Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Jüdische Porträtminiaturisten
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 293 - 294 (sequence 3)
- Language
- German
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293 Ernst Lemberger: Jüdische Porträtminiaturisten. 294 Der in Fürth in Bayern geborene Isaak Wolfsheimer betätigte sich , in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts in München. 1821 erfand er eine Graviermaschine.. Zur selben Zeit arbeitete ein Porzellanmaler Joseph Wolfsheimer in München. Der aas Bamberg stammende Miniaturmaler Moriz Wolfsheimer ließ sich 1830 in München nieder, wo er 1840 starb. David Levy Elkan wurde 1808 in Köln geboren. Er war im Hauptberuf Lithograph und malte Miniaturen im Stile des Mittelalters. 1858 übernahm er die lithographische Anstalt Arnz & Co. in Düsseldorf. Er starb 1866 in Köln. Julius Löwensohn kam am 29. Dezember 1820 in Schwerin zur Welt. Um 1840 zog er nach Berlin, um die Akademie zu besuchen. Er ließ sich dauernd in Berlin nieder und wohnte 1848 in der Klosterstraße 3. Später hatte er sein Atelier in der Leipziger Straße. Er starb hochbetagt Anfang der neunziger Jahre. Er war der letzte Berliner Porträtminiaturist. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Miniaturmalerei von der Photographie in den Hintergrund gedrängt wurde, übten immer weniger Künstler diese zarte und feine Kunst aus. Die einen wurden Photographen, die andern, malten nur mehr in Öl und andre wieder widmeten sich ganz andern Berufen. Damals lebten — oder vegetierten — in Prag, Budapest und Wien einzelne jüdische Künstler, die Öl- und Aquarell- Miniaturen in größeren Formaten malten. Ich nenne als Vertreter dieses Faches zwei Maler, die ziemlich unbekannt blieben: Rappaport und E. Lichtenstern. Ich würde sie wahrscheinlich selbst nicht kennen, wenn sie nicht zufällig Mitglieder meiner Familie in Miniatur gemalt hätten. Von Rappaport — ich glaube, er hieß mit dem Vornamen Salonion — existiert ein hübsches Miniaturbild, das meinen Oheim Adolf von Sonnenthal, den Wiener Hofburgschauspieler, darstellt. Rappaport malte das Porträt nicht nach dem Leben, sondern benutzte als Vorlage eine Lithographie von Eduard Kaiser. Von E. Lichtenstern, der seine Miniaturporträts mit Ölfarben auf Papier zu malen pflegte, besitze ich das Bild meines verstorbenen Vaters Julius Lemberger. AUF DER SUCHE NACH JUDISCHEN VOLKSLIEDERN. Von A. König, Seminarlehrer. Ich denke heute der Stunden, da ich vor reichlich einem Vierteljahrhundert im Kreise froher Freunde die Weisen des Volkes sang, und da ich mich entschloß, weiter zu sammeln und weiter zu arbeiten auf dem Gebiete, das so mancher Forscher vor mir bebaut hatte. Die Schreibblätter häuften sich zu Tausenden; Bücher und Musikalien taten sich zu einer stattlichen Bibliothek zusammen. Sie kamen zu Häuf, deutsche Volkslieder, ausländische aus allen Gegenden der Welt — alles, alles, nur eines iwollte nicht kommen: jüdische Volkslieder. In meiner nächsten Umgegend ist keine ländliche Judengemeinde, in der ich hätte persönliche Beziehungen suchen können. Persönliche Beziehungen sind durchaus notwendig, denn der Volksliedforscher weiß genau, daß der aufs Geradewohl Hinausgehende schwerlich reiche Schätze einheimst; ländliche Gemeinden müssen es aber sein, denn ich weiß, daß in der Großstadt weder Jude noch Christ |noch Muselmann-Volkslieder singen können, denn dort gibt es kein „Volk". In der Stadt gibt es einen von der Maschine zusammengestampften Menschenknäuel mit verrußter Seele. Da bei uns in Bayern größere jüdische Gemeinden sehr selten sind, lag für mich die Annahme nahe, daß es wenigstens bei uns zulande kein jüdisches Volkslied gebe; Volkslied kann nur da sein, wo ein Volk ist. Als ich mich kürzr lieh an den Kantor einer kleinen Stadt mit der Frage um jüdische Volkslieder wandte, war die Antwort: Gibt es bei uns nicht. Und als ich meine Frage bei dem Kantor einer größeren Stadt — ich werde später auf ihn zurückkommen — wiederholte, da klangs ähnlich: Wir haben volkstümliche Weisen, aber Volkslieder in dem von Ihnen gemeinten Sinne kaum. Und doch muß ich annehmen, daß auch bei unseren Juden da und dort etwas steckt, was nach unserer Anschauung „Volkslied" ist. Einer meiner Kollegen, der von Jugend auf eine größere jüdische Landgemeinde kennt, hat als Knabe solche Weisen singen hören, und sobald er sie sich genauer vorsingen lassen wollte, tönte es ihm entgegen: Dürfen wir nicht singen.1) Hier, glaube ich, liegt der Hauptgrund für das Dunkel, das über dem jüdischen Volkslied liegt, sofern es ein solches gibt. Ob nun dieses Volkslied von dem religiösen Ideal des Juden, von seinem Jerusalem handelt, ob es eine Schilderung des intimen Familienlebens ist, immer wird der Jude sich scheuen, „sein" Lied Ohren preiszugeben, die nach seinen Begriffen unrein sind. Mein eigenes persönliches Interesse am jüdischen Volkslied ist ein rein wissenschaftliches; ich wünschte auch diese Seele zu verstehen, soweit das möglich ist. Weder hat mich meine liberale Weltanschauung zum Philosemiten gemacht, noch bin ich als guter Germane Antisemit in des Wortes gewöhnlicher Bedeutung geworden. Ich wünsche auch den Juden J) Das ist seltsam und dürfte wohl auf die Persönlichkeit des Ausfragers oder eben auf lokale Verhältnisse zurückzuführen sein. Das Volk ist freilich allenthalben den Stadtherren", den Angehörigen der Intelligenz, gegenüber, mißtrauisch, auch wenn es Glaubensgenossen sind. Sonst aber sind, namentlich in den osteuropäischen Ländern, wo die Jüdische Bevölkerung ihrer slavischen Umgebung doch viel ferner steht, als es in Deutschland der Fall ist, die jüdischen Melodien, auch die synagogalen, nichtjüdischen Musikern sehr wohl bekannt und haben auf deren. Kompositionen bedeutenden Einfluß gehabt. Im 17. und 18. Jahrhundert waren es gerade Christen, die das Meiste zur Kenntnis der jüdischen Volkssprache und auch des jüdischen Volksliedes in Deutschland beigetragen haben. (Anmerkung der Redaktion.)