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Ost und West · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 229 - 230

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
Die Israeliten in Rumänien
Date
1914-03-01
Page
Seite 229 - 230 (sequence 1)
Language
German
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229 230 {f^^ilwMii tt*An%ä'rW/) MITTEILUNGEN des Central-Comitesder Ü AllianceJsra6liteUniverselle rua ht o^zny %^f~ btfnt^ i ^Jreau des p~ntnl Pnrnit1 ~ - Pn r ^5.RuelaBruyere^deutsches Bureau: Charlottenburg, Grotman-StrAS- DIE ISRAELITEN IN RUMÄNIEN. Die während der äußeren politischen Vorgänge etwas ruhig gewordene liberale und nationalistische Opposition hat in den letzten Monaten ihre Agitation wieder aufgenommen. Sie hat die Schwäche der am Ruder befindlichen Regierung und die zwischen den einzelnen Gliedern des konservativ-demokratischen Ministeriums herrschenden Unstimmigkeiten dazu benutzt, um das seinen Rücktritt erwartende Ministerium von der Ausführung der Reformen zurückzuhalten, deren Verwirklichung man von ihm erhofft hatte, ehe es seine Macht an die liberale Partei abgab. Zu diesen Reformen gehörte die wenigstens teilweise Lösung der Judenfrage. Das Hauptorgan der antijüdischen Bewegung ist die „Liga Culturala", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich mit allen Mitteln jeder Aenderung in der Lage der Israeliten zu widersetzen. Sie hat vor allem ihre ganze Kraft gegen die der Regierung zugeschriebene Absicht eingesetzt, die Naturalisation der mobilisierten Israeliten vorzuschlagen. Zu diesem Zweck begann sie mit einer heftigen Preßkampagne und veranstaltete danach in den meisten Städten öffentliche Versammlungen. Eine Menge Leute aus dem Volke und viele Bauern wurden in solche Versammlungen geführt, wo man ihre etwas schwerfällige Einbildungskraft mit der „jüdischen Gefahr'' schrecken wollte. Die in diesen Meetings auftretenden Redner, darunter die Professoren Cusa, Jorga und Arion, bewarfen die Juden mit den schlimmsten tendenziösen Beschuldigungen, nannten sie eine minderwertige, unanschmiegsame und für das Land gefährliche Rasse. Eine so grobe und gewaltsame Sprache hatte man schon seit langer Zeit nicht mehr gehört. In ihren Ansprachen und In Ihren Zeitungen bedrohten die rumänischen Antisemiten die Juden mit Pogromen, im Vergleich mit denen die Pogrome gegen ihre russischen Glaubensgenossen nur ein Kinderspiel gewesen sein sollten; sie erinnerten sie daran, daß das rumänische Volk bei Gelegenheit ebenso grausam sein könnte wie sein slawischer Nachbar, und brachten die Ereignisse vom Jahre 1866, die Ertränkungen von Galatz, die Plünderung der Bukarester Synagoge, in Erinnerung. Die rumänischen Israeliten haben sich nicht einschüchtern lassen und der „Verband der eingeborenen Israeliten", die Organisation, die zu dem Zweck gebildet wurde, der Wortführer der Israeliten zu sein, und die bereits seit mehreren Jahren ihre Sache vertritt, ohne sich durch Hindernisse beirren zu lassen, hat auf alle Pamphlete geantwortet und die Manifeste der „Liga Culturala" kräftig erwidert. Der „Verband" hat in aller Form erklärt, daß er die Waffen nicht strecken würde, vas auch kommen möge, und daß er fortgesetzt für die Rechte der Juden kämpfen und sie verteidigen würde. Am 3./16. und am 4.^17. November hat in Bukarest ein Kongreß von feingeborenen Israeliten stattgefunden. Er hat die Haltung des „Verbandes" gebilligt, hat seiner Tätigkeit jede Unterstützung zugesagt und dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß alle im Lande geborenen Israeliten en bloc naturalisiert werden möchten. Der Kongreß hat außerdem die Herausgabe eines Memorandums beschlossen, das die Beschwerden und Forderungen der rumänischen Juden enthält. Dieses Memorandum soll dem König und dem Parlament überreicht und im Lande verbreitet werden, um die öffentliche 'Meinung aufzuklären. Das Dokument lautet: „Schon seit über fünfzig Jahren wendet die eingeborene jüdische Bevölkerung sich unaufhörlich an die Behörden des Staates, um von ihnen im Namen des Rechts und im Namen des Staatsinteresses das Aufhören des Ausnahmezustands zu erbitten, der für sie die verderblichsten Folgen gehabt hat. Leider hat die Staatsregierung kein Ohr für diese Beschwerden gehabt, die das Echo der verschiedensten moralischen und materiellen schweren Leiden bildeten, die diese Bevölkerung auszuhalten hatte. Aufs neue kommen wir und bitten unser Vaterland um Gerechtigkeit. Dieses Mal haben, wir die Hoffnung, Gehör zu finden, denn wir glauben, daß unter den jeweiligen Verhältnissen die Ueberzeugung sich Bahn gebrochen hat, daß das höchste Interesse des Landes davon abhängt, die Juden nicht weiter in der bisherigen Weise zu behandeln. Das Land ist in eine neue Phase seiner Geschichte eingetreten; von allen Seiten werden Veränderungen und gründliche Reformen verlangt. Die großen Probleme, von denen die Zukunft des rumänischen Volkes abhängt, sollen gelöst und den schöpferischen Kräften soll zu diesem Zweck freie Bahn gewährt werden. Eines dieser Probleme ist die Judenfrage, und wenn die übrigen auf der Tagesordnung stehenden großen Fragen in Angriff genommen werden, so wird auch diese, die eingeborene jüdische Bevölkerung angehende Frage nicht ungelöst bleiben. Die Politik der Absonderung. Die gegen uns befolgte Politik hat zu lange gedauert und ihre Folgen sind für uns und für das Land verhängnisvoll gewesen. Nach unserer Ueberzeugung wird sehr bald jeder einzelne einsehen, daß die Ausweisungen der Juden aus den Dörfern dem Lande unberechenbare Verluste verursacht haben, indem die eingeborenen jüdischen Familien zu Tausenden zur Auswanderung gezwungen wurden oder sich in einigen Weinen,'im Norden

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