Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1914)
- Article
- Die jüdische Gemeinde von Triest
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 131 - 132 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2583875-2584047-2584049-2596252--15302-2596303- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
131 Prof. A. Freud: Die jüdische Gemeinde von Triest. 132 Die vor einem Jahr in Triest zum Ersätze der vier alten Tempel eröffnete Synagoge verdient nun .besondere Erwähnung, denn sie ist ein Bau von sozifeagenj}^ vi n z i p' i el J e r Bedeutung. Hier ward (meinesAYissens zum ersten Male) die überaus schwierige künstlerische,Aufgahe, die der Bau einer Synagoge dem Architekten stellt,. in völlig befriedigender Weise gelöst \.und'* Triest kann sich rühmen, eine der jüdischesten Synagogen zu besitzen und merkwürdig genug: erbaut 'von 2 Nichtjuden," den heimischen Architekten Berlam (Vater und Sohn). Man sollte sich einmal völlig klar darüber werden, vor welches Problem ein Synagogenbau den Künstler stellt: eine repräsentierende Kultstätte zu schaffen, die in ihrem spezifischen Charakter und mit künstlerischen Mitteln' dem AVesenTdes altjüdischen Kultus angemessen sei. Bis heute', hat es in diesem Sinne eigentlich keine Synagoge' gegeben, denn auch die mittelalterlichen Tempel (Worms,; Prag) enthalten kein irgendwie charakteristisch-jüdisches cd er semitisches Stilelement. Unsere neuen Prunkbauten aber sind Konzerthäuser, Musikhalls, Theater, byzantinische Kirchen ohne christliche Zeichen und, die "„jüdischesten" schliesslich sind arabisch-maurische . Moscheen. Welch naiver Irrtum, irgendwelche*'' Beziehungen zwischen dem maurischen Moscheenstil und dem Gebäude der jüdischen Religion finden zu wollen,vwill man sich nicht mit der läppischen Erklärung begnügen, dass beide „orientalisch" sind! So wenig sich die grandiose Monumentalität der jüdischen -Idee mit dem sinn!ich-weihräucherisehen, fatalistischen Islam vergleichen lässt, so wenig ist etwa die Arabeskenzierlichkeit geeignet, jüdisch-religiöse Erhebung zu symbolisieren. Alle diese Erwägungen im Verein mit der Tatsache, dass es eine eigene altjüdische Stiltradition nicht gibt, mussten auf eine hochentwickelte Kunst weisen, deren Bedeutung erst seit etlichen Jahren gewürdigt wird: die Architektur Innersyriens, die sich um das 4. Jahrhundert nach Chr., die alten Stile von Ost und West harmonisch verknüpfend, zu voller Blüte entfaltete, und die, schon infolge der palästinensischen Nachbarschaft, auf ihren früheren Stufen im heiligen Lande vorherrschend gewesen sein muss. So entstand der imposante, grausteinerne Bau, grossartig empfunden, einheitlich bis ins Kleinste gestaltet und in anmutsvoller Hoheit sich, der Formensprache unserer Vergangenheit vermählend. Es ist hier nicht der Ort> eine genaue Analyse zu geben, aber der p r ä c h - tige Synagogenbau. von Triest sollte für unseren Synagogenstil wahrhaftig einen Wendepunkt bedeuten. Die schöne Synagoge hat in der Person des neuen Oberrabbiners auch einen würdigen Prediger gefunden. Professor C h a j e s , einer bekannten jüdischen Gelehrtenfamilie Galiziens entsprossen, ist ein Mann, der mit sicherem Blick für alles Zeitgemäße eine bedeutende jüdische Gelehrsamkeit verbindet. In jungen Jahren schon an die neue jüdisch-theologische Lehranstalt in Florenz berufen, wirkte er daselbst erfolgreich durch ein Jahrzehnt, bis ihn vor Jahresfrist die Priester Gemeinde berief. Chajes' Begabung,, sowie seine durchaus ideale Auffassung seines Berufes,, sind günstige Bedingungen für eine erfolgreiche Wirksamkeit. Das Arbeitsfeld ist weit genug und besonders in dem eingeborenen Element, das noch immer einegrössere Geschlossenheit vor den anderen voraus hat, sind genügende Energiequellen aufgespeichert; Kräfte,, die nur auf die rechte Bahn geleitet werden müssten,. um sich für die jüdische Sache auswirken zu können. Das erfordert freilich liebevolle Hingabe, die man nur aus besserer Kenntnis des Judentums erwerben kann*), dem man in manchen Kreisen infolge falscher Uebertragung fremder Begriffe, als Gegner jeglichen Klerikalismus völlig ablehnend gegenübersteht. Schon aber zeigen sich bei manchen kleine Anfänge zur Bückkehr und ist erst einmal das Eis geschmolzen, dann dürfen wir vielleicht auch hier einen Frühling erhoffen. *) Seit Kurzem erscheint unter Chajos' Leitung eine allen Steuerträgern gratis zugehende (Jenieintlczeihmg* 11. Mesaggero Israelitiro. JÜDISCHE SPUREN IM MITTELALTERLICHEN ZENTRALASIEN. Von Waisenhausdirektor Dr. Sigmund Feist. Seit etwa einem Jahrzehnt hat uns der einst fruchtbare, jetzt aber zumeist mit Sandwüsten bedeckte Boden Ost-Turkestans wertvollen Aufschluß über die kulturelle Vergangenheit der dort ansässigen und ansässig gewesenen Völker geliefert. Wie in Aegypten, Palästina, Kleinasien, Mesopotamien usw. hat auch hier der Spaten des Archäologen die Trümmerstätten alter Städte und Ansiedlungen durchwühlt. Das erste Volk, das die noch unausgebeutete Fundgrube in Innerasien sich zunutze machte, waren die Engländer, wie sich das aus den politischen Verhältnissen leicht erklärt. Ein Beamter der anglo-indischen Regierung, ein anglisierter Ungar jüdischer Abkunft, Markus Stein, heute infolge seiner großen Verdienste um die geographische Wissenschaft als Sir Marc Aurel Stein geadelt, hat neben seinen neuen Ergebnissen für die geographische Forschung auch reiche Handschriftenschätze aus Ost-Turkestan nach Indien und London gebracht (zuerst 1902). Bald folgten die Russen nach, und dank der Tatkraft der Verwaltung des Museums für Völkerkunde zu Berlin blieben hier die Deutschen auch nicht im Hintergrund. Es konnte bereits im Jahre 1902 eine erste Expedition nach Ost-Turkestan ausgerüstet werden, die Herrn Prof. Grünwedel und dem Indologen Dr. Huth, dem Sohn' des ehemaligen Direktors der Nauenschen Erziehungsanstalt zu Berlin, unterstellt war. Die Ergebnisse dieser Expedition waren über Erwarten groß. Viele Handschriften und sonstige Funde aus den Trümmerstätten des nördlichen Turkestan wurden nach Berlin gebracht, und bis heute ist es trotz der rastlosen Mitarbeit zahlreicher Gelehrten noch nicht gelungen, das ganze Material wissenschaftlich zu ver-