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Ost und West · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 147 - 148

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Die Schulen der Alliance in den Jahren 1911 - 1913
Date
1914-02-01
Page
Seite 147 - 148 (sequence 2)
Language
German
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147 Die Schulen der Aliiance in den Jahren 1911 — 1913. 14S Die Aenderung in der politischen Regierungsform der Türkei hat die Oleichgültigkeit der Jugend in Gemeindeangelegenheiten etwas aufgerüttelt. Die Begründung der „Taaoun"-Schule ist der Anregung einiger unserer ehemaligen Schüler zu verdanken. Sie verwalten sie selbst und haben von der Gemeinde einen Zuschuß dafür erlangt. Eine andere Gruppe junger Leute arbeitet seit einigen Monaten an der Begründung einer Handwerkerschule; sie wird durch ganz geringe Einzelbeiträge erhalten, die von ungefähr tausend Mitgliedern gezahlt werden. Das sind glückliche Anzeichen für die Wiedererstehung des Solidaritätsgefühls und der Tatkraft, die die große Masse aus ihrem Traumleben erwecken und sie mit Lehranstalten, Wohlfahrtseinrichtungen und Hilfswerken versehen wird, an denen es bisher gefehlt hat. Dann werden auch, mit unserer Beihilfe, der große Midrasch und die „Stads" verbessert werden können. Diese Stads sind eine wirkliche Plage für Bagdad; wenn sie auch das Verdienst haben, anderthalbtausend Kindern ein paar Bruchstücke im Hebräisch-Lesen beizubringen, so wirken sie anderseits verderblich durch die entsetzlich unhygienischen Zustände ihrer Räume. Manche sind richtige Ställe und, noch schlimmer, unbeschreibliche Höhlen ohne Luft und Licht, wo die armen Kinder auf der bloßen Erde sitzen und täglich zehn Stunden lang die verdorbene Luft einatmen, die von Krankheitskeimen durchseucht ist. Hier holen sie sich die verschiedenen Krankheiten, besonders Tuberkulose, an denen sie später zugrunde gehen. Der Kindergarten Menachem hat diesen Stads nur ein geringes Kontingent entzogen, aber er hat ihnen doch insofern geschadet, als er der Bevölkerung gezeigt hat, mit welcher vernünftigen Sorgfalt die Kinder gepflegt werden müssen. Diese Sorgfalt wird in so hohem Grade gewürdigt, daß zahlreiche wohlhabende Eltern, denen das Unterrichtsprogramm am Kindergarten Menachem nicht zusagt, die Begründung eines französischen Kindergartens im Anschluß an die Mädchenschule erbitten. Frau Albala will zuerst den Anbau der sechs neuen Klassen fertiggestellt haben, um danach dem berechtigten Wunsch der Familien Folge zu leisten. Hauptsächlich müssen wir uns aber mit dem großen Midrasch beschäftigen, um mit einem Schlag dreitausend Kinder einer unheilvollen Erziehung zu entführen, die die elementarsten Grundsätze der Hygiene und die wesentlichsten Regeln der Pädagogik verletzt, die das Kind verrohen läßt, die normale körperliche Entwicklung stört und seinen Geist mit unvernünftigen Vorurteilen und grobem Aberglauben verstopft. Die Reformierung des großen Midrasch soll zum sittlichen und geistigen Heil der Volksmasse werden, sie wird ein kräftiger Anstoß der Gemeinde auf dem Wege des Fortschritts sein, den Ihr Schulwerk gebahnt hat. Die Umgestaltung unserer großen Schule zu einem Gymnasium, die deutliche Hebung' des Unterrichtsniveaus entspricht allen Wünschen des Großhandels in Bagdad. Unsere Handelsschule arbeitet ganz nach Wunsch. Sieben junge Leute haben in diesem Jahre ihre Studien vollendet