Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Die Israeliten in Marokko
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 309 - 310 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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309 Die Israeliten in Marokko. 310 essanten Punkt der jüdischen Geschichte, und am Sonntag, den 11. September, begann ich die Rückreise. Zweimal — in der Nähe vom Uarsasat und zwischen Sidi Rahal und Marrakesch — hatte ich das Glück, herumziehenden Räuberbanden zu entwischen, und ich kehrte sehr befriedigt von meiner Reise nach Marrakesch zurück. Dieser Ausflug von fünf Wochen war zwar nicht ohne Entbehrungen und Gefahren gewesen, hatte mir aber Gelegenheit zur Annäherung an Völkerschaften geboten, die bisher unbekannt gewesen und nach vielen Richtungen sehr interessant sind. BERICHT AUS KONSTANTINOPEL. Herr Benveniste, Leiter der Alliance-Schule in Konstantinop el-Galata, berichtet über einen Besuch des Herrn Botschafters Morgenthau: In Begleitung der Herren Großrabbiner Nahum •und Moses Fresko hat der Botschafter der Vereinigten Staaten, Herr Morgenthau, vor einigen Tagen unsere Schule besucht und sich über eine Stunde in den Klassen aufgehalten. Er hat sich nach der Schülerzahl, nach der Stellung der Eltern unserer Schüler, nach den Unterrichtsgegenstände:! und nach den Sprachen erkundigt, die unsere Schüler lernen müssen. Danach hat er den Speisesaal und den dank der Schenkungen der Vereinigung „Amicale" so glänzend ausgestatteten Turnsaal besichtigt. Vor seinem Fortgehen hat der Botschafter uns seine große Befriedigung über alle unsere Einrichtungen ausgesprochen und uns zu unseren Erfolgen gratuliert. Danach hat Herr Morgenthau auch der Mädchenschule von Galata einen Besuch abgestattet und schien von allem, was er dort gesehen, aufrichtig entzückt zu sein. Miß Morgenthau, die Tochter des amerikanischen Botschafters bei der Hohen Pforte, stattete in Begleitung von Frau Nahum, der Gattin des Herrn Oberrabbiners Hajjim Nahum, der Mädchenschule der Alliance in Galata einen Besuch ab. Fräulein Morgenthau erbot sich aus eigenem Antriebe, den Mädchen zweimal in der Woche (unentgeltlich, wie sich von selbst versteht) Unterricht im Englischen zu erteilen. Wenn man bedenkt, wie wichtig die Kenntnis des Englischen für die jungen Mädchen in Konstantinopel ist, namentlich zu ihrer Anstellung in den Bureaus der verschiedenen staatlichen und privaten Verwaltungen, wird man das großmütige Anerbieten des Fräulein Morgenthau voll zu würdigen wissen. Das Anerbieten wurde denn auch mit Begeisterung angenommen. Die künftige Lehrerin wira sich um die weibliche jüdische Jugend Konstantinopels große Verdienste erwerben. Ferner schreibt Frau C h e n i, die Leiterin des Kindergartens in Konstantinop el-Galata: Ich teile Ihnen ergebenst mit, daß unser Kindergarten am 21. Januar den Besuch verschiedener hervorragender Persönlichkeiten der Stadt erhalten hat. Am Vormittag erschien der Botschafter der Vereinigten Staaten, Herr Morgenthau, in Begleitung des Herrn Großrabbiners Nahum. Die Herren wurden mit einem hübschen hebräischen Gesang empfangen, der von den jungen frischen Stimmen unserer 220 Kinder ganz korrekt ausgeführt wurde. Dann führten wir unseren Gästen verschiedene, Marsch- und Turnübungen vor, die sie auf das lebhafteste interessierten. Herr Morgenthau hat mich zu den Ergebnissen meiner Bemühungen herzlich beglückwünscht und mir beim Abschied versprochen, mit seiner Gemahlin wiederzukommen, weil er auch ihr, wie er in liebenswürdiger Weise hinzufügte, das Vergnügen verschaffen wollte, das er selbst genossen hatte. Am Nachmittag desselben Tages besuchten uns die Herren Savfed Bey, Unterrichtsdirektor für das Wilajet Konstantinopel, und Hassib Bey, Generalinspektor des Ministeriums für den öffentlichen Unterricht. Diese Herren kamen nicht als einfache Besucher, sondern in der Absicht, unseren Kindergarten genau kennen zu lernen, um bei der projektierten Begründung von Kindergärten für ganz Konstantinopel die bei uns studierten Einrichtungen zu verwerten. Sie sind über eine Stunde bei uns geblieben und haben sowohl die materiellen Vorkehrungen wie das Lehrprogramm eingehend geprüft, haben allen Uebungen im Sprechen, Singen, Turnen und Handarbeiten und den Spielen beigewohnt, und waren einen Augenblick während des Absingens eines türkischen patriotischen Liedes so tief gerührt, daß ihnen die Tränen in den Augen standen. Darauf zog Savfed Bey eine türkische« Fünfpfundnote aus seiner Brieftasche und überreichte sie mir mit den Worten: „Gestatten Sie mir, Ihnen diesen Beitrag für Ihren Kindergarten zur Verfügung zu stellen." Er hat sofort eine der bei uns. ausgebildeten Kindergärtnerinnen mit einem Monatsgehalt von sechs türkischen Pfund engagiert, damit sie in Prinkipo, der größten der Prinzeninseln, einen Kindergarten organisiere. Dann baten die Herren mich, einige mohammedanische Kindergärtnerinnen (auszubilden, was ich ihnen sehr gern versprach. Beim Abschied überhäuften sie mich mit liebensr würdigen anerkennenden Worten, von denen ich nur folgende wiederholen will: „Wir werden Seine Exzellenz Schukri Bey, den Minister für den öffentlichen Unterricht, zu einem Besuch Ihres Kindergartens veranlassen, und er wird davon ebenso entzückt sein, wie wir es gewesen sind." DIE SCHULEN DER ALLIANCE IN DEN JAHREN 1913—1914. (Aus den Jahresberichten der Schulleiter.) (Fortsetzung aus Heft II, 1914.) Constantinopel. auch an Tiefe. Die ältesten Schulen fügen von Jahr Das Schulwerk der Alliance entwickelt sich nicht zu Jahr ihrem Lehrplan irgendeinen neuen Qegennur in der äußeren Ausdehnung, sondern gewinnt stand zu und gehen so energisch vorwärts, daß sie