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Ost und West · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 145 - 146

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Fortbildungsschulwerk für die schulentlassene Jugend
Date
1914-02-01
Page
Seite 145 - 146 (sequence 3)
Language
German
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145 Fortbildungssclnilwerk für die schulentlassene Jugend. 146 Körperliche Uebungen. Noch ein anderes Werk liegt uns sehr am. Herzen, die Organisation von Bewegungssport für die Jugend. Besonders in den orientalischen und afrikanischen Ländern wären regelmäßige methodische Körperübungen sehr notwendig, um die Wirkungen des ermattenden Klimas und schlechtgewählter Nahrung zu mildern und ein Gegengewicht gegen die ungesunden Wohnungen und die sitzende Lebensweise zu bilden. Wie aber soll eine Organisation dieser Art in Gegenden ins Leben gerufen werden, wo Sportsübungen und selbst die einfachsten Körperübungen vollständig ungewohnt sind und oft selbst für gefährlich gehalten werden? Es ist nicht möglich, den Direktoren einen festen Plan dafür vorzuzeichnen; sie müssen selbst probieren, ob etwas geschehen kann" und wie :es zu machen ist. Wir dürfen nicht vergessen, .;daß wir uns in mohamedanisehen Landen befinden, wo der Volkssinn zum Mißtrauen und zur Erregung neigt und müssen deshalb jede öffentliche Schaustellung und jedes geräuschvolle Vorgehen vermeiden, weil dies mißverstanden und als Herausforderung angesehen werden könnte. _____Das Zentralkomitee wird allen Anregungen, die als Antwort auf unsere Darlegung eintreffen werden, großes Interesse entgegenbringen urid erwartet Vorschläge, die Sie selbst oder unsere Freunde in Ihrer Stadt uns für diese verschiedenen Pläne machen können. Das wäre nun eine große Reihe von Organisationen, deren Möglichkeit und Einführung Sie studieren und erwägen müssen und die dazu bestimmt sind, unser Erziehungswerk zu verlängern und zu vervollständigen. Später, wenn diese Anstalten alle in Betrieb sein werden, werden wir mit Ihnen eine weitere Reihe von Fortbildungseinrichtungen durchstudieren, wie z. B. die Gegenseitigkeitsvereine, Polikliniken usw., deren Schöpfung eine große Wohltat für die jüdische Bevölkerung der Türkei und Afrikas werden soll. Der Sekretär Jacques Bigart. DIE SCHULEN DER ALLIANCE IN DEN JAHREN 1911-1913. (Aus den Jahresberichten der Schulleiter). A 1 e x a n d r i a. Die Zahl der Schüler, so schreibt Direktor Danon, hat etwas nachgelassen, sie ist von 264 auf 236 zurückgegangen. Die Ursachen dieses Rückgangs sind vielfacher Art: Eröffnung neuer Konkurrenzschulen, die wirtschaftliche Krisis, die manche Schüler zum Besuch vollständiger Freischulen zwingt, und vor allem die Abnahme des religiösen Gefühls, die vielen Eltern die Zeit für das Studium des Hebräischen, der jüdischen Geschichte und für den Religionsunterricht als verloren erscheinen läßt. Die Schüler sind im allgemeinen intelligent und fleißig. Von denen, die die oberste Knabenklasse durchgemacht haben, sind die meisten in Geschäften angestellt und bewähren sich dort sehr gut; vier junge Mädchen haben die Abschlußprüfungen für den Elementarunterricht mit Auszeichnung bestanden und sind in die höhere Schule aufgenommen worden. Leider hat der Schulbesuch infolge verschiedener Krankheiten, wie Röthein, Scharlach, Masern und typhöses Fieber, nicht regelmäßig sein können, und bei manchen Schülern haben die Lücken sich sehr deutlich gezeigt. Die jüdische Bevölkerung von Alexandria ist voller Lob für die Unterrichtsmethoden in den Allianceschulen, weil diese Methoden weniger Gewicht auf Gedächtniskram als auf die Ausbildung der Intelligenz und des Charakters der Schüler legen. Von der untersten Stufe ab gewöhnen die Kinder sich daran, selbst zu beobachten und nachzudenken und ihre Gedanken in ihrer eigenen, Weise auszudrücken. Auf diese Art sind sie beim Aufrücken in höhere Klassen besser vorbereitet und können dort dem Unterricht leichter folgen als die Schüler, die aus anderen Anstalten in unsere Schule übergehen und vielfach älter sind als die in derselben Klasse sitzenden Kinder. Die Gemeinde gibt der Schule einen jährlichen Zuschuß von 5000 Frs. A d r i a n o p e I. Aus dem Bericht des Direktors Mitrani: Die Knabenschule ist von beinahe 1100 Schülern besucht worden. Aus Mangel an Platz und an Geldmitteln haben wir 300 bis 400 Schüler abweisen müssen, die deshalb gezwungen waren, die Privatschulen des Viertels aufzusuchen. Vielleicht mehr als anderwärts kommt in Adrianopel eine Reihe besonders interessanter Schüler zu uns; es sind begabte und fleißige Kinder, mit einem Heißhunger nach Bildung und Fortschritt — aber die große Armut der Eltern verschließt ihnen oft die Schule. Diese armen Jungen müssen an jedem Freitag und Sonntag und an mehreren Nachmittagen der Woche mit Waren in der Stadt hausieren, um zum Unterhalt ihrer bedürftigen Familien beizutragen. Das Elend in unserer Gemeinde ist sehr groß, ebenso groß sind die Bemühungen der Wohlfahrtsvereine, die Not ein wenig zu lindern. Der örtliche Zuschuß zu unserer Schule beträgt 54 000 Frs., wovon 25 000 Frs. auf die Gemeindeverwaltung kommen; es ist die Hälfte ihrer Gesamteinnahmen. Man ist weiter bemüht, den Zuschuß für die Schule zu erhöhen, deren segensreiche Wirkung von der ganzen Gemeinde anerkannt wird. Bagdad. Die fünf Allianceschulen haben zusammen ungefähr 2000 Schüler, während 10 000 Knaben und Mädchen im schulpflichtigen Alter in Bagdad vorhanden sind; was wird aus den übrigen achttausend? fragt Direktor Albala in seinem Bericht. Der große Midrasch mit seinen Nebenanstalten nimmt 3000 Knaben auf; 200 besuchen die „Taaoun"-Schule; 1500 Schüler beiderlei Geschlechts sind auf 20 private Talmud-Thoras verteilt, die in Bagdad unter der Bezeichnung „Stads" bekannt sind. Es wachsen also ungefähr 3000 Kinder, zumeist Mädchen, in vollständiger Unwissenheit auf.

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