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Ost und West · 1914-02-01 · Heft 2 (Februar 1914) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
14 (1914)
Issue
Heft 2 (Februar 1914)
Date
1914-02-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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OSPffE^e st ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^/ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 2. Februar 1914. XIV. Jahrg. DAS GOTTESREICH.*) Von Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Hermann Cohen. Zu der Synthese unserer Ueberschrift muß eine Doppelfrage überleiten. In den verschiedenen Beziehungen des Kulturlebens haben wir die soziale Sittenlehre unserer Religion festgestellt. Es verlangt uns aber nach einer Einheit, welche jene Vielseitigkeit in sich zusammenfaßt. Zu dieser Einheit soll uns die Frage führen, welche zwar das Problem selbst angreift, aber nur, um es in der gesuchten Einheit desto tiefer zu befestigen. *) Dieser gehaltvolle und gedankentiefe Aufsatz, den wir hier zum Abdruck bringen, bildet den Abschluß einer Reihe von zusammenhängenden Abhandlungen, die der Verband der deutschen Juden anläßlich seiner 5. Hauptversammlung in Hamburg in einer Sammelschrift, betitelt ,Soziale Ethik im Judentum", Verlag J. Kaufmann, Frank furt a. M., veröffentlicht hat. Eingeleitet wird diese gediegene Schrift, auf die wir unsere Leser besonders aufmerksam machen, mit einem Aufsatz von Leo Bäck: ,,Die Schöpfung des Mitmenschen". Die soziale Ethik im Judentum in ihrer vollen Bedeutung behandeln dann folgende Aufsätze: ,,Staat und Gesellschaft" (Simon Bernfeld) „Recht und Rechtspflege" (Bernhard Breslauer); „Mildtätigkeit" (Juda Bergmann); „Die Frau im Judentum" (Max Eschelbacher); „Erziehung und Schule" (Moritz Güdemann); „Volksbildung" (Philipp Bloch); „Der Sabbat" (N. Nobel). In dem geistvollen Aufsatz „Das Gottesreich" gibt der bekannte Philosoph Hermann Cohen die Synthese aller sozialen Ethik des Judentums, die nur das eine Ziel kennt, das geistige und materielle Wohl der ganzen Menschheit, den ewigen Frieden und den sittlichen Fortschritt. Es erübrigt sich wohl, die Lektüre dieser inhaltreichen Schrift unsern Glaubensgenossen zu empfehlen. Wer den ethischen Gehalt des Judentums kennen lernen will, wird zu diesem Buch greifen, das anziehend geschrieben und nicht nur für Gelehrte, sondern auch für jeden gebildeten Laien bestimmt ist. Die Frage geht auf den Begriff der sozialen Ethik selbst: enthält er nicht einen Pleonasmus? Kann es denn eine Sittlichkeit geben, die nicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse des Menschenlebens sich erstreckte und nicht immerfort auf sie Bezug nähme? Welchen Vorzug, welche Eigenart unserer Religion könnten wir mithin erforschen, wenn wir ihre Sittenlehre aus dem sozialen Gesichtspunkte zu beleuchten suchen? Indessen soll diese Frage uns doch nicht an unserem Plane irremachen. Worauf beruht denn nun aber die Sicherheit, die wir trotz diesem Einwände unserm Gesichtspunkte zutrauen, so daß wir unsere religiöse Sittenlehre nicht besser, nicht eindeutiger als Kulturkraft bestätigen zu können glauben, als indem wir ihre durchgreifenden Beziehungen auf das Gesamtgebiet des sozialen Daseins und Wirkens nachweisen? Wir finden die Antwort am einfachsten, wenn wir das deutsche Wort Gesellschaft für das lateinische einsetzen. Denn obwohl auch die societas an den juristischen Ursprung erinnert, so verrät die Gesellschaft doch noch umfassender die Vieldeutigkeit ihres Begriffs. Wir gebrauchen sie nämlich erstlich im Sinne der Wirtschaft, und in dieser Bedeutung umfaßt sie das gesamte Gebiet der materiellen Kultur, alle Verhältnisse des Verkehrs und des Erwerbes. Sie zieht sogar auch aus dem geistigen Gebiete das Recht und den Staat herbei, um sich ihrer Mittel und Gewalten zu bedienen und seinen Bedürfnissen diese anzupassen. Aus den Kontroversen des Tages kennen wir genugsam diese Grundstimmung des politischen Sozialismus, welche für den Sinn der Geschichte allein auf den Materialismus der wirt-

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