachteten Schilderungen, welche das jüdische Bestreben der Selbstenteignung geissein, sind es immer noch die Juden, welche trotz innerlicher Hohlheit und Verlogenheit ihren adeligen Gegenstücken an sittlichem Gehalte weit überlegen sind und einen Fond sittlicher Werte als ein Erbteil ihrer Väter fast unbewusst stets zur Hand haben. Die also in den Stammbäumen derer vom ,,Semi-Gotha" einst den „gelben Fleck" getragen und am Freitagabende „Semiroth" gesungen haben, sind nicht nur befähigt gewesen, Geld und Geldeswert zu erwerben, sondern haben auch im ethischen Sinne Schätze angesammelt, welche sie mit jenen ihren Nachkommen hinterlassen haben. Und da nun unser Interesse für jene Väter und ihre vor 2—3 Jahrhunderten lebenden Ahnen durch den ,,Semi-Gotha" wachgerufen worden ist, so werden wir mit Vergnügen nach einem Werke greifen, welches, jüdischerseits publiziert, seit Jahren in Vorbereitung war und fast gleichzeitig mit dem ,,Semi-Gotha" erschienen ist, so dass man von einer Duplizität der Erscheinungen sprechen kann. Es ist das. von der Historischen Kommission der Wiener Kultusgemeinde herausgegebene Monumentalwerk ,,Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien, bearbeitet von Dr. B. Wachstein c,*) welches fast tausend Zeit- und Artgenossen jener im „Semi-Gotha" angeführten Adelsahnen aus den ihnen gewidmeten Grabinschriften wieder aufleben lässt. Wie durch ein Wunder hat sich inmitten eines *) Di3 Inschriften des alten Judmfriedhofes in Wien im Auftrage der Historischen Kommission der Kultusgemeinde bearbeitet von Dr. Bernhard Wachstein. Mit 202 Textabbildungen, 15 Tafeln und einem Friedhofsplan. 1. Teil 1540 (?) — 1670 —. Wien und Leipzig. Wilhelm Braumüller, K. u. K. Hof- und Universitäts-Buchhändler. der schönsten und modernsten Wiener Bezirke eir alter Judenfriedhof fast unversehrt erhalten und. umrahmt von Wohnhäusern, mit seinem Baum bestände und seinem immer wiederkehrenden Grüi eine Art Hausgarten für dieselben gebildet, bis di« israelitische Kultusgemeinde durch den Bau ihre^ Altersversorgungs- und Siechenhauses im Jahre, 18$ den Friedhof in dessen Areale einbezog und somi: seinen weitern Bestand sicherte. Wohl haben Forscher sinn und Wissbegierde sich an den teils gut erhaltenen teils aber auch verwitterten und verstümmelter Inschriften der schlichten oder kunstvoll gearbeiteter! Grabsteine schon im vergangenen Jahrhunderte ver sucht. Gerson WTolf, der jüdische Lokalhistoriker Ludwig August Frankl, der Poet, und andere habei< den historischen Reichtum, den diese Steine bergen, wohl erkannt und ihre mannigfachen, wenn auch nicht immer glücklichen Versuche sichern ihnen das Verdienst, auf diesen Fundort hingewiesen zu haben. Allein erst einem der jüngern Gelehrten unserer Tage/ dem Kustos der Wiener Gemeindebihliothek, Dr. Wachstein, blieb es vorbehalten, die Formel zu finden, welche die Steine sprechen macht, und uns ihren ganz bedeutenden Inhalt, an historischen und kulturellen Fakten, an linguistischen und ethischen Momenten offenbart. Wachstein hatte diese Formel in seiner ganz ungewöhnlichen Beherrschung des Hebräischen als Sprachwissenschaft schon parat, und durch seine in den Sitzungsberichten der K. u. K. Akademie der Wissenschaften herausgegebenen,,Wiener Hebräischen Epitaphien, Wien 1907" seine besondere Eignung für diesen Zweig der Forschung erwiesen Die Feststellungen, wrelche dieser Forscher hinsichtlich Alter, Stand und Rang der in den Epitaphien Verewigten macht, sowie seine kulturhistorischen Fol- Grabstein des Ascher Eschki Meschulmim (dal Banco), zweiter Gatte der Lana (Leonora), (gest. 1650). Seine Söhne begründeten das erste Bankgeschäft.