Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Jüdische Porträtminiaturisten
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 291 - 292 (sequence 2)
- Language
- German
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291 Ernst Lemberger: Jüdische Porträtminiaturisten. 292 schäft weiter. Die Firma besteht noch heute in Kopenhagen.) Fraenckel ist einer der besten dänischen Miniaturmaler in der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts. Deutschland verlor einen großen Künstler dadurch, daß es ihn in seinen Knabenjahren zwang, das Vaterland zu verlassen. Er war mit Mariane Rosbach vermählt und starb in Kopenhagen am 26. März 1857. Als ich an einem kalten und stürmischen Winternachmittage im Jahre 1910 bei den Nachkommen des Künstlers weilte, wurde mir u. a. auch sein in Öl gemaltes Selbstbildnis gezeigt, das ihn in Halbfigur in natürlicher Größe darstellt. Ich sah ein durchgeistigtes, freundliches Gesicht mit dunklen Haaren und dunklen, sehr ausdrucksvollen Augen. Als sein merkwürdig sinnender Blick auf mir ruhte, dachte ich unwillkürlich an seine bittere, armselige und traurige Jugend, an den Wohlstand, den er in harter Lebensarbeit für seine Nachkommen geschaffen und an sein Vaterland, das zu verlassen er gezwungen war. Und wie wir beide uns so minutenlang tief in die Augen sahen, ich, der süddeutsche Jude, der nach Norddeutschland auswanderte, und dort an der Wand der norddeutsche Jude, der vor einem Jahrhundert nach Skandinavien verschlagen worden war, da war es mir, als umspielte seinen ernsten Mund ein unendlich feines, ganz leises Lächeln. Und mit einem Male verstanden wir einander... . Fraenckels Landsmann, Pinehas Liebmann, kam 1777 in Mecklenburg-Schwerin zur Welt. Auch er ging nach Kopenhagen, um dort die Kunstakademie zu besuchen. Im Jahre 1805 erhielt er auf seine ausdrückliche Bitte hin von der Akademie ein vom 7. Oktober datiertes Attest ausgestellt, worin ihm schwarz auf weiß bescheinigt wurde, daß er das Institut einige Jahre hindurch besucht und die einzelnen Klassen vorschriftsmäßig absolviert habe. (Die Mecklenburger von 1805 hätten ihm das sonst nie und nimmer geglaubt.) 1807 ließ er sich als Porträtmaler in Kopenhagen nieder, gründete einen Lippman Fraenckel: Fräulein Adolphine von Barncr. eigenen Hausstand und heiratete in den ersten Dezembertagen desselben Jahres die aus Bayern stammende Hanna Cohen. Auch Pinehas Liebmann besuchte später Schweden. Er arbeitete von 1822 bis 1824 in Gothenburg und richtete am 14. Februar 1826 ein Gesuch an die Königliche Regierung, worin er sie bat, sich Lippman Fraenckel: dauernd in Kapitänleutnant Frederik Siegfrid Mörk, Gouverneur . , von Neu Guinea. Schweden niederlassen zu dürfen. Der Künstler, dessen Talent nicht so bedeutend war, wie das von Fraenckel, starb am 10. Dezember 1832 auf einer Reise in Hamburg an der Cholera. Axel Jacob Salmson, der Sohn des jüdischen Hofgraveurs J. Salmson, wurde, wie ich in meiner „Bildnis-Miniatur in Skandinavien" berichte, 1807 in Stockholm geboren. (Er hieß, ehe er sich hatte taufen lassen: Sem Jacob.) Salmson besuchte die Kunstakademie und widmete sich im Hauptberuf der Lithographie, soll aber auch gute Porträtminiaturen gemalt haben. Er wurde von schweren Schicksalsschlägen heimgesucht, die hageldicht auf ihn niederprasselten, geriet durch die Schuld andrer in Vermögensverfall, wanderte aus und landete im Mai 1862 in Nordamerika, wo er, blind und an Leib und Seele gebrochen, am 26. Januar 1876 das Zeitliche segnete. Von jüdischen Vorfahren stammten auch die Künstler FI aas und Hertzsprung ab. Johann Meno Haas, der Sohn des Kupferstechers Jonas Haas, wurde am 30. Mai 1752 in Hamburg geboren. Im Alter von einem Jahr kam er mit seinen Eltern nach Kopenhagen, wo er bis 1782 blieb. In diesem Jahre ging er nach Paris, um seine Studien bei Delaunay fortzusetzen. 1786 berief man ihn nach Berlin und 1793 wurde er Mitglied der Akademie. Er starb am 16. Oktober 1833 in Berlin. Haas war im Hauptberuf Kupferstecher, malte aber auch, wie ich in meiner „Bildnis-Miniatur in Deutschland" nachwies, in Miniatur. Carl Friedrich Hertzsprung kam am 11. Mai 1804 in Potsdam zur Welt. Er kam mit seinen Eltern schon in jungen Jahren nach Kopenhagen, besuchte dort die Kunstakademie und bildete sich zum Porträt- und Porzellanmaler aus. Später gab er die Kunst auf, wurde Kammerschreiber im Finanzministerium, dann Zollbeamter in Schleswig mit dem Titel Kammerassessor, und schließlich Zollverwalter in Eckernförde. Er starb als Kammerrat am 8. September 1867 in Kopenhagen. Der Familie Wolfsheimer gehörten drei Miniaturmaler an, die in Süddeutschland wirkten.