Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 14 (1914)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1914)
- Article
- Nachwort der Redaktion
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 35 - 36 (sequence 6)
- Language
- German
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35 Nachwort der Redaktion. 36 In Wirklichkeit aber hat der Hilfsverein den wahren deutschen Kulturinteressen einen sehr schlechten Dienst geleistet. Obgleich der Antisemitismus in ganz Europa (und auch im Orient) von Deutschland ausging, und in der ganzen Welt vorwiegend von Deutschen gepflegt wird, hegen alle Juden, und insbesondere die polnisch-russischen, eine tiefe Sympathie für die deutsche Kultur. Schon ihre Sprache bringt diese Juden dem geistigen Deutschland nahe, und überall in der Welt sind sie, oft unwillkürlich, Propagatoren des Deutschtums und somit auch der deutschen Interessen gewesen. Diese Dienste der Juden wissen die maßgebenden deutschen Staatsmänner sehr wohl zu würdigen, wenn sie es auch nie für nötig erachten, sie zu lohnen. Durch den Versuch der gewaltsamen Aufdrängung des Deutschen als der einzig möglichen Kultursprache der Juden in Palästina hat der Hilfsverein diese Sympathie der Juden für das Deutsche sehr erschüttert, wenn nicht gar für lange Zeit verscheucht. Herr Dr. Paul Nathan hätte wohl von Wreschen und von Zabern lernen können. Daß er es nicht getan, beweist nur, daß man ein guter Mensch 'und dabei ein schlechter Politiker sein kann. Zumal, wie wir aus absolut sicherer Quelle wissen, das Berliner Auswärtige Amt für den dem Technikum zu gewährenden „Schutz" gar nicht die Festlegung des Deutschen als Unterrichtssprache verlangt hat, sondern nur, daß im Unterrichtsplan der deutschen Sprache der erste Rang unter allen anderen europäischen Sprachen eingeräumt werde. Die Herren nun, welche päpstlicher als der Papst sein wollten, haben jedenfalls bewiesen, daß ihnen der weite und freie politische Blick für die realen Verhältnisse mangelt, und daß sie sich keineswegs zu Lenkern einer großen jüdischen Organisation mit weitausgreifenden Plänen eignen, wo es gilt, Herz und Kopf am richtigen Fleck zu haben. Faßt man also den Kampf, den die Juden in Palästina jetzt gegen den Hilfsverein führen, ruhig ins Auge, so wird man zugeben müssen, daß es ein Kampf für ein hehres Ideal ist gegen eine leichtfertige, dilettantische Politikastern, die jüdische Mittel und jüdische Kraft Zwecken dienstbar machen will, die mit Juden und Judentum nichts zu tun haben. PROF. WILHELM BACHER Nicht um alle Männer, die wir in den letzten Jahren verloren haben, war die Trauer so allgemein und uneingeschränkt, wie um den vor wenigen Tagen in Budapest hingeschiedenen Professor Dr. Wilhelm Bacher. Nur 63 Jahre ist er alt geworden, und überblickt man die Fülle seiner Arbeiten, so vermeint man, daß zehn bedeutende Leben dazu gehört haben, um sie hervorzubringen. Er war als Sohn des bekannten hebräischen Dichters und Lessing - Uebersetzers Simon Bacher 1850 in Budapest geboren. Mit 15 Jahren schon beherrschte er außer der hebräischen Sprache das Griechische und Lateinische so vorzüglich, daß er aus der einen Sprache in die andere Prof. Wilhelm Bacher. als Professor an der Budapester Landesrabbinerschule. Alle Gebiete der jüdischen Wissenschaft wurden von ihm bearbeitet. Doch das meiste verdankt ihm die Geschichte der Exegese und der hebräischen Sprach-?II5 forsehung, sowie die Aggada, die er linguistisch, archäologisch und historisch in drei grundlegenden Werken erforscht hat. Er hat neue Gebiete der Forschung erschlossen, so z. B. das der vorher wenig bekannten jüdischpersischen Literatur und Dichtung. Eine stille, bescheidene Gelehrtennatur, in seiner Wissenschaft aufgehend, war ihm doch kein Zweig der Kunst und Literatur fremd. Von seiner edlen Persönlichkeit ging ein feiner Zauber aus, Gedichte übersetzen konnte. Mit 20 Jahren wurde der jeden, welcher ihm näher trat, in seinen Bann er in Leipzig zum Doktor der Philosophie zog. Mit der tiefen Trauer um seinen frühen promoviert, auf Grund einer Abhandlung über Tod wird sich die Ehrfurcht für sein'nimmermüdes den persischen Dichter Nozami. Kurze Zeit fun- Schaffen und die Dankbarkeit für dessen reiche gierte er als Rabbiner, seit 1877 wirkte er Früchte verbinden. HOLLÄNDISCHE KÜNSTLER. Von Karl Schwarz. Kein Land ist in der Entwicklung seiner Kunst man im Fluge die Jahrhunderte der verschiedenen so konservativ vorgegangen wie Holland. Wenn Länder durchwandert, so macht sich in allen gleich-