Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 4 (April 1914)
- Article
- Aus dem geistigen Leben der jemenischen Juden
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 279 - 280 (sequence 1)
- Language
- German
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279 A. Z. Idelsohn: Aus dem geistigen Leben der jemenischen Juden. 280 AUS DEM GEISTIGEN LEBEN DER JEMENISCHEN JUDEN. Von A. Z. Idelsohn, Poesie und Sitten. II. 3. Hiddujot. Die Jemeniten erklären diesen Namen erklären sie für hebräisch und behaupten, daß derselbe in keiner Beziehung zur arabischen Liedergattung „Hida" (d. h. Kameeltreiber, der singt, um Reiter und Tiere gleichzeitig zu ermuntern) stehe. Die Bedeutung von Hiddujot Heinebüste im Montmartre von Paris von Hasselries. (Von Heines Nicht;, Frau HirschsHein^Emden, freundlichst zur Verfügung gestellt.) vielmehr mit „Freudengesänge" vom hebräischen „IiCid". Diese Poesien beginnen entweder mit „Asira leahub" oder mit „Ahub mehär hamnao'r*. Von den zehn allgemein bekannten Stücken beginnen sechs mit der ersten und vier mit der zweiten Formel. Die ersteren haben die bei vielen alten jüdischen Volksliedern übliche alphabetische Ordnung1), wonach nämlich ein und derselbe Satz immer von neuem wiederholt wird, jedesmal aber mit einem anderen Worte in alphabetischer Reihenfolge beginnend. Diese Stücke sind ebenfalls alten Datums. Die andere Gattung, mit „Ahub" beginnend, besteht aus kurzen, gereimten Stücken. Die Hiddujot werden unmittelbar nach der Trauung gesungen. Ein aramäisches Stück dieser Gattung ist für den Osterabend bestimmt.2) 4. Nesid. Die drei erörterten poetischen Gattungen sind eigentlich nur als Vorbereitung zur Hochzeitsfeier, als Einleitung zum Festgesang zu betrachten. Ihre Anzahl ist daher gering; denn man legte kein großes Gewicht auf diese Poesien, die ja nur beim Ankleiden des Bräutigams oder bei dessen Begleitung in das oft ganz nahe gelegene Haus der Braut gesungen zu werden pflegen. Um so mehr sind diejenigen Gattungen, welche das Repertoire des Hochzeitsgesanges ausfüllen sollen, reich an Zahl der Lieder und Melodien. Das Hochzeitsmahl wird durch den Gesang von Nesid-Liedern eingeleitet. Diese Poesiegattung hat fast durchwegs die Kasidenform, d. h. zweizeilige Strophen | mit teils durchgehendem Endreim, teils Kreuzreim (d. h. die erste Zeile aller Strophen hat einen eigenen, durchgehenden Reim), teils einem Binnenreim, indem die beiden Zeilen in je zwei Glieder geteilt sind, von denen drei Glieder einen eigenen Reim haben, das vierte Glied dagegen den durchgehenden Endreim führt. Die Zahl der Nesid-Gedichte ist, soweit sie mir bekannt sind, auf zweihundert zu schätzen, von denen nur wenige Vierzeiler und Fünfzeiler sind. Ueber diese Ausnahmen konnten mir die jemenischen Sänger selbst keinen Aufschluß geben. Manche meinten, sie seien irrtümlich in die Nesid-Poesien, die immer Zweizeiler sein müssen, aufgenommen worden, was aber nicht stimmt; denn zwei Gedichte — ein Vierzeiler und ein Fünfzeiler — sind in allen handschriftlichen Liedersammlungen als Nesid zu finden. Bereits in den Psalmen vorkommend, vgl. Psalm ix, xxv, xxxiv, xxxvir, cxn, cxix, cxlv. -) Bei Schluß einer jeden Strophe sämtlicher Poesien ist das Wort „Fizmön" angeführt. Dieser Terminus dient nicht nur als Strophenteiler, sondern vorzüglich als Wiederholungszeichen, da jede Strophe zweimal gesungen werden muß.