und werden ein diesbezügliches Diplom von der Direktion des öffentlichen "Unterrichts erhalten. In der kaufmännischen Abteilung des Kurses haben unsere Schüler sich vortrefflich bewährt, ich darf aber nicht behaupten, daß sie im französischen Sprachunterricht ebenso gut abgeschnitten haben. Der Hauptgrund liegt wohl an der Vielfältigkeit der Sprachen, die unsere Schüler notgedrungen lernen müssen: Hebräisch, Türkisch, Arabisch, Englisch, Französisch. Das Deutsche macht jetzt das "halbe Dutzend voll, denn mit dem Beginn des Eisenbahnbaus ist auch der deutsche Einfluß in Mesopotamien fühlbar geworden. Man wird zugeben müssen, daß es unmöglich ist, 14- bis 15jährigen Kindern gleichzeitig sechs Sprachen beizubringen. Wir haben deshalb die Absicht, unseren Schülern künftig in bezug auf Sprachen die Wahl zwischen zwei Lehrzweigen zu lassen, wobei das Französische immer als Grundlage der europäischen Sprachen bestehen bleibt: 1. Englisch und Arabisch für die Schüler, die Kaufleute werden wollen; 2. Deutsch und Türkisch für solche, die die Beamtenlaufbahn einschlagen oder Stellungen bei der Eisenbahn annehmen wollen. Diese Neueinrichtung soll mit Beginn des nächsten Schuljahres in Kraft treten. * Aus dem Bericht von Frau Albala über die von ihr geleiteten Mädchenschulen genügt folgender Auszug, der deutlich den Einfluß der Mädchenschulen auf die Entwicklung der Sitten kennzeichnet, soweit diese die Emanzipation der Frau betreffen : Einige von unseren inzwischen verheirateten früheren Schülerinnen sind jetzt mit der europäischen Gesellschaft in Verkehr getreten und sehi liebenswürdig aufgenommen worden; sie haben dort einen guten Eindruck gemacht. Von Zeit zu Zeit besuche ich diese jungen Frauen und kann mit Vergnügen beobachten, wie verständig sie sich den Gebräuchen anpassen, die ihnen vorher vollständig fremd gewesen sind. Sie haben den Weg geebnet, und ich wünschte, daß ihr Beispiel Nachahmung finde. Das hängt aber von den Ehemännern und vor allem von den Schwiegereltern ab. Wenn unsere Schülerinnen heiraten, wohnen sie bei den Eltern des Gatten, die meist noch den alten Gebräuchen, Sitten und Gewohnheiten anhängen. In dieses, allen Neuerungen feindliche Milieu kann die junge Frau nur ganz schüchtern einige Reformen und Verbesserungen auf dem Gebiete der Reinlichkeit und der Hygiene einführen. So lange sie unter der Aufsicht der Schwiegereltern ist, könnte sie in keiner Weise, auch nicht mit der Einwilligung ihres Mannes, aus dem von Jahr zu Jahr mehr fühlbaren Fortschritt Nutzen ziehen, zu dem ihre modernere Erziehung sie berechtigt. " Deshalb verlangen auch unsere intelligenteren und energischeren ehemaligen Schülerinnen bald nach der Hochzeit von ihren Männern eine eigene und von der der Schwiegereltern getrennte Wohnung. Die unter solchen Verhältnissen beginnenden jungen Eheleute sind viel freier in ihren Bewegungen und werden am gesellschaftlichen Leben der Stadt Anteil nehmen können. Nach Beendigung des Eisenbahnbaues wird der Zufluß von Europäern nach Bagdad sich weiter vergrößern, und da darunter sicher auch jüdische Familien sich einfinden werden, wird die hiesige jüdische Gemeinde bald eine ihrer Bedeutung würdige Stellung in der Gesellschaft einnehmen. Beirut. Direktor V. Semach bespricht in seinem Bericht die Ursachen, aus denen es bisher nicht möglich gewesen ist, in Beirut einen Verein ehemaliger

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