Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1914)
- Article
- Der Judeneid
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 489 - 490 (sequence 5)
- Language
- German
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489 Rahel Edelstein-Friedmann: Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien. 490 Grabstein des R. Zacharias Mayr, .rbauer und Gründer der Großen Synagoge und Talmudschule, (gest. 1664) (Vordere Platte) )iese Pflicht liegt den Eltern und Lehrern ob bidem XII, 7, 8). Und nun denke man sich, daß dieselben iesetzeslehrer, die all das vorschreiben, am Vorbend des Versöhnungsfestes, in der Zeit der ufs höchste gesteigerten Bußstimmung, die uden alle in die Synagoge versammeln und e vor den weit geöffneten Pforten der heiligen ide, im Angesicht der Thora unter den Klän- L-n eines feierlichen Gesanges dreimal hinternander eine Formel laut verkünden lassen, kraft Grabstein des Kabbalisten Jakob, (gest. 1617) welcher alle Eide, die sie einander geleistet haben und leisten werden, null und nichtig sind, leerer 'Dunst, Spreu, das der Wind verweht, Staub, den man mit Füßen tritt. Das bewirkt nämlich, nach Ansicht der eingangs genannten Forscher, das „Kolnidregebet". Und die Juden fahren trotzdem fort, untereinander Handel zu treiben, einander Eide aufzuerlegen, Vertrauen zu schenken. Vielleicht erklärt uns Herr Prof. Groß dieses Rätsel. DIE INSCHRIFTEN DES ALTEN JUDENFRIEDHOFES IN WIEN. Von Rahel Edelstein-Friedmann. Uns Juden püegt es — im sozialen wie im literischen Leben — immer wieder zu begegnen, dass ne als feindselig beabsichtigte Enimziation sich zu ' ner fruchtbaren Anregung für uns umgestaltet. > geht es diesmal wieder mit dem Interesse, welches irch die animos gemeinten Enthüllungen des ,,Semi- )thaff für die Genealogie der jüdischen Familien weckt wurde. Kann es jüdischerseits auch nicht anders als mit; onugtimng betrachtet werden, dass das, was im .indischen Sinne minderwertig, von der Judenheit ■'gestossen wurde, noch immer gut genug ist, um in {°n Reihen des nicht jüdischen Adels restlos aufzu- yhen, so liegt doch auch in der judenfeindlichen 'endenz des Semi-Genealogen das Zugeständnis einer Regenerierung der mit jüdischem Blute durch Heirat vermischten Adelsgeschlechter. Es kann natürlich nicht unsere Sache sein, für einen der beiden Teile einzutreten, welche durch ihre Amalgamierung an innerem Werte eingebüsst haben. Wenn wir auch unsere Privatmeinung nicht verhehlen wollen, dass selbst die durch die Annahme der Taufe und die Verleugnung ihrer Abstammung einen Charaktermangel bekundenden Juden noch immer einen ethischen Gewinn für ihre Wahlverwandten bedeuten, welche sich eben auch nicht immer aus den untadeligsten ihrer Standesbrüder zu rekrutieren pflegen. Und die zeitgenössischen Bühnenwerke, welche sich mit den aus Kontrasten angestrebten Verbindungen von Juden und Adeligen befassen, bestätigen diese, keineswegs nur von Eigenliebe diktierte Ansicht. In dem Lustspiele ,,Fünf Frankfurter" sowohl