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Ost und West · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. Seite 135 - 136

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Article
Jüdische Spuren im mittelalterlichen Zentralasien
Date
1914-02-01
Page
Seite 135 - 136 (sequence 3)
Language
German
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135 Direktor Dr. S. Feist: Jüdische Spuren im mittelalterlichen Zentralasien. 136 sondern, wie im Petersburger Kodex, über denselben befindet, und auch nicht Punkte und Striche wie unsere jetzigen Texte verwendet, sondern noch die aus den griechischen Vokalen entsprungenen Zeichen, die von den Syrern erfunden wurden und sich in modifizierter Form noch heute in der arabischen Schrift finden. Diesen sind die in unserm Manuskript zu findenden Zeichen noch nahe verwandt. Wichtig ist auch das Material, auf dem das Dokument geschrieben ist. Die Juden in Asien verwandten bekanntlich in älterer Zeit ausschließlich' Pergament, in Aegypten wurde Papyrus als Schreibmaterial gebraucht; doch unser Manuskript ist auf Papier geschrieben, das die Karaiten zuerst unter den Juden um das Jahr 1000 gebrauchten1). Unser älteres Manuskript muß daher in engen Beziehungen zu China stehen, wo allein von allen asiatischen und europäischen Ländern die Papierfabrikation damals schon bekannt war. Vielleicht kam der jüdische Reisende, vermutlich ein Händler, aus dem innern China selbst, wo es ja den Berichten älterer Reisenden zufolge schon in recht früher Zeit jüdische Kolonien gab. Es ist möglich, daß sich bei diesen eine altertümlichere Schreibart der Vokale länger erhalten hat, als man im vorderen Orient bereits zu der palästinensischen Art der Bezeichnung der Vokale unter den Konsonanten übergegangen war. Während bis vor wenigen Jahren von der älteren Geschichte Ost-Turkestans, speziell des Tarim-Beckens, kaum etwas bekannt war, sind wir durch die Funde der letzten Jahre weit besser über die Schicksale dieser Gegend informiert. Wir haben bereits erwähnt, daß dort die verschiedensten Sprachen zu Hause waren. Wir haben aber ferner aus den aufgefundenen Handschriften erfahren, daß 1) Die Fabrikation des Papiers sollen die Araber im 7. Jahrhundert etwa in Samarkand von den Chinesen gelernt und den europäischen Völkern gebracht haben, auch mehrere Religionsformen dort vertreten waren. In friedlichstem Einvernehmen und oft in unmittelbarer Nachbarschaft befanden sich buddhistische, manichäische, christliche (nestorianische), islamische und taoistische Kultstätten. Bei so weitgehender gegenseitiger Duldsamkeit ist anzunehmen, daß auch Bekenner des Judentums in dem einst blühenden Lande vertreten waren. Diese Annahme würde uns auch eine Erklärung für das rätselhafte Vorkommen von Judengemeinden im Innern Chinas bieten. Wie der Weg der hellenistisch-indisch-persischen Kultur und Kunst von Vorderasien durch Ost-Turkestan nach China führte und neue Keime in das uralte Kulturleben Ostasiens brachte, so sind vermutlich auch jüdische Ansiedler das Tarim-Becken entlang in das Innere Chinas gekommen. Eine Spur des .von ihnen eingeschlagenen Weges dürfte wohl das wieder aufgefundene Gebetstück bieten, das freilich bis jetzt mit dem schon erwähnten jüdischpersischen Brief recht vereinzelt unter den zahllosen Handschriftenfunden aus Zentralasien dasteht. Hätten wir das Glück gehabt, auch hebräische Manuskripte in größerer Anzahl dort zu finden, so wäre über die Geschichte des Judentums in diesen Gegenden wohl ebensoviel Licht ausgebreitet worden, wie über die bisher ganz dunkle Lehre des Mäni von der wir nunmehr authentische Texte aus Ost-Turkestan erhalten haben. Der erfolgreiche Pionier der deutschen Wissenschaft, Prof. von Le Coq, ist vor wenigen Monaten aufs neue nach Ost- Turkestan ausgezogen, und wir wollen hoffen, daß seine Expedition nicht nur künstlerische Ergebnisse zeitigen wird, wie es nach hierher gelangten Mitteilungen bis jetzt der Fall ist, sondern noch ^manche neue Handschriften ans Licht fördern wird. Und wenn wir recht kühne Hoffnungen hegen wollen, so erwarten wir darunter auch neue Funde in hebräischer Sprache, die bis jetzt nur so spärlich vertreten sind. EINE RA-ANBETERIN IM HAUSE ABRAHAMS. Im Anschluß an die vor Kurzem erschienene, „König Ramses II." überschriebene Notiz, erlaube ich mir, die Aufmerksamkeit der Leser von „Ost und West" auf die Stelle Genesis 16, 13—14 zu lenken. Dieselbe bildet ein crux interpretum. Wie groß die Schwierigkeit und Verlegenheit ist, das ersieht man, wenn man in Zunz' Bibelübersetzungjzu Vers 13 liest: „Du, Gott der Erblickung, denn, sprach sie, habe ich auch nur einen Tritt gesehen nach der Erblickung." Gunkels Erklärung (Kommentar zur Gen.) ist ganz unbegründet und nimmt sich eigentümlich aus. Die Schwierigkeit dürfte durch folgende Auffassung gehoben sein. Zu dem K- 16 ist wiederholt hervorgehoben, daß Hagar eine Aegypterin gewesen (V. 1 u. 3). „Sie lebte im Hause Abrahams, aber ihren Glauben, ihren Gott hat sie sich bewahrt. Ihr Gott war der „Ra", der Sonnengott Aegyptens." Hagar erkannte in dem göttlichen Wesen, welches ihr erschienen ist und zu ihr geredet hat (V. 7—12) ihren Gott „Ra". Die Uebersetzung von Vers 13 würde demzufolge so lauten: „Sie nannte den Namen „Jahve", der zu ihr redete: Du bist mein Gott „Ra" (>*n nn«), denn sie sprach, auch hier habe ich geschaut nach meinem „Ra" (emphatisch: *n nn« w*n uhr\ ein Das Wörtchen: nr.a ist sehr bezeichnend. Du bist mein alter Gott, den ich stets verehre — auch im Hause meines Herrn, der einen anderen Gott anbetet, du bist mir an dieser Stelle in meiner Not erschienen, denn auf dich war auch hier mein Sinnen und Denken gerichtet. Dann wird Vers 14 hinzugefügt: Darum nannte man den Brunnen: Ra- Brunnen". Er war dem Gott „Ra" geweiht. In dem beigefügten Wort "*rh« dürfte ein Zuname des „Ra" enthalten sein, wie er deren mehrere hatte. Die Stelle Gen. 16, 13—14 spiegelt die Situation in vollkommen geschichtlicher Treue, wenn auch das Sprachliche eine Wendung erfahren hat.*) Versecz. Dr. S i d o n. *) Änm. Die Schreibung des Namens „Ra" in Potiphera oder Pharao mit dem Buchstaben ,;;u kann nicht als stichhaltiger Einwand gelten, wenn er in der beleuchteten Stelle mit „«" erscheint. Letztere Schreibung ist durch die Identifizierung mit nsn „sehen" entstanden (\-:*n r?-

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