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Ost und West · 1914-04-01 · Heft 4 (April 1914) · p. Seite 313 - 314

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 4 (April 1914)
Article
Die Schulen der Alliance in den Jahren 1913 - 1914
Date
1914-04-01
Page
Seite 313 - 314 (sequence 3)
Language
German
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313 Die Schulen der Alliance in den Jahren 1911 — 1913. 314 Wenn ihm das nicht möglich ist, so beklagt er seine Armut, aber er sagt nicht mehr: „Meine Tochter braucht nichts zu lernen/' Zu dieser Wandlung der Anschauungen haben die veränderten Lebensbedingungen ebensoviel beigetragen wie der geistige Fortschritt. Die Familienmutter sieht, daß die Tochter der Nachbarin ein elegantes, gebildetes Fräulein geworden ist und deshalb von den jungen Leuten bevorzugt wird, während ihre eigene Tochter plump und unwissend geblieben ist. Deshalb wünscht sie, daß die jüngeren Töchter die Schule besuchen, und quält ihren Mann, daß er die dafür nötigen Mittel hergibt. Der Mann willigt zuerst nur um des lieben Friedens willen ein, macht sich über die Bildung lustig, die seine Tochter sich aneignen wird, ärgert sich über die verursachten Kosten und verspottet ihre Sprache und ihre Manieren. Aber bald muß er doch zugeben, daß seine Tochter immer besser aussieht und daß sie ihm alle Ehre macht. Wenn dann später das junge Mädchen dank den in der Schule erhaltenen Unterweisungen und Kenntnissen dem Elternhaus ein freundlicheres und netteres Aussehen gibt, und wenn sie schließlich selbst zu verdienen anfängt, nicht nur ihre Kleidung selbst bezahlt, sondern auch zu den Kosten des Hausstandes beiträgt und Ersparnisse für ihre Aussteuer macht — dann ändert der Vater seine Ansichten vollständig. Er bedauert nicht mehr, daß er für den Schulbesuch der Tochter hat Opfer bringen müssen und ist ein warmer Anhänger der modernen Mädchenerziehung geworden. Jetzt wird diese Erziehung |in allen Familien als unentbehrlich angesehen, denn für die jungen Mädchen macht sich die Notwendigkeit des Erwerbs dringend geltend, und ohne möglichst ausgebreitete Vorbildung gibt es keine anständige und einträgliche Stellung. Das Leben ist sehr teuer geworden; der Vater verdient nicht viel und kann den wachsenden Ansprüchen der ganzen Familie nicht mehr genügen. Die Söhne helfen ihm dabei nicht viel. Sie haben ihre eigenen persönlichen Ausgaben oder wollen sparen oder für ihren Militärdienst Geld zurücklegen. Wer hilft nun dem schwerbeladenen Vater? Wer bezahlt dem jungen Mädchen die Kleidung, wer wird für ihre Aussteuer und ihre Mitgift sorgen? Das tut alles das junge Mädchen selbst. Ohne ihre Beihilfe würde das Elend der Familie immer größer, dank ihrer Arbeit kann sie die Lücken im Haushalt ausfüllen und noch etwas zurücklegen. Wir können unzählige Familien als Beispiel dafür anführen, wie die Haustöchter zur Rettung beigetragen und sich später dank ihrer Bildung und ihres Fleißes gut verheiratet haben. Infolgedessen erkennen jetzt alle Mütter und alle Familienväter die absolute Notwendigkeit, ihre Töchter in die Schule zu schicken. Das ist die wesentliche Erklärung für den Zulauf von Schülerinnen zu unseren Schulen. Unsere Unterrichtserfolge sind deutlich genug, um diesen Umschwung begreiflich zu machen. Auch in diesem Jahre, wie in den früheren, sind einige Schülerinnen zur Lehrerinnenprüfung für Elementarschulen und zur Abschlußprüfung des Elementarunterrichts zugelassen worden; im Wettbewerb um den Kadoorie-Preis hatten wir guten Erfolg und einigen unserer herangewachsenen Schülerinnen haben wir gute Stellungen verschafft Diese günstigen Resultate heben das Vertrauen der Eltern zu dem Wert unserer Schulen, und sie haben insgesamt den Wunsch, uns ihre Kinder anzuvertrauen. (Fortsetzung folgt.) Lissa i. P. In Lissa hat sich das Lokalkomitee der Alliance neu konstituiert. Zum 1. Vorsitzenden wurde Herr Rabbiner Dr. Gelles, zum 2. Vorsitzenden Herr Rechtsanwalt Dr. Jacobsohn, zum Schriftführer und Schatzmeister Herr Hauptlehrer a-. D. Albert Herbst gewählt. * * * Lissa i. P. Am 13. März beging Herr Hauptlehrer a. D. Albert Herbst die Feier seines 75. Geburtstages. Dem Jubilar, der seit einer langen Reihe von Jahren mit Eifer und Hingebung der Sache der Schluss der Mitteilungen der Alliance gedient hat, wurden vom Deutschen Bureau der A. 1. U. herzliche Glückwünsche übermittelt. * * * Glogau. Am 15. Februar verschied in Glogau der langjährige Vertrauensmann der Alliance, Herr Stadtrat Immanuel Landsberger. Der Heimgegangene hat in fast 15jähriger treuer Mitarbeit die "Interessen unserer Gemeinschaft gefördert. Sein Andenken wird in unserer Mitte unvergessen sein. — In dankbar anzuerkennender Weise hat Herr Rabbiner Dr. Lucas die Fortführung der Allianeegeschäfte übernommen. Alliance Israelite Universelle. IVacli aufgehobener Tafel ^^1^ Salem Gold -<**ss^» -Salem AleflamT-0^! leWerv. £oid fhkaWxnunti3iücR,rurwd) Preis N* 3*4 56 8 lg „ . 3& 45 6 810 Pfg.cLStuck. ® Trustfrei! m Schi mit <Zirmci; OmntaLZatä f^^h!Mh.1(ugv2i^1to$^ ttbiik Venidae, (Dresden g^'M S. Ott. d.fönüpvonSachseJi

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