Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Erwiderung des Central-Comités der Alliance auf eine Kritik des Schulwerks
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 385 - 386 (sequence 5)
- Language
- German
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385 Die Schulen der Alliance ''n den Jahren 1911—1913. 386 größter Armut, die Mittel, seinem Trieb zu folgen; die Gemeinde, Privatleute oder die Alliance werden ihm helfen, seine Wünsche zu befriedigen, seiner Berufung zu folgen. Aut diese Weise unterstützt die Alliance an den höheren Schulen der Türkei junge Leute, die sich freien Berufen widmen. So hilft sie gegen hundert russischen, rumänischen und orientalischen Studenten in Frankreich, in Deutschland, in der Schweiz und in Belgien bei der Vollendung ihrer Universitäts- oder technischen Studien. Wir haben geglaubt, das so ungerechte Urteil über die Allianceschulen und die Israeliten des Orients hier summarisch, aber mit der ganzen Rücksicht zu diskutieren, die die Stellung des Herrn Professor Philippson erfordert. Ist es aber nötig, sich in eine nähere Kritik einzulassen, wenn man bedenkt, daß er der Alliance ganz ernsthaft vorgeschlagen hat, in Beirut eine Universität mit wenigstens einer medizinischen, einer juristischen und einer thologischen Fakultät zu begründen? Ist das eine praktische Idee, die Auffassung eines Historikers, der mit Realitäten rechnen sollte? Professor Philippson spricht nur vom Schul - werk. Aber die Tätigkeit der Alliance beschränkt sich doch nicht allein auf die Schulen. Was ließe sich nicht über die Unkenntnis der anderen Dienste sagen, die die Alliance dem Judentum geleistet hat! Davon erzählt Professor Philippson nichts. Wir hoffen, daß unsere Leser imstande sein werden, diese bedauerliche Lücke in dem Urteil des Herrn Professor Philippson auszufüllen. DIE SCHULEN DER ALLIANCE IN DEN JAHREN 1913—1914. (Aus den Jahresberichten der Schulleiter.) (Fortsetzung aus Heft IV, 1914.) Die Anhänglichkeit der Fami'.ien zeigt sich auch bei der Knabenschule in Hasköi. Unsere Schule, so schreibt Direktor Alchalel, steht immer an der Spitze aller Schulen in Hasköi und wird als eine der besten Elementarschulen Konstantinopels anerkannt. In unserem Vorort, in dem sie schon so viel Gutes gewirkt hat und fortgesetzt Gutes übt, ist jedermann ihr in Liebe und Achtung zugetan. Man beweist das nicht in auffälliger Weise und preist ihre Leistungen und Vorzüge nicht in tönenden Worten, denn es erscheint allen Leuten ganz natürlich, daß es so ist, und jedes Lob kommt ihnen überflüssig und ungehörig vor. Das Alliancewerk hat Gegner, die einen Verleumdungsfeldzug gegen unsere Schulen führen; in Hasköi aber ist es ihnen nicht gelungen, das Ansehen unserer Schulen herabzuziehen. Alle Redensarten über die unzureichende Sorgfalt, die wir auf die Ausbildung des jüdischen Nationalgeistes verwenden, können die Wirklichkeit und die Tatsachen nicht widerlegen, die beredt für uns sprechen. Keine einzige Familie in Hasköi hat nicht wenigstens ein Mitglied aufzuweisen, das unsere Schule besucht und durch die dort erworbenen Kenntnisse eine beneidenswerte Stellung erlangt hat. Dagegen sind viele Familien durch die bei uns ausgebildeten Kinder aus dem Elend gerettet und durch die ansehnlichen Stellungen der Kinder in höheren Gesellschaftskreisen heimisch geworden. Die Familien, die mit Kindern gesegnet sind, erwarten von uns dieselben Leistungen auch für ihre Kinder und schenken uns ihr Vertrauen trotz allem, was man gegen unsere Schule vorbringen mag. Alle sind überzeugt, daß es sich nur unserer Schulen wegen lohnt, in Hasköi zu wohnen oder hier wohnen zu bleiben. Man kann wiederholt beobachten, daß Familien ihre Wohnungen nach anderen Stadtteilen verlegen, sobald ihre Kinder unsere Schule absolviert haben, und andere Familien, die gezwungen sind, in einem anderen Stadtteile;zu wohnen, verlassen Hasköi nur der Schulen wegen mit Bedauern. Nicht nur unsere Glaubensgenossen beweisen uns diese Anerkennung, sondern auch dL Griechen, Armenier und Türken in Hasköi. Wir haben ihnen wiederholt dieselben Dienste erwiesen wie den Israeliten, und dafür sind sie uns dankbar. Noch im vorigen Jahr haben wir zwei armen, aber tüchtigen griechischen Schülern gute Stellungen verschafft, und das hat unser Ansehen bei der hiesigen griechischen Gemeinde noch mehr gesteigert. EI Ksar. Die Schulen in El-Ksar sind erst Ende 1911 begründet worden. Die Direktorin der Mädchenschule, Frau Benaroya, zeichnet folgendes pittoreske Bild der Schülerinnen vom Eröffnungstage der Schule: Schon lange vor der bestimmten Zeit brachte ein unbeschreiblicher Lärm das sonst so friedliche Araberviertel in Aufregung: die Eltern führten ihre Kinder im festlicher Kleidung in unsere Schulen. Und was für Festkleider bekamen wir zu sehen! Sammet und Seide waren in mehr oder weniger harmonischem Geschmack am meisten vertreten; die Mütter hatten uns zu Ehren ihren Schmuck abgelegt und die kleinen Mädchen damit ausgeputzt; manches Kind trug eine dicke goldene Kette um den Hals. Gesicht und Ohren verschwanden unter einer Wolke von Reispuder, der den vorher vorhandenen Schmutz nur unvollkommen verhüllte, denn es versteht sich von selbst, daß die Mama es für überflüssig gehalten hatte, das Kind zu waschen. Die stark pomadisierten Haare ließen voraussetzen, daß sie vorher gut durchgekämmt waren, die nähere Untersuchung aber erwies, daß sie wohl nur bei seltenen Gelegenheiten einen Kamht gesehen hatten. Die Mütter zogen sich bald zurück, und so konnten wir unser Werk beginnen. Für die erste Stunde konnte man noch nicht an Unterricht denken und ich habe sie mit einigen Ratschlägen für Sauberkeit ausgefüllt. Ich sagte den kleinen Mädchen, daß es durchaus nicht nötig wäre, in Sammet und Seide in die Schule zu kommen, sondern daß ihnen im Gegenteil die größte Einfachheit zu empfehlen wäre. Außerdem sollten die ihnen