Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1914)
- Article
- Tancreds Pilgerfahrt
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 347 - 348 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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3-17 Benjamin Disraeli: Tancrcds Pilgerfahrt. 348 Max Westfeld Düsseldorf. Profilbildnis. römische Kaiser in eigener Person Sturm gerannt sind, um die Saladin und Richard Löwenherz, die Wüste und die Christenheit. Asien und Europa in ritterlichem Kampfe stritten; eine Stadt, über die zu herrschen einst Mohammeds Wunsch gewesen war und über die der Schöpfer jener assyrischen Könige, der ägyptischen Pharaonen wie der römischen Cäsaren, der Schöpfer der Wüste und der Christenheit, einst in seine göttlich-menschliche Klage ausgebrochen ist! Was benötigt eine solche Stadt Kaskaden und Springbrunnen, grüne Rasen und schattenspendende Bäume, unergründliche Wälder und fischreiche Flüsse, gletschergcschmückte Berge oder prächtig schmetternde Singvögel — all jenen äußeren Prunk und Schmuck und Glanz, der zu den zarten Ruinen eines alten Theaters oder den allmählich verschwindenden Heiligtümern eines untergegangenen Glaubens passen würde! Würde man überhaupt solch äußerliche Dekoration, wenn sie selbst dawäre, beachten, während daneben unser Auge auf den Zions- und den Calvarienberg fällt, wurde und heute in England als der erste Staatsmann der victorianischen Acra gilt. Er ist der schönste der vielen Romane, die Disraeli geschrieben hat und dürfte auch nichtenglische Juden besonders wegen des energischen Eintretens des großen Verfassers für sein eigenes Volk interessieren. Wir bringen im Vorangehenden — mit Erlaubnis des Verlags — eines der Hauptkapitel zum Abdruck. Zur Erläuterung sei hinzugefügt, daß der Held der Erzählung ein Engländer aus vornehmem Geschlecht ist, der, von der Zerfahrenheit und Charakterlosigkeit der europäischen Welt angewidert, eine Pilgerfahrt nach Palästina unternommen hat, um an den heiligen Stätten, wo die Vorsehung schon einmal vernehmlich zu den Menschen gesprochen hat, auch seinerseits um Erleuchtung zu bitten. während daneben die Tore von Bethlehem und Damaskus stehen, während daneben der Hügel des Titus sich erhebt und die Moschee Mohammeds und das Grab Christi unsere Blicke fesselt? Der Anblick Jerusalems ist die Geschichte der Welt; er ist mehr als das, er ist die Geschichte von Himmel und Erde. Tahcred ging auf dem Weg um die Südseite des Öclberges herum weiter und sah nach einigem Wandern ein auf einem sonnigen Hügelabhang gelegenes Dorf vor sich — er sah den alten Jordan sich aus seinem fruchtbaren Tal heraus in das Tote Meer ergießen, dahinter erblickte er durch die Bergschluchten Judäas hindurch zum ersten Male Arabien und in ganz weiter Ferne flimmerten die blauen Berge von Moab. Als er gerade zögernden Schrittes wieder in. die Stadt zurückkehren wollte, erregte ein Garten seine Aufmerksamkeit. Er schien aus einer Hügelschlucht herauszukommen und sehr ausgedehnt im Vergleich mit denen der Umgegend zu sein. Er war ringsherum von einer steinernen Mauer umgeben, über die hier und da die dunkle breite Linie einer Zypresse oder Zeder emporragte; in weiterer Entfernung und im höher gelegenen Teile des Gartens erhob sich ein hoher Palmenbaum, der sein graziöses, schläfriges Haupt leicht herunterhängen und es sich in der Sonne wohl sein ließ. Es war die erste Palme, die Tancred je gesehen hatte, und sein Herz klopfte ein wenig, als er des schönen, heiligen Baumes ansichtig wurde. Max Westfeld Düsseldorf. Bildnis Frau Dr.J.