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Ost und West · 1914-03-01 · Heft 3 (März 1914) · p. Seite 195 - 196

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 3 (März 1914)
Article
Jüdische Porträtminiaturisten
Date
1914-03-01
Page
Seite 195 - 196 (sequence 1)
Language
German
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195 Ernst Lemberger: Jüdische Porträtminiaturisten. 196 JÜDISCHE PORTRÄTMINIATURISTEN. (Ein Beitrag zur Geschichte der Kunst bei den Juden.) — Von Ernst Lemberger (Charlottenburg). Die Miniaturmalerei war in ihren Anfängen eine ausgesprochen christliche Kunst. Die ersten Miniatoren waren Klostermönche, die Gebetbücher illuminierten und mit Heiligendarstellungen schmückten. Buchminiatoren, die ihre Figuren porträtmäßig zu behandeln versuchten, begegnen wir allerdings bereits im neunten Jahrhundert. Die Künstler dieser Zeit aber waren mehr Maler- Kalligraphen als Bildnismaler. Sie ordneten die Bildnisdarstellung stets dem dekorativen Ornament unter. Im XV. Jahrhundert begegnen wir verschiedenen Miniaturisten, die das Miniaturporträt um des Porträts selbst willen pflegten. Von jüdischen Miniaturmalern des XV. und XVI. Jahrhunderts ist uns jedoch nichts bekannt. Erst im XVII. Jahrhundert finden wir in England zwei jüdische Künstler, die die Miniaturmalerei ausübten. Es sind die Brüder Abraham Alexander und Samuel Cooper. Daß die beiden Cooper Juden waren, ist urkundlich festgestellt. Abraham Alexander Cooper stand Ende der vierziger Jahre des XVII. Jahrhunderts in den Diensten der Königin Christine von Schweden. In den deutsch geschriebenen Rechnungsakten, die noch heute erhalten sind, wird er fast immer nur der ,,J ude Cuper" genannt. Abraham Alexander Cooper wurde 1605 geboren. Er war, wie Samuel, Schüler seines Oheims John Hoskins. x^braham Alexander verließ in jungen Jahren England; er hielt sich in verschiedenen Städten auf, doch sind uns genauere Daten über seine Tätigkeit zwischen 1622 und 1632 nicht bekannt. Wie man aus einer datierten Arbeit einwandfrei feststellen kann, weilte der Künstler zwischen 1632 und 1633 wieder in London. Diese interessante Arbeit, die sich heute im Kaiser- Friedrich-Museum in Berlin befindet, bewahrte früher die Kunstkammer. Kugler beschreibt das Werk: ,,Sodann sind verschiedene kleine gemalte Porträtbilder, zum Teil mit Wasserfarben in Miniatur gemalt, zum Teil Oelbildchen kleinerer Dimensionen anzuführen. Unter diesen ist namentlich eine Reihe kleiner, in Miniatur gemalter Medaillons, in bezug auf die ungemein anmutige, ebenso geistreich lebensvolle wie zierlich ausgeführte Arbeit, die sich in ihnen kundgibt, als merkwürdig hervorzuheben. Sie stellen den Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz (seit 1G19 König von Böhmen, — der in der Schlacht am Weißen Berge bei Prag Kurwürde und Krone verloren hatte und 1G32 starb), seine Gemahlin (eine Tochter König Jakobs I. von England) und ihre Kinder dar, — ursprüglich zwölf Stücke, von denen gegenwärtig indess zwei Bilder fehlen. Die emaillierten Fassungen der Medaillons hängen zusammen, so daß sie, zusammengelegt, eine kleine Rolle bilden; auf der Rückseite eines jeden ist Samuel Cooper: Viscountess Fauconberg. (Tochter von Oliver Cromwell.) Name und Alter der dargestellten Personen sowie die Zeit der Anfertigung, 1632 und 1633, angegeben, in diesen Jahren aber hielt die Familie sich in London auf; wir haben demnach diese schönen kleinen Malereien wiederum als Erzeugnisse des lebhaften Kunstbetriebes, den König Carl I. von England in seinen Umgebungen zu erwecken wußte, zu betrachten. Auf einigen von ihnen hat sich auch der Verfertiger mit den Buchstaben A. C. bezeichnet, was ohne Zweifel auf den Namen eines der berühmtesten Miniaturmaler, der zu jener Zeit in England lebte, des Alexander Cooper, zu deuten ist. Leider haben sich nicht alle Stücke gleichmäßig gut gehalten." Nach Stockholm kam Abraham Alexander Cooper um 1646. Er verdankte seine Berufung zweifellos dem Grafen Magnus Gabriel De la Gardie, dem künstlerischen Beirat der Königin. In meinem Werk ,,Dic Bildnis-Miniatur in Skandinavien" heißt es: „Am 5. Juli 1647 ernannte ihn Christine zum Hofmaler, ein Amt, das ihm neben seinen sonstigen Einkünften, die er durch seine künstlerische Arbeit erzielte, ein festes Jahrgeld von 200 Talern sicherte oder vielmehr: sichern sollte. Denn wie Signac und andern Leidensgenossen blieb auch ihm der Hof das Geld meist schuldig. Nach der Abdankung der Königin, für die er, wie aus den Rechnungsakten hervorgeht, eine große Anzahl Porträts angefertigt hatte, trat er in die Dienste Karls X. Anfang 1656 verließ Cooper Schweden. Er ging nach Dänemark und trat in die Dienste Friedrichs III. Seine Tätigkeit am dänischen Hofe währte aber kaum ein Jahr. Denn bereits Ende 1656 kehrte der Künstler wieder nach Stockholm zurück." Abraham Alexander Cooper starb in Stockholm in den ersten Monaten des Jahres 1660. Samuel Cooper wurde 1609 geboren. Er war somit um vier Jahre jünger als Abraham Alexander. Ueber ihn wissen wir eigentlich noch weniger Authentisches als über seinen Bruder. Die Angaben Grahams über des Meisters Jugendzeit sind legendär. Es klingt anekdotisch, wenn Graham erzählt, er habe seinen Oheim und Lehrer bald übertroffen und sei durch dessen wilde Eifersucht und Rivalität ins Ausland getrieben worden. Nicht unwahrscheinlich klingt hingegen die Nachricht, Samuel habe sich längere Zeit hindurch in Frankreich und Holland aufgelialten. Durch nichts erwiesen aber erscheint wieder Grahams Behauptung, Samuel Cooper habe für den Hof Ludwigs XIV. gearbeitet, und ebenso haltlos ist die Mitteilung, der Sonnenkönig habe seiner Witwe ein Jahrgeld ausgesetzt. Samuel Coopers Zeitgenosse, Samuel Pepys, erwähnt ihn öfters in seinem Tagebuche. So vermerkt er dort am 10. Juli 1668, daß der Künstler ein tüchtiger Musiker sei und die Flöte

